RZD Rinderzucht: Gastgeber des Fleischrind- und Grünlandtages in Drebach

25.09.2014

© Karsten Bär

Dem Standort angepasst: Ein großer Teil der Fläche der RZD Rinderzucht Drebach GmbH, rund 250 ha, sind Grünland und damit Produktionsgrundlage für die Mutterkuhhaltung. Der Betrieb hat 200 Mutterkühe im Bestand.

Es schützt Boden und Wasser, speichert Kohlendioxid und ist Lebensraum für viele Arten – Grünland ist ein ökologisches Multitalent. Ohne Wiederkäuer allerdings würde es diesen Landschaftstyp nicht geben. Der Erhalt von Grünland und die Haltung von Rindern bedingen einander, darauf lenken der diesjährige 23. Sächsische Fleischrindtag und der 22. Grünlandtag den Blick, die an diesem Wochenende (Sonnabend von 9.30 Uhr bis 16 Uhr) gemeinsam in Drebach im Erzgebirge stattfinden.

Dass Drebach der Veranstaltungsort und die RZD Rinderzucht Drebach GmbH  Exkursionsbetrieb der Tagung ist, hat gute Gründe. Denn die RZD hat mit der Haltung von Mutterkühen Erfahrungen, die bis in DDR-Zeiten zurückreichen. Bereits 1980 wurde am Standort unter wissenschaftlicher Begleitung diese Form der Fleischrinderhaltung auf Grünland begonnen. „Zur Wendezeit war also schon reichlich Wissen vorhanden“, sagt Egbert Kindel, Geschäftsführer der RZD, die ein eigenständiger Betrieb im Unternehmensverbund der Landgesellschaft Drebach ist.

Rinderhaltung muss sich rechnen

Mit gut 250 ha bildet Dauergrünland einen Anteil von rund 40 % an der Gesamtfläche der RZD. Das ist ein typischer Wert für Betriebe im Erzgebirge. Sowohl intensiver genutztes Grünland, als auch extensive, schwer mechanisierbare Flächen zählen dazu, die dementsprechend als Weide oder zur Mahd und Silierung genutzt werden. Sie bilden die Grundlage für die Mutterkuhhaltung des Betriebes, der in zwölf Herden rund 200 Mutterkühe mit Nachzucht in seinem Bestand hat. Überwiegend sind es Tiere der Rasse Fleckvieh Fleisch, in geringerem Umfang auch Highland- und Wagyur-Rinder. „Landwirtschaft bedeutet für uns standortangepasste Bewirtschaftung“, sagt Falk Bretschneider von der Landgesellschaft Drebach. „Deshalb gehören Rinder hierher.“ Grünland und Rinderhaltung bedingen einander – doch Fakt sei auch, dass sich die Rinderhaltung tragen muss. „Wir müssen es schaffen, rentabel zu arbeiten“, ergänzt Egbert Kindel, Geschäftsführer der RZD.

Über die Jahre hat die RZD ihr Grünland als Produktionsgrundlage für die Fleischrindproduktion weiterentwickelt. Die Schlaggrößen und Beweidungseinheiten wurden der Bewirtschaftung angepasst, auf eine bedarfsgerechte Nährstoffzufuhr geachtet. Auf Grundlage regelmäßiger Bodenproben werde entsprechend der Versorgungsstufen der Flächen gedüngt und gekalkt, der Pflanzenbestand auf den Wiesen und Weiden durch Nachsaat angepasster Mischungen gepflegt. „Innerhalb des Unternehmensverbundes haben wir auch in entsprechende Technik investiert“, berichtet Landwirt Bretschneider. Man sei für die Grünlandpflege und -bewirtschaftung gut ausgestattet.

Ziel der Drebacher ist es, die Grundfutterleistung vom Grünland insgesamt auf einen hohen Stand zu bringen und zu halten. Mit rein extensiver Bewirtschaftung sei dies nicht zu erreichen, betont der Rinderfachmann weiter. „Wir müssen unser Grünland durch gute Leistungen und Erträge in der Mutterkuhhaltung veredeln.“ Das Thema Landschaftspflege spiele durchaus auch eine Rolle, so hat der Betrieb am früheren KULAP und später am AUW-Programm mit Maßnahmen wie der extensiven Nutzung oder späten Schnittnutzung teilgenommen. „Aber bei solchen Maßnahmen hat sich gezeigt, dass die Flächenproduktivität erheblich nachlässt“, wendet Geschäftsführer Kindel ein. „Wir möchten die Nutzung eher intensivieren.“ Wobei „intensivieren“ nicht falsch zu verstehen sei, wie Bretschneider hinzufügt: „Es geht beispielsweise um ertragsabhängige Düngung oder eine bodenschonende und effektive Bewirtschaftungsweise wie dem Einsatz von Striegl und Nachsaatgeräten, also eine nachhaltige Nutzung der Flächen.“

Inwiefern die RZD ab dem kommenden Jahr auch wieder an Agrar-Umwelt-Maßnahmen teilnimmt, ist derzeit noch offen. Man wolle sich durch Bewirtschaftungsvorgaben nicht zu sehr einschränken lassen, betonen Kindel und Bretschneider. Wo Flächen aufgrund ihrer Lage ohnehin nur extensiv nutzbar sind, seien aus ihrer Sicht auch Agrar-Umwelt-Maßnahmen angebracht. „Auf den besseren Standorten möchten wir uns lieber nicht so sehr einschränken lassen“, erklärt Falk  Bretschneider. Denn schließlich müsse sich die Rinderhaltung auch wirtschaftlich tragen, wofür die Produktion hochwertigen Grundfutters die Voraussetzung sei.   

Mit dem wirtschaftlichen Ergebnis der RZD, die seit Jahren schwarze Zahlen schreibt, zeigt man sich in Drebach zufrieden. Was auch an der Zusammenarbeit im Unternehmensverbund der Landgesellschaft Drebach sowie in der Kooperation Greifenstein, in der mehrere Agrarunternehmen der Region zusammenarbeiten, liegt. Die Zusammenarbeit sichert den beteiligten Betrieben eine hohe Auslastung der Technik. Viele Arbeiten, darunter die komplette Bewirtschaftung seiner Ackerflächen, lässt die RZD in Lohnarbeit ausführen. Vor allem aber habe man klug investiert, ist Falk Bretschneider überzeugt. Schritt für Schritt wurde über die Jahre beispielsweise alte Bausubstanz erneuert und zu modernen Ställen für die Rinder umgebaut. „Damit haben sich stetig auch die Haltungsbedingungen verbessert“, wie Kindel erklärt. Die Tiere stehen in Außenklimaställen auf Tiefstreu und haben ein großzügiges Platzangebot, das, wie der RZD-Geschäftsführer erläutert, „auch den Biostandard erfüllt, ohne dass wir Biobetrieb wären.“ Zugleich wurde bei den Modernisierungen großer Wert auf Verbesserungen der arbeitswirtschaftlichen Bedingungen gelegt. Dies sein ebenfalls ein wichtiger Schritt, um die Produktion rentabel zu machen.

Ein guter Draht zur Wissenschaft

Nicht zuletzt hilft ein guter Draht zur angewandten Forschung dabei, erfolgreich Mutterkühe zu halten. Das Unternehmen pflegt gute Kontakte zum Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, speziell zum Referat Grünland in Christgrün und der ehemaligen Abteilung „Tierische Erzeugung“ in Köllitsch. Für verschiedene Versuche habe man als Praxispartner zur Verfügung gestanden, wie Bretschneider erklärt. Das koste zwar Zeit und auch Geld – zahle sich jedoch fürs Unternehmen aus. Im Kontakt zu den Fachleuten erhalte man Beratung, könne Schlüsse ziehen und das eigene Tun besser bewerten. „Die Zusammenarbeit ist wirklich gut, dafür sind wir sehr dankbar.“

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