Sächsischer Milchrindtag in Fraureuth

31.10.2014

© Sabine Rübensaat

Vorausschauendes Herdenmanagement hilft, unnötige Kosten in der Milchproduktion zu vermeiden.

Der 20. Sächsische Milchrindtag findet am 5. November in Fraureuth unter dem Titel „Weniger Behandlungen und Medizin durch vorausschauendes Management“ statt.

Sächsischer Milchrindtag
Der 20. Sächsische Milchrindtag findet am Mittwoch, dem 5. November, von 8.30 bis 16.30 Uhr in 08427 Fraureuth, Erich-Glowatzky-Halle, Zwickauer Straße 8a, statt. Unter dem Titel „Weniger Behandlungen und Medizin durch vorausschauendes Management“ werden Experten aus Wissenschaft und Praxis zu verschiedenen Aspekten der Gesunderhaltung von Milchrindern referieren.Zum Abschluss sind Exkursionen in die Betriebe Agrarhof Gospersgrün eG und Reichenbach GbR in Bräunsdorf geplant.


Frau Dr. Steinhöfel, der Milchpreis ist deutlich gesunken. Wie sieht die Situation in der Milcherzeugung aus?

■ Nachdem Anfang des Jahres sächsische Milcherzeuger das Kilogramm Milch für 41 Cent verkauften, waren es im Juli noch 35 Cent.  Es besteht Hoffnung, dass die Talfahrt an Steilheit nachlässt. Im zweiten Halbjahr werden sich die produzierte Menge und die steigende Abnahme vor allem durch die Exportmärkte einpendeln. Laut Analyse der „European Dairy Farmers“, der 400 europäische Milcherzeuger angehören, lag der „Break-even-Point“, also der Milchpreis, der zur Deckung der betrieblichen Vollkosten erreicht werden muss, im Jahr 2013 bei 36,1 ct/kg. Er stieg in den letzten drei Jahren um 4,6 ct. Nur knapp ein Drittel der ausgewerteten deutschen Betriebe war in der Lage, für weniger als 35 ct/kg zu produzieren.

Milchpreis auf Talfahrt, steigende Kosten – was bedeutet das langfristig?

■ Bei den Kosten dürfte der Anstieg in diesem Jahr aufgrund der sehr guten Futterernte und moderater Kraftfutterpreise wohl noch etwas gedämpft ausfallen. Immerhin machen die Futterkosten  mehr als 50 % der Vollkosten aus. Längerfristig sollten die Milcherzeuger aber nicht ausschließlich auf kostengünstiges Futter hoffen. Dar­über hinaus ist das Einsparpotenzial bei den Personalkosten erschöpft. So bleiben prinzipiell solche Kostenpositionen, die erst auf den zweiten Blick deutlich werden. Zum Beispiel Aufzuchtkosten für Kühe, welche die Herde vor der dritten Laktation verlassen. Oder Kosten für Futtermittel, die produziert wurden, aber nie im Trog landen, weil sie verdorben sind. Mangelzustände oder Überschüsse an Nährstoffen können Erkrankungen provozieren, ebenso „eingesparte“ Hygienemaßnahmen. Infolgedessen steigen die Kosten indirekt aufgrund der erkrankungsbedingten Minderleistung, aber auch direkt durch Medikamente und Tierarztleistung.


Welche Wege sehen Sie, um diese Kostenfallen zu vermeiden?

■ Man kann sich nur intensiv mit den konkreten Bedingungen auf dem eigenen Betrieb auseinandersetzen. Es müssen die individuellen Schwerpunkte erkannt und konstruktiv angegangen werden. Auf den ersten Blick aufwendige Maßnahmen oder teure Investitionen können trotzdem zu einer Kostensenkung beitragen. Anregungen, darüber nachzudenken und den Blick zu schärfen, soll der diesjährige Sächsische Milchrindtag geben. Ausgehend von der Möglichkeit, verschiedene Kennzahlen und Parameter zu erkennen und zu bewerten, werden die Verhältnisse im Pansen, das Energiedefizit in der Frühlaktation, die Optimierung der Nährstoffversorgung und der Haltungsumwelt als Schlüsselpunkte  für die Vermeidung von Erkrankungen diskutiert. Beiträge zur Wirtschaftlichkeit von Investitionen in eine tiergerechte Milchviehhaltung und dazu, wie das praktische Herdenmanagement versucht, die genannten Punkte umzusetzen, werden den Tag beschließen.


Das Gespräch führte Karsten Bär

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