Rüben: Gigantischer Ertrag

12.12.2014

© Karsten Bär

Rund 6 000 t Rüben werden täglich in der Zuckerfabrik Brottewitz verarbeitet.

ie Erträge sind gigantisch. „Wir gehen im Durchschnitt von 85 t/ha aus – so viel haben wir noch nie gehabt“, sagte Dr. Wolfgang Bock, Werksleiter der Zuckerfabrik Brottewitz, als sich Rübenanbauer, Spediteure und Vertreter der Südzucker AG vor Ort in Brottewitz zu einem Informationsaustausch trafen. Was die Anbauer in diesem Jahr vom Feld holten, ist rund ein Viertel mehr als im Schnitt der vergangenen fünf Jahre und überschreitet auch den bisherigen Rekord aus dem Jahr 2012 (73,3 t/ha) deutlich. Der hohe Ertrag an Zuckerrüben resultiert aus guten Wachstumsbedingungen in diesem Jahr – und hat eine Verlängerung der Verarbeitungskampagne am Standort bis zum 13. Januar und damit auf 118 Tage zur Folge.



Gut 6 000 t verarbeitet die Zuckerfabrik an der Elbe in der Regel am Tag. Bis auf zwei Tage, an denen ein Getriebeschaden am Extraktionsturm die Produktion kurzzeitig zum Erliegen brachte, wurde dieser Wert bisher weitgehend erreicht oder leicht überschritten. Um die Kampagnedauer etwas abzukürzen, wurden aus dem Brottewitzer Einzugsbereich rund 15 000 t Rüben ins Zeitzer Werk abgegeben. Dort wird die Verarbeitung bereits am 9. Januar abgeschlossen.

 

 

Die Qualität passt


An Zuckergehalt erwartet man in Brottewitz in diesem Jahr  durchschnittlich 17,1 % (Vorjahr: 18,8 %). Die 17-%-Marke sei vor wenigen Tagen überschritten worden, informierte Werner Stohr, Leiter der Rübenabteilung. Die innere Qualität der Rüben ermögliche eine gute Ausbeute. „Wir sind zufrieden“, so Stohr. Auch die Besatzwerte von 6,37 %, davon 2,98 Erdanhang und 3,39 Kopfanteil, geben keinen Grund zur Klage. Der Erdbesatz weise auf günstige Rodebedingungen hin. Zu beobachten sei ein Trend zu höheren Kopfanteilen, erklärte der Leiter der Rübenabteilung. Dies sei tolerierbar, solange kein grüner Blattansatz an den Rüben sei, der zu Problemen in der Verarbeitung führe.



Eine Besonderheit der diesjährigen Kampagne ist ein höherer Anteil sogenannter schwarzer Rüben, die bereits Anfang Oktober auftraten und damit nicht aus Frostschäden resultieren können. Diese sind insbesondere von Anbauern aus Elbnähe geliefert worden, die auch vermehrtes Auftreten gelber Blätter registrieren mussten. Unklar ist, was die Ursache ist. „Wir versuchen zu beobachten, was es damit auf sich hat“, sagte Stohr. Untersuchungen sollen Aufschluss über mögliche Krankheiten bringen.


Gut bewährt hat sich Stohr zufolge die in diesem Jahr vollzogene Umstellung der Ladestruktur auf vier Gebiete, in denen die Rüben mit der Maus geladen werden. Auch wenn zuvor Bedenken laut geworden waren, habe dies dank guter Vorbereitung der Beteiligten gut funktioniert. Wichtig sei jedoch, die Mieten sorgfältig anzulegen und die Maximalbreite von zehn Metern einzuhalten.



Als unbefriedigend bezeichnete Stohr die Abnahmebereitschaft für die Rübenpressschnitzel bis etwa Ende Oktober. Dies führte mitunter dazu, dass die Schnitzel länger zwischengelagert werden mussten, was der Qualität als Futtermittel schade. Momentan gebe es jedoch einen regelrechten Ansturm. „Weihnachten steht vor der Tür“, erklärt der Abteilungsleiter. Doch auch während der Feiertage müssten die Schnitzel abgeholt werden. Es sei auf Disziplin der abnehmenden Betriebe zu hoffen. Nur sehr wenig angenommen werde das Angebot der Pressschnitzelverwertung über die Zuckerfabrik.



Deutlich wies Stohr darauf hin, dass seit der 49. Kalenderwoche für noch abzuholende Rüben ein ausreichender Mietenschutz erforderlich sei. Bei nicht abgedeckten Mieten bestehe ein Zurückweisungsrecht seitens Südzucker. Die Rübenabholung kann auf das Kampagneende verschoben und eine Vertragsstrafe in Höhe von 5 €/t verhängt werden. Die Rübenabteilung werde verstärkt Kontrollen durchführen.


Die von manchen Landwirten bevorzugte Mietenabdeckung mit Stroh ist weiterhin möglich, seitens der Zuckerfabrik bevorzuge man jedoch Vliesabdeckungen. Stohr verwies in diesem Zusammenhang auf die Möglichkeit maschineller Mietenabdeckung. Eine Befragung der Anbauer habe ergeben, dass gut ein Viertel der Betriebe das Angebot mechanisierter Mietenpflege durch einen Dienstleister in Anspruch nehmen würde. Jedoch würden hierfür noch Unternehmen gesucht, die diese Leistung übernehmen. Südzucker biete an, die Investition in entsprechende Technik zu bezuschussen, betonte Stohr.



Die hohen Rübenerträge dieses Jahres sorgen nicht nur für Freude. Ein großer Teil ist nicht über die bestehenden Lieferrechte abgedeckt, sodass bereits etwa 30 % der Anbauer im Gebiet des Verbandes Sächsisch-Thüringischer Zuckerrübenanbauer prinzipiell die Absicht bekundet hat, individuelle Mengenübertragungen auf das nächste Jahr vorzunehmen. Dies wird jedoch nicht ausreichen, um die überständige Zuckermenge abfangen zu können, sodass es eine generelle Übertragung geben werde, machten die Südzuckervertreter während des Treffens in Brottewitz deutlich.

 

 

Übertragen – oder nicht?


Kritisch bewertete Thomas Rothe die angekündigten individuellen Übertragungen. „Unter den Südzucker-Anbaugebieten ist Sachsen-Thüringen wieder einmal Spitzenreiter bei den Übertragungen“, beklagte  der Geschäftsführer des Verbandes Sächsisch-Thüringischer Zuckerrübenanbauer. Zusammen mit der drohenden generellen Mengenübertragung werde dies zur Folge haben, dass die hiesigen Anbauer wieder die meisten Anbauflächen abgeben würden. „Das hat negative Folgen für alle Beteiligten“, so Rothe.


Joachim Häntsch, Rübenbauer aus Ostsachsen, machte jedoch deutlich, dass individuelle Übertragungen für Erzeuger in größerer Entfernung zur Zuckerfabrik durchaus verständlich seien. Schließlich könnten hohe Frachtkosten die Erlöse für Rübenmengen, die über die Vertragsmengen hinausgehen, durchaus  neutralisieren. Hier könnte es den Anbauern eine Entscheidungshilfe sein, wenn die Preise für Überschuss-Rüben eher bekannt gemacht würden.

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr