Schäfer haben die Nase voll

30.11.2016

© Uwe Soeder

Schäfer demonstrierten. An der Kundgebung in Bautzen nahmen rund 200 Menschen teil, unter ihnen auch einige Schäfer aus Brandenburg und Niedersachsen.

Sie tun es wieder und wieder. Die Wölfe des sogenannten Rosenthaler Rudels, das ein Revier zwischen Bautzen und Kamenz bevölkert, scheinen sich auf Schafe als Beute spezialisiert zu haben. Jedenfalls mussten die Tierhalter in dieser Region in den vergangenen Monaten immer wieder schwere Verluste durch Wolfsrisse hinnehmen.

 

Wölfe lernen, Schutz zu überwinden


Ein Umstand, den anzuerkennen mittlerweile auch das sächsische Wolfsmanagement nicht mehr umhinkommt. „2016 gab es bislang in Sachsen 40 Übergriffe durch Wölfe auf Nutztiere. Dabei gibt es eine Häufung der Übergriffe im Territorium des  Rosenthaler Wolfsrudels“, heißt es in der jüngsten Mitteilung des Kontaktbüros Wolfsregion Lausitz mit Sitz in Rietschen. Daraus könne man aber nicht die Schlussfolgerung ziehen, dass sich diese Wölfe „unnatürlich“ verhielten: „Tötet ein Wolf Nutztiere, dann ist das kein auffälliges Verhalten. Er verhält sich normal, indem er günstige Gelegenheiten nutzt, um an Nahrung zu gelangen. Wölfe, die gehäuft ungeschützte oder nicht ausreichend geschützte Tiere vorfinden und erbeuteten, lernen, dass Nutztiere deutlich einfacher zu erbeuten sind als wild lebende Beutetiere. Im Ergebnis dieses Lernprozesses kann es dazu kommen, dass Wölfe gezielt versuchen, Nutztiere zu reißen und dabei auch empfohlene Schutzmaßnahmen überwinden“, so die Leiterin des vom Landkreis Görlitz eingerichteten Büros, Vanessa Ludwig. Und weiter: „Dies ist im Rosenthaler Rudel der Fall.“


Die Schafzüchter in der betroffenen Region haben von derlei Erklärungsversuchen allerdings die Nase voll. Auf einer Demonstration in Bautzen machten sie unlängst ihrem Unmut über das sächsische Wolfsmanagement Luft. Unterstützung erhielten sie dabei von Berufskollegen aus Brandenburg und Niedersachsen. Insgesamt nahmen etwa 200 Menschen an der Kundgebung teil.


Die Schäfer sehen nicht nur das Leben ihrer Tiere, sondern auch ihre Existenzen bedroht: „Wir bauen mittlerweile Festungen für unsere Tiere, und trotzdem nehmen die Wolfsangriffe zu“, klagte Carola Tuschmo aus Zescha (Gemeinde Neschwitz), die zu den Organisatoren der Demo gehörte, am Rednerpult. Andrea Wiedmer und ihr Mann Uwe sind in Kaltwasser (Gemeinde Neißeaue) als Schafzüchter tätig. Auch sie haben erst unlängst durch einen Wolfsangriff zwölf Schafe verloren. „Wir wollen den Wolf nicht ausrotten, aber es kann doch nicht sein, dass der Naturschutz Existenzen gefährdet“, so Andrea Wiedmer. Und Uwe Wiedmer fügt hinzu: „Wie in Rumänien muss ich selbst bei der Herde übernachten.“ Die Entschädigungsregelung sei völlig unausreichend, da jeder Schäfer innerhalb von drei Jahren maximal 15 000 Euro erhalte: „Allein der jüngste Vorfall wird 2 000 € kosten.“ „Der Wolf ist politisch gewollt. Wir aber müssen die Kosten tragen“, stößt sein Kollege Frank Kieslich – ebenfalls aus Neißeaue – ins gleiche Horn.

 

Landrat Harig will nicht locker lassen


Hoffnung setzen die Schafhalter auf den Bautzener Landrat Michael Harig (CDU), der sich auf der politischen Ebene dafür einsetzt, dass verhaltensauffällige Wölfe geschossen, oder wie es im Beamtendeutsch heißt, „aus der Natur entnommen“ werden können. Dem Landrat geht es nach eigenem Bekunden „um einen fairen Ausgleich zwischen den Interessen des Artenschutzes und denen der Nutztierhalter“. Mit jeder aufgegebenen Nutztierhaltung gehe ein Stück Tradition im ländlichen Raum verloren, so Harig. Ein erster Vorstoß, das Umwelt- und Agrarministerium zur Genehmigung einer „Entnahme“ des Rosenthaler Rudels zu bewegen, ist bereits gescheitert (BauernZeitung 44/2016, S. 9). Doch Michael Harig lässt nicht locker: Nachdem es eine weitere Attacke im Rosenthaler Revier gab, will er den Antrag erneut stellen. Diesmal ergänzt um „Fakten von geschädigten Betrieben, die belegen, dass sich insbesondere das in Rede stehende Rudel auf jedwede Schutzmaßnahmen einstellt.“ Denn der Abschuss „renitenter“ Wölfe stellt nach dem sächsischen  Managementplan keinesfalls ein Tabu dar: „Sollten auch die empfohlenen Schutzmaßnahmen keine Wirkung zeigen, kann die Entfernung eines Wolfes oder mehrerer Wölfe als letztes Mittel ergriffen werden“, bestätigt Vanessa Ludwig vom Kontaktbüro Wolfsregion.

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