Sächsischer Fleischrindtag

22.10.2012

 

 

Die Perspektiven der Fleischrinderproduktion in Europa sind aus Sicht von Gérard Ernst von der Luxemburger Genossenschaft für Tierzucht und Beratung CONVIS ungewiss. Die Wirtschaftskrise, die Zukunft der europäischen Agrarförderung, ein stärkerer Stellenwert des Umweltschutzes und die Kosten der Produktion stellten sie derzeit vor große Herausforderungen, so der Fachmann auf dem Sächsischen Fleischrindtag am 29. September in Frauenstein. Bestand haben könne die Produktion von Fleischrindern nur, wenn sie effizienter betrieben werde, sich mehr an den Ansprüchen der Verbraucher orientiere und nachhaltig sei. Es komme deshalb darauf an, alle verfügbaren Daten hinsichtlich der Zuchtwertschätzung, des Managements und der Tiergesundheit intensiver als bisher zu nutzen und von neuen Methoden wie der genomischen Selektion Gebrauch zu machen.

Ernst schilderte die aktuell in der französischen und luxemburgischen Fleischrindzucht angewandten Zuchtprogramme, Leistungsprüfungen und Zuchtwerte. Er verwies dabei auch auf die mit dem Züchterauge schwer zu erkennenden Muttereigenschaften, die jedoch ein wichtiger Faktor sind, schließlich machen sie Ernst zufolge die Hälfte der Wirtschaftlichkeit aus. Gleichwohl korrelieren sie negativ mit der Fleischleistung und sind nur relativ schwach vererblich. Ein wichtiges Zuchtziel sei auch das Temperament – ruhigere Tiere bringen mehr Leistung, und die Fleischqualität ist besser. Zugleich trägt ein ruhigeres Temperament zu mehr Wohlergehen des Tieres bei.


Einzug gehalten hat inzwischen die markergestützte oder genomische Selektion in die Fleischrindzucht, wie der Luxemburger Fachmann darlegte. Interessant sei dieses Verfahren  insbesondere bei Eigenschaften, die eine niedrige Heritabi­lität haben, schwer und gewöhnlich erst nach dem Schlachten zu messen sind und genetisch mit Eigenschaften korrelieren, die man nicht verändern will.


Mit einem Abriss der Aufgaben der Fleischrinderzucht in Sachsen stellte sich während der Veranstaltung der neue Zuchtleiter Fleischrind der Masterrind GmbH, Clemens Braschos, den anwesenden Züchtern vor. Bei den Hauptrassen in Sachsen – Fleckvieh mit den meisten Züchtern und Limousin mit den meisten Herdbuchtieren – sieht Braschos es als wichtigste Aufgabe an, die Qualität der Tiere auf dem erreichten hohen Niveau zu halten und beim Fleckvieh auch neue Blutlinien einzubringen. In der Charolaiszucht müsse eine Verbesserung der Tiere hinsichtlich ihrer Homogenität und Qualität angestrebt und die Zucht auf Hornlosigkeit fortgeführt werden. Bei der Rasse Angus sieht der Zuchtleiter die Nachfrage nach schwarzen Tieren aus unterschiedlichen aus dem Ausland stammenden Blutlinien steigen.

Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch boten sich den Teilnehmern des Fleischrindtages bei einer Besichtigung der Herden des Charolais-Zuchtbetriebes von Hubert Bourgeois in Hartmannsdorf-Reichenau, wo die Veranstaltung begonnen hatte. Hubert Bourgeois zählt zu den erfolgreichsten und zugleich engagiertesten Charolais-Züchtern Sachsens, was sich etwa in der von ihm initiierten Gründung ­einer Interessengemeinschaft Charolais widerspiegelt. 

Mit dem Frauensteiner Betrieb Manfred Göpfert wurde ein Züchter der Rasse Blonde d’Aquitaine als zweiter Exkursionsbetrieb gewählt. Auch Limousin-Rinder werden von Göpfert gezüchtet.


Insgesamt 700 Limousin-Rinder sowie 25 der Rasse Aubrac gehören zum Bestand des dritten Exkursionsbetriebes, des Limousin-Hofs Klemm in Hartmannsdorf-Reichenau. Der 1991 gegründete Betrieb mit sieben Mitarbeitern und 600 ha landwirtschaftlicher Fläche ist in Sachen Vermarktung und Zucht Spitze: Regelmäßige Hof­auktionen ziehen immer wieder auch ausländische Züchter an. Hervorragend ist der Limousinhof Klemm darüber hinaus auch in Sachen tiergerechter und umweltverträglicher Haltung. Im gleichlautenden Wettbewerb, den das sächsische Agrarministerium ausgelobt und der Mitteldeutsche Genossenschaftsverband (MGV) durchgeführt hat, wurde der Betrieb ausgezeichnet. Betriebsinhaber Michael Klemm konnte im Rahmen des Fleischrindtages die Ehrentafel von MGV-Vorstandssprecher Dr. Gerald Thalheim entgegennehmen.


Thalheim sagte, der Wettbewerb habe gezeigt, dass gute Tierhaltung keine Frage der Betriebsgröße sei, am besten jedoch über Investitionen erreicht werden könne. Zugleich sei gute Tierhaltung aber nur möglich, wenn sie wirtschaftlich ist. Daher, so der MGV-Vorstand, müsse das Produkt am Ende auch entsprechend entlohnt werden. Karsten Bär

 

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