Schafhaltung: Den Rückgang stoppen

12.08.2014

© Karsten Bär

Über Unterstützung für Sachsens Schäfer informierte Minister Kupfer bei einem Besuch beim Vorsitzenden des Schaf- und Ziegenzuchtverbandes, Schäfermeister Detelf Rohrmann (l.).

Um Schäfer zu sein, bedarf es auch eines gerüttelten Maßes an Idealismus und Liebe zum Beruf. Denn mit Blick auf die Einkommen sieht es derzeit mit der Schafhaltung nicht eben rosig aus. Die Lammpreise seien zwar stabil, „aber die Kosten steigen“, so Agrarminister Frank Kupfer kürzlich bei einem Besuch der Schäferei Detlef Rohrmann in Pirna. Und der Wollpreis? Decke gerade so die Kosten für die Schafschur. Aus wirtschaftlichen Gründen habe jedoch noch kein Schäfereibetrieb in Sachsen die Segel gestrichen, betont Dr. Regina Walther. „Schwierig ist es allerdings, Betriebsnachfolger für Schäfer, die in den Ruhestand gehen, zu finden“, so das Vorstandsmitglied des Sächsischen Schaf- und Ziegenzuchtverbandes (SSZV).

Das spiegelt sich am Schafbestand im Freistaat wider, der seit Jahren sinkt. Und auch die Zahl schafhaltender Betriebe ist rückläufig. Auf knapp 60 000 Mutterschafe wird der sächsische Bestand im Vorjahr geschätzt, noch rund 110 Betriebe halten 200 und mehr Schafe.

Um die wirtschaftliche Situation der Schäfer in Sachsen zu verbessern und den Schafbestand zu stabilisieren, hat sich das Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) nach intensivem Austausch mit dem Sächsischen Schaf- und Ziegenzuchtverband zu einer Reihe von Maßnahmen entschlossen, die Kupfer nun bei seinem Besuch bei Schäfermeister Rohrmann, dem Vorsitzenden des SSZV, vorstellte. „Wir brauchen in Sachsen die Schafe und damit auch die Schäfer“, sagte der Minister. „Für die Pflege der Kulturlandschaft und für den Hochwasserschutz ist die Schafhaltung unverzichtbar.“ Und nicht zuletzt gelte es auch, eine sehr erhaltenswerte Tradition zu bewahren.

Mehr Maßnahmen auf Grünland

Künftig sollen Schäfer deshalb in Sachsen die Möglichkeit erhalten, auf mehr Flächen Agrar-Umwelt-Maßnahmen durchzuführen, indem die Beschränkung auf bestimmte Kulissen aufgehoben wird. Mit der ergebnisorientierten Honorierung der Bewirtschaftung artenreichen Grünlandes ermögliche man für die Landnutzer zudem mehr Flexibilität: Statt starrer Schnittzeitpunkte steht hierbei das Ergebnis der Grünlandpflege im Vordergrund, das am Vorhandensein bestimmter Kennarten abgelesen wird. Dass in der Praxis zu  diesem Förderangebot einige Skepsis und Zweifel herrschen, wurde bei Kupfers Vorstellung, an der einige sächsische Schäfermeister teilnahmen, allerdings auch deutlich.

Besseren Zugang will das  SMUL den Schäfern zur Investitionsförderung verschaffen. Vorgaben der EU zufolge müssen Förderanträge auf investive Förderung einem Bewertungssystem unterworfen werden.  Im sächsischen System sollen Schäfereibetriebe, wie auch  Gartenbaubetriebe, von vornherein mit einer höheren Punktzahl bewertet werden, sodass für deren Anträge eine Bewilligung sichergestellt ist.

Auch bei der Deichpflege sollen Schäfer öfter und zugleich zu deutlich besseren Bedingungen berücksichtigt werden. „Künftig wird es so sein, dass die Landestalsperrenverwaltung den Schäfereien Gesamtverträge anbietet“, so Kupfer. Dies bedeute, dass der Schäfer die Fläche nicht nur durch Hutung und Beweidung pflegt, sondern auch die in der Regel gut dotierten Mäharbeiten durchführen kann, für die bislang gesondert Firmen beauftragt wurden. Dies kann sowohl durch den Schäfer selbst mit eigenen Mitteln erfolgen als auch durch einen von ihm beauftragten Dienstleister. Schäfereien können sich dar­über hinaus um die Pacht von auf insgesamt 776 ha Deichfläche bemühen (derzeit: 536 ha), auf denen sie damit auch Zahlungsansprüche für Beihilfen der EU erwerben. „Die Direktzahlungen werden künftig nicht mehr auf die Vergütung der Deichpflege angerechnet“, erklärte der Minister weiter.

Herdenschutz wird besser gefördert

Weniger Aufwand und höhere Fördersätze stellt der Freistaat zudem für den Herdenschutz in Aussicht. Dass der Schutz der Schafbestände vor dem Wolf immense Kräfte und Ressourcen bindet, war in der Vergangenheit schon häufiger von Schafhaltern kritisiert worden. Nun soll Kupfer zufolge zunächst das Antragsverfahren vereinfacht werden. „Statt neun nur noch drei Seiten Antragsformular“, machte es Kupfer plastisch. Gefördert werden Herdenschutzmaßnahmen darüber hinaus künftig landesweit und dies zu 80 % statt der bisherigen 60 %. In Anspruch nehmen können die Förderung auch Hobby- und Kleinhalter von Schafen.

Flankierend zu diesen Unterstützungsmaßnahmen wird das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) in einem Projekt untersuchen, wie sich die Schafhaltung zukunftsfähiger ausrichten und langfristig stabilere Einkommen erwirtschaften kann. Davon soll auch ein Signal an den Nachwuchs ausgehen, dass der Beruf des Schäfers nicht nur ein schöner ist, sondern auch wirtschaftlich auf festen Füßen steht.

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