Schmidt auf Rundreise durch Nordsachsen

11.06.2015

© Karsten Bär

Bei einem Betriebsrundgang stellte Dietmar Wiesner (l.) dem Minister die Agrargenossenschaft Laas vor.

Wochenlang kaum nennenswerte Niederschläge: Über die Trockenheit und ihre Auswirkungen auf die landwirtschaftlichen Kulturen musste selbstverständlich in allen drei nordsächsischen Betrieben gesprochen werden, die Agrarminister Thomas Schmidt vergangene Woche bei einer Rundreise besuchte. Doch auch mit Nässe gibt es mitunter Probleme, wie Tilo Bischoff von der Agrargenossenschaft Hohenprießnitz dem Gast aus Dresden verdeutlichte.


Denn wie viele Landwirte im Umfeld der Dübener Heide hat der 2 300-ha-Betrieb mit Marktfruchterzeugung und Milchproduktion arge Not mit dem Biber, der durch Aufstauen kleiner Fließgewässer Vernässungen auf den Flächen verursacht. Acht Biberreviere gebe es auf dem von der Agrargenossenschaft bewirtschafteten Gebiet, die allein 12 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche in Beschlag nehmen. Hinzu kommen Randbereiche, die ebenfalls beeinflusst werden. „Es wird zur Plage“, klagte Bischoff. Schließlich bliebe es nicht beim direkten Schaden auf den Schlägen. „Die betroffenen Bereiche werden aus den Feldblöcken herausgestrichen und gehen für die Agrarförderung verloren“, verdeutlichte der Vorstandsvorsitzende. Brisant sei auch, wenn gepachtetes Land, für dessen Erhalt man in der Pflicht stehe, seinen Zustand verschlechtere.

 

Hoher Schutzstatus erschwert Lösungen


Minister Schmidt verwies in diesem Zusammenhang auf  den hohen Schutzstatus, den der Biber genieße und der wenig Spielraum zum Gegensteuern lasse. Doch inzwischen beginne man hierüber zu diskutieren, etwa in Brandenburg, wo der Biber in Konflikt mit dem Hochwasserschutz gerät. Eine mögliche Lösung könnte es sein, vom Biber beeinflusste Flächen als ökologische Vorrangflächen auszuweisen. Ein Vorschlag, der seitens betroffener Landwirte begrüßt würde, allerdings noch mit Fragezeichen hinsichtlich seiner Realisierung versehen ist.


In Sachen Hochwasserschutz hat man in Hohenprießnitz ebenfalls Sorgen. Man unterstütze die notwendigen Maßnahmen und wisse, dass vor allem die Siedlungen geschützt werden müssen, erklärte Bischoff. Das gelte auch für den Bau des Polders Löbnitz an der Vereinigten Mulde, der derzeit entsteht und in dem sich rund 500 ha der Betriebsfläche befinden werden. Im Planfeststellungsbeschluss jedoch werde explizit ausgeschlossen, dass im Fall der Flutung Entschädigungen in dem Maßstab gezahlt würden, wie es nach dem Hochwasser 2013 geschah. „Wenn ich so etwas lese, geht es mir richtig schlecht“, machte der Betriebsleiter deutlich. „Wir wollen keine Pauschalzahlungen, aber einen Ausgleich, wenn der Schaden eintritt.“ Zudem erscheine ihm das Vorgehen der Behörden unfair, wenn bei Inanspruchnahme von Eigentumsflächen für den Hochwasserschutz keine oder keine adäquaten Ersatzflächen aus Staatseigentum angeboten würden, obwohl sie vorhanden wären.


Schmidt bekräftigte, dass er auf Flutungs- und Polderflächen für einen Schadensausgleich für die Landwirte einstehe und hierfür eine bundeseinheitliche Regelung anstrebe. Hierüber gebe es zwischen Bund und Ländern weitgehend Einigkeit. Lediglich die Aufteilung der Finanzierung müsse noch geklärt werden.


Das Thema Unternehmensnachfolge stand an der nächsten Station der Rundreise auf der Tagesordnung. In der Landgut GmbH Staritz in Belgern informierte Geschäftsführer Erhard Neubauer über die in den kommenden  Jahren geplante Übergabe der Geschäftsführung der Landgut GmbH und der dazugehörenden „Grüne Heide“ GmbH an seinen Sohn Frank Neubauer, der  Landwirtschaft studierte und bereits in den USA praktische Erfahrungen sammeln konnte, und an seine Tochter Katrin Mittelstädt, eine studierte Betriebswirtin. „Ich werde nicht nur als Geschäftsführer ausscheiden, sondern auch als Gesellschafter, damit die Verantwortung wirklich an die jungen Leute übergeht“, betonte Neubauer. Über den Generationenwechsel hinaus stehen in naher Zukunft weitere Aufgaben an: So sollen Investitionen in Stallanlagen im Schweinehaltungsbereich erfolgen und die Möglichkeiten der Beregnung auf den Flächen des Betriebes ausgebaut werden.

 

Ausgleichspflanzungen mitten im Schlag


Als ein Unternehmen, das breit aufgestellt auf stabilen Beinen steht, präsentierte sich die Agrargenossenschaft Laas in Liebschützberg dem Landwirtschaftsminister. Der Betrieb bewirtschaftet rund 1 900 ha, hält 400 Milchkühe sowie 1 000 Schweine und betreibt eine Biogasanlage. Über ein Tochterunternehmen werden selbst erzeugte Lebensmittel im eigenen Hofladen und auf Wochenmärkten in Sachsen und Südbrandenburg direktvermarktet.  


Trotz einer guten Entwicklung, die die Agrargenossenschaft in den vergangenen Jahren nehmen konnte: Sorgenfrei ist man auch in Laas nicht, wie Vorstandsvorsitzender Dietmar Wiesner und seine Stellvertreterin Sylke Hesse dem Minister darlegten. So sei der Betrieb von Ausgleichsmaßnahmen für öffentliche Bauleistungen, unter anderem für die A72, betroffen, die im Vorjahr zum Entzug von 15 ha Ackerland führten. In Einzelflächen aufgeteilt, würden die Pflanzungen zum Teil mitten in Feldschlägen vorgenommen, was die Bewirtschaftung extrem erschwere, wie Sylke Hesse erklärte. Ein weiteres Problem ergebe sich aus dem EuGH-Urteil zum Dauergrünland. Um der Umwandlung von mit Feldgras bestellten Ackerflächen zu entgehen, habe man gut etablierte Bestände auf 40 ha umbrechen und auf 80 ha stilllegen müssen, was letztlich das Futterangebot verknappe. Unverständlich sei es zudem, wenn für selbst verbrauchten Strom aus eigener Erzeugung, durch den man in den vergangenen Jahren die Energiekosten des Betriebes senken konnte, EEG-Umlage zu zahlen ist, ergänzte Dietmar Wiesner. Und verwies nicht zuletzt auf die immer aufwendiger werdende Bürokratie, die bei den Auflagen für das Greening beginnt, mit dem Mindestlohngesetz und den verbundenen Dokumentationspflichten seit diesem Jahr noch weiter gewachsen ist und auch auf regionaler Ebene, etwa bei den Reglementierungen für das Bewegen von Erntetechnik auf öffentlichen Straßen, zu finden ist.

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