Saatbauverbände Sachsen und Thüringen sind zu einer Organisation verschmolzen

03.04.2014

© Karsten Bär

In den Vorstand gewählt: Matthias Göring, Volkmar Kühne, Thomas Christ, Udo Förster, Lars Oehler, Matthias Finck, Andreas Guhr, Joachim Altner, Steffen Müller, Friedrich Hesse und Ronny Döcke. Nicht im Bild: Thomas Thiele.

Ein gewisses Maß an Aufregung war Matthias Finck anzumerken: Akribisch ging der Vorsitzende des Sächsischen Saatbauverbandes Punkt für Punkt die Formalien durch, stellte nicht nur den rechtmäßigen Eingang aller Einladungen fest, sondern auch die Ordnungsmäßigkeit aller anderen formalen Vorbereitungen für die außerordentliche Mitgliederversammlung, die sein Verband gemeinsam mit dem Saatbauverband Thüringen in Groitzsch abhielt. Förmliche Fehler dürften ihm dabei mit Sicherheit nicht unterlaufen sein – der anwesende Notar jedenfalls hatte am Ende des offiziellen Teils der Veranstaltung nichts zu beanstanden. Nun fehlt nur noch der Eintrag beim Registergericht, dann ist die „Ehe“ perfekt.

Per einstimmigem Beschluss aller anwesenden Mitglieder ist der Thüringer Saatbauverband mit seinen 49 Mitgliedern mit dem Saatbauverband Sachsen und seinen 249 Mitgliedern verschmolzen. Künftig wird der Saatbauverband Sachsen-Thüringen die Interessen der Vermehrer beider Freistaaten vertreten. Ein wegweisender Schritt, wie Dr. Gerhard Schilling, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Saatguterzeuger (BDS) betonte. Mit der Fusion sei mit rund 33 000 ha Vermehrungsfläche der größte deutsche Regionalverband der Saatguterzeuger entstanden. Er persönlich plädiere sei Jahren für solche Veränderungen, in denen „die Strukturen der Realität angepasst“ würden.

Auf einer Wellenlänge

Schon Anfang vergangenen Jahres waren die Thüringer mit der Bitte an den Sächsischen Saatgutverband herangetreten, eine Verschmelzung beider Verbände zu prüfen. Ein Ansinnen, das auf Gegenliebe stieß. „Die Entwicklung der sächsischen Saatgutvermehrung ist eine Erfolgsgeschichte“, sagte Matthias Finck, der auch dem neuen Verband vorstehen wird und dem der ehemalige Thüringer Vorsitzenden Udo Förster als erster Stellvertreter zur Seite steht. „Aber nichts ist so gut, dass es nicht noch besser werden könnte.“ Durch das Zusammengehen bündele man die Kräfte, um die Interessen der Saatgutvermehrer besser vertreten zu können.

So sieht das auch Thüringens Bauernpräsident Helmut Gumpert, der auch als Vorsitzender des DBV-Fachausschusses für Saatgutfragen dem neu entstandenen Verband gratulierte. „Vielleicht kann man aus dieser Fusion noch mehr ableiten“, deutete er an. „Der Saatbauverband geht auf diesem Weg voran.“ Der Verstand habe die Saatgutvermehrer, die er als „Ackerbau-Elite Sachsens und Thüringens“ bezeichnete, zu dieser Ehe bewogen. Doch wichtig sei, dass „Verstand und Herz auf einer Wellenlänge“ lägen.

Gumpert skizzierte anschließend die aktuell wichtigsten Themen, mit denen sich sein Fachausschuss beschäftige.  Unter dem Schlagwort „better regulation“ habe die EU-Kommission einen Vorschlag zur Zusammenführung saatgutrechtlicher Regelungen in einer Verordnung gemacht. Diese sei vom Europäischen Parlament abgelehnt worden. Aus seiner Sicht zu Recht. „Wir fordern, dass die in Deutschland etablierten Qualitätssicherheitsmaßnahmen im Kern erhalten bleiben“, erklärte er. Ergebnis der Verordnung dürfe es nicht sein, „dass wir Gegammel beim Saatgut bekommen“, fand Gumpert drastische Worte.

Ein zweites drängendes Thema sei es, zu einer vernünftigen Nachbauregelung mit gerechten Nachbaugebühren zu finden. Ein großer Teil der Landwirte, die Nachbausaatgut verwenden, zahle dafür keine Gebühr. „In Sachsen und Thüringen sind es zwar rund 90 %, aber je weiter man nach Süden und Westen kommt, umso weniger sind es“, kritisierte der Thüringer Bauernpräsident. Es sei eine Ungerechtigkeit, wenn ehrliche Landwirte für jene mitzahlen, die sich der Gebühr entziehen.  „So kann es nicht weitergehen!“

Einen Standpunkt habe der Fachausschuss auch zur viel diskutierten grünen Gentechnik. Erfahrungen aus den USA zeigten, dass Landwirte dort gute Erfahrungen gemacht hätten. Der Einsatz von Insektiziden sei zurückgegangen, der von Herbiziden wegen entstehender Resistenzen jedoch gestiegen. Der DBV lehne die Gentechnik nicht prinzipiell ab. Wenn es hierzu Entscheidungen gäbe, müssten diese jedoch europaweit gelten, forderte Gumpert. Man vertrete die Position, dass man offen für Forschung sein müsse. Gentechnisch veränderte Pflanzen könnten eine Option für die Landwirtschaft sein, unter den aktuellen gesetzlichen Bedingungen könne man den Anbau derzeit aber nicht empfehlen.

Nicht zu überhören

Als Schritt in die richtige Richtung bezeichneten die Leiter der Landwirtschaftsabteilungen im sächsischen und im thüringischen Agrarministerium, Annita Domschke und Peter Ritschel, die Fusion der beiden Saatbauverbände. Die Vermehrer sprächen nun mit einer Stimme, die nicht zu überhören sei, so Annita Domschke. Die Unterstützung des neuen Verbandes auch durch das Thüringer Ministerium sicherte Ritschel zu. Glückwünsche überbrachten darüber hinaus Heinz Graefe, Vizepräsident des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, sowie Andreas Jahnel vom Sächsischen Landesbauernverband. Per verlesenem Brief ließ der Europaabgeordnete Peter Jahr gratulieren.

Man habe einen „historischen Schritt“ vollzogen, fasste der zum neuen Vorsitzenden gewählte Matthias Finck zum Veranstaltungsende zusammen. Man brauche einen starken Saatbauverband, um die berechtigten Interessen der Mitglieder vertreten zu können. Manchmal jedoch sei man als Verband auch gemeinsam mit dem BDS nicht in der Lage, Zeichen zu setzen. Daher sei die Zusammenarbeit mit dem Bauernverband unabdingbar. „Unsere Stimme muss so laut sein, dass sie auch in Brüssel zu hören ist“, sagte Finck. Derzeit wichtigstes Ziel des Verbandes sei es, zu einer höheren Vergütung für die Leistungen der Saatgutvermehrer zu kommen und sie an der Preisentwicklung am Markt teilhaben zu lassen, erklärte er. Man sehe einen Vermehrungszuschlag von 3 €/dt als gerechtfertigt an. Vehement spreche man sich darüber hinaus gegen weitere Schließungen von Versuchsstationen in den Bundesländern aus.

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