Sächsischer Tierschutzpreis

25.10.2012

 

 

Erstmals in seiner zwölfjährigen Geschichte ist der sächsische Tierschutzpreis im Jahr 2012 an einen Landwirtschaftsbetrieb vergeben worden. Hans Georg Ohler, Geschäftsführer der Landschwein Großdubrau GmbH (Kreis Bautzen), nahm ihn vor wenigen

Tagen aus den Händen der sächsischen Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz, Christine Clauß, entgegen.


Mit der Auszeichnung des ostsächsischen Ökoschweinemast- und -zuchtbetriebes würdigt das Ministerium die hier praktizierte „tierschutzgerechte Schweinehaltung“. Insbesondere hob die Ministerin hervor, dass Hans Georg Ohler „in seinem Betrieb mit ungefähr 100 Zuchtsauen und 600 Mastschweinen auf das Kupieren verzichtet, ohne dass sich die Tiere in ihrem Stall gegenseitig verletzen“. Dies sei dadurch möglich, dass die Tiere in den Stallungen und Außenbereichen genügend Auslauf zur Verfügung haben, um sich nicht „ins Gehege“ zu kommen. Das zeige, „wie die Haltungsbedingungen in der Nutztierhaltung wieder an die Tiere angepasst werden können und nicht mehr die Tiere an die Haltungsbedingungen“, wie Christine Clauß in ihrer Laudatio erklärte.

 

Zugleich präsentiere die Landschwein Großdubrau GmbH die Lösung eines europaweiten Problems: „Es gibt mehr als zwanzig Forschungsprojekte, die sich damit beschäftigen, wie man das gegenseitige Schwanzbeißen verhindern kann.“


Der Verzicht auf das Kupieren der Schwänze stellt jedoch nur einen Aspekt dar. Weitere Kriterien für die Preisverleihung waren das „besonders umsichtige Stallmanagement mit befestigten und stark eingestreuten Ausläufen, das zu einer besonders sauberen und unbelasteten Stallluft führt“, die Einteilung der Ställe in Funktionsbereiche für Fressen, Ruhen und Beschäftigung, die Möglichkeit zum Bau nestartiger Mulden sowie die intensive Betreuung vor und während des Abferkelns. Als besonders artgerecht wird die Gruppenhaltung der ferkelführenden Sauen hervorgehoben.


Zu den Gratulanten zählte auch Kornelie Blumenschein, Vorsitzende des Gäa e. V. – Vereinigung ökologischer Landbau in Sachsen, der die Bewerbung des Großdubrauer Betriebes um den Preis unterstützte und begleitete. „Die Landschwein Großdubrau GmbH beweist, dass Tierzucht gleichzeitig ökologisch und wirtschaftlich betrieben werden kann. Der Betrieb ist keine Bilderbuchidylle, doch die Tiere werden als Lebewesen und nicht als Gegenstände angesehen und behandelt.“ Hans Georg Ohler hatte die frühere LPG-Anlage im Großdubrauer Ortsteil Jeschütz 2008 erworben und anschließend für die ökologische Schweinemast umgebaut. „Wir wollen zeigen, dass dies auch in zu DDR-Zeiten errichteten Anlagen möglich ist“, erklärt er.


Hervorhebenswert ist für Kornelie Blumenschein auch die enge Zusammenarbeit mit dem 70 Kilometer entfernt liegenden Schlachtunternehmen Vorwerk Podemus, die den Tieren lange Transportwege zur Schlachtung erspart. Uwe Menschner

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