Rübenabrechnung 2013: Noch einmal gute Preise

03.02.2014

© Karsten Bär

In der Zuckerfarbik Brottewitz dauerte die letzte Kampagne nur 76 Tage. Ab 2017 will Südzucker hier wie auch in Zeitz die Verarbeitungskapazitäten mit 120 Kampagnetagen voll auslasten.

Die Botschaft war in optimistische Worte verpackt: Man stelle sich der Herausforderung, die das Auslaufen der Zuckermarktordnung im Jahr 2016 mit sich bringe, sagte Dr. Rainer Schechter, Geschäftsbereichsleiter Zucker/Rüben der Südzucker AG, während der Winterfachtagung des Verbandes Sächsisch-Thüringischer Zuckerrübenanbauer (VSTZ) in Groitzsch. Südzucker verfüge über effiziente Fabriken, sei europaweit vertreten, habe wettbewerbsfähige Strukturen und ebensolche Rübenerzeuger als Partner. Langfristig erwarte man zudem steigende Weltmarktpreise für Zucker. Man habe es also in der Hand. „Und jetzt schaue ich Ihnen in die Augen“, wendete sich Schechter direkt an die versammelten Rübenanbauer. „Wenn wir uns wegen der Rüben geschlagen geben müssen, dann haben wir etwas falsch gemacht.“

Gut verhandelt

Gravierende Änderungen stehen den Zuckerrübenanbauern Sachsens, Thüringens und Sachsen-Anhalts bevor – wie sie im Detail aussehen, wird in den kommenden Monaten zu diskutieren sein. Vorerst aber können sich die Erzeuger über ein gutes wirtschaftliches Ergebnis der vergangenen Kampagne freuen – zumindest was die erzielten Preise für ihr Produkt betrifft. Trotz ungünstiger Rahmenbedingungen habe man in den Verhandlungen mit Südzucker „überdurchschnittlich gute Rübenpreise“ erzielen können, sagte VSTZ-Vorsitzender Ralf Hentzschel. Die so­genannten „Quotenrüben“ werden mit durchschnittlich 48,22 Euro/t vergütet. Der darin enthaltene Bonus von 11,21 Euro/t, der die Erzeuger an den guten Quotenzuckererlösen des vergangenen Jahres teilhaben lässt, sei wohl vorerst letztmalig geflossen, erwartet Hentzschel. Abzüglich der durchschnittlichen Frachtkostenbeteiligung und zuzüglich aller Zuschläge fließen für „Ethanolrüben“ 34,76 Euro und für „Vertragsindustrierüben“ 32,34 Euro je Tonne aufs Konto des Anbauers. Rübenmengen, die nicht in diese Quotenkategorien fallen, werden als „Industrierüben“  mit durchschnittlich 29,63 Euro/t bezahlt. Je nach Entfernung zur Zuckerfabrik fallen die genannten Summen wegen der Frachtkostenbeteiligung entsprechend höher oder niedriger aus.

Diese Preise seien „noch einmal ein Top-Ergebnis, das es so in den kommenden Jahren mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr geben wird“, meint Thomas Rothe, Geschäftsführer des VSTZ. Denn die Vermarktungschancen für Zucker haben sich ebenso wie der Zuckerpreis weiter verschlechtert. Und das liegt, wie Rainer Schechter ausführte, an politischen Entscheidungen der Europäischen Kommission, aber auch an der Zurückhaltung der Kunden und an „nervösen Mitbewerbern“, die mit Blick auf das Auslaufen der EU-Zuckermarktordnung versuchten, mehr Menge an den Markt zu bringen.

Der sich abzeichnende Verdrängungswettbewerb wird 2017 voll ausbrechen. Dann fallen alle Schranken: Keine Mindestrüben- und –zuckerpreise mehr, ebenso wie keine Quoten-, Import- oder Exportbeschränkungen. Reagieren will der Südzucker-Konzern darauf – wie auch seine Mitbewerber –, indem er bis spätestens 2017 seine Verarbeitungskapazitäten voll auslasten wird, um die Fixkosten zu senken. Alle Standorte, also auch Zeitz und Brottewitz, sollen erhalten bleiben und jährliche Kampagnen von 120 Tagen fahren. Flexibilität und Kostenführerschaft sollen die Wettbewerbsfähigkeit sichern – was „wettbewerbsfähige Rohstoffkosten einschließt“, erklärte Schechter. Der Rübenpreis werde sich innerhalb eines flexiblen Bezahlsystems aus „fairer Aufteilung des Zuckererlöses ergeben“, so der Geschäftsbereichsleiter, der einräumte, dass der Preis in manchen Jahren auch deutlich nach unten rutschen könnte. Der Landwirt solle jedoch die Anbauwürdigkeit der Zuckerrübe über einen längeren Zeitraum betrachten.  

Anreiz notwendig

Die Modalitäten der Preisbildung müssten nun schnell zwischen Südzucker und den Erzeugern, vertreten durch den Verband Süddeutscher Zuckerrübenanbauer (VSZ), geklärt werden, sagte Ralf Hentzschel. Er sehe dabei auch die Notwendigkeit eines Anreizes, damit die notwendige Menge an Rüben überhaupt erzeugt wird. „Es muss noch Spaß machen, Rüben anzubauen.“ Neu zu verhandeln ist auch die Umlegung der Transportkosten, von denen die Anbauer wohl einen höheren Anteil als bisher tragen müssen. Im Schnitt des gesamten Verbandsgebietes fallen hierfür 7,25 €/t an. Doch vor allem in Westthüringen und Ostsachsen sind die Entfernungen zu den Zuckerwerken Zeitz oder Brottewitz so groß, dass dort im Schnitt bis zu 17 €/t für den Transport zu Buche schlagen. Einer solidarischen Lösung, also der gleichmäßigen Verteilung der Frachtkosten auf alle Anbauer, stehe Südzucker nicht im Wege, sagte Schechter. Jedoch habe dies auch Auswirkungen auf den Rübenpreis insgesamt.

Anbau wird wandern

Seitens des Verbandes rechnet man deshalb eher damit, dass in den fabrikfernen Anbauregionen künftig weniger Rüben angebaut werden, während fabriknahe Standorte den Anbau ausdehnen könnten. Gebraucht würden spezialisierte Betriebe auf geeigneten Standorten. Um diesen Strukturwandel vollziehen zu können, erwarte man von Südzucker Lösungsangebote, betonte Hentzschel. Die Mengenbereitstellung soll nach wie vor auf der Basis von Liefer­rechten erfolgen. Hierüber bestehe Einvernehmen mit Südzucker, erklärte der Verbandsvorsitzende.

„Einer braucht den anderen“, schaut VSTZ-Geschäftsführer Rothe in die Zukunft. Südzucker sei auf ausreichende Zuckerrübenmengen angewiesen, um seine Werke auslasten zu können. Die Anbauer wiederum benötigten einen wirtschaftlichen Rübenpreis. Es gelte nun, die wenigen Jahre zu nutzen, um zu einer nachhaltigen Lösung zu gelangen. „Von Südzucker erwarten wir dabei ein offenes Ohr für unsere Vorstellungen“, so Rothe, „und letztlich auch ein Entgegenkommen.“

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