Scharfe Kritik an Bestandsauflösung

27.06.2017

© Privat

Bei der Aktion vor einem Jahr wurde mehr als die Hälfte der Rinder von Arnd Viehweg größtenteils bereits an Ort und Stelle getötet.

Die Auflösung eines Rinderbestandes in Großbardau bei Grimma vor einem Jahr war nach Ansicht des ehemaligen Amtstierarztes des früheren Muldentalkreises, Ingolf Herold, „völlig überzogen“. Hierzu nahm der Tierarzt während einer Pressekonferenz Stellung, zu der der damalige Halter des Bestandes, Arnd Viehweg aus Großbardau, ein Jahr nach den Vorfällen  eingeladen hatte.

 

Herold erklärte, die in der Öffentlichkeit durch das Veterinäramt des Landkreises Leipzig vorgebrachten Begründungen, die Maßnahme habe dem Seuchen- und dem Verbraucherschutz gedient, seien nicht nachvollziehbar, weil zum einen keine akute Seuchengefahr bestand, zum anderen von den auf der Weide stehenden Tieren noch keine Gefahr für die Lebensmittelsicherheit ausging.

 

Die Massentötung der Rinder durch eine auf den Seuchenfall spezialisierte Firma sei nicht gerechtfertigt gewesen. Bei der Maßnahme wurden 82 von 148 Rindern größtenteils noch vor Ort getötet, weil aus Sicht der Behörde ihre Identität nicht nachvollziehbar war. Das Veterinäramt habe sich dabei jedoch auf eine veraltete EU-Verordnung von 1998 berufen, die 2010 korrigiert wurde, wie der Tierarzt meint.  In der Verordnung (EU) Nr. 1053/2010 wird die zuvor geltende strenge Frist von zwei Tagen, innerhalb derer der Halter die Identität eines Tieres nachweisen musste, als nicht praktikabel angesehen und ein Ermessenspielraum eingeräumt, so Herold. Stattdessen sollte eine Risikoanalyse erfolgen und darauf aufbauend angemessene Sanktionen ergriffen werden. Dies hätte eine weniger gravierende Lösung ermöglicht. Die als allerletztes Mittel eingeräumte Möglichkeit der Tötung sie jedoch von den Verantwortlichen sofort angewandt worden, wobei, wie der Tierarzt sagte, gegen das Tierschutzgesetz verstoßen wurde.

 

Im Widerspruch zum strikten Handeln des Veterinäramtes unter Einbezug einer auf Tierseuchenbekämpfung spezialisierten Firma stehe der Umgang mit den ordnungsgemäß gekennzeichneten Rindern aus dem Bestand. Diese hätten während der Tötungsaktion nicht an einen anderen Ort gebracht werden dürfen, sondern zunächst in Quarantäne gehört, was jedoch nicht geschehen sei.

 

Lesen Sie mehr in der BauernZeitung Heft 27/2017 (Ausgabe Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen).

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr