Rinderzuchtverband und Landeskontrollverband

16.04.2018

© Karsten Bär

Dank und Anerkennung sprach den ausscheidenden SRV-Aufsichtsratsmitgliedern Gottfried Bernhard und Andreas Bamberg der Vorsitzende Bernd Barfuß (v. l.) aus.

Es war ein Jahr zum Durchatmen: Nach der schweren Milchkrise 2015/16 prägten deutlich freundlichere Erzeugerpreise das Jahr 2017. Das wirkte sich auch auf das wirtschaftliche Ergebnis der Masterrind GmbH aus, wie Geschäftsführer Ralf Strassemeyer bei der Generalversammlung des Sächsischen Rinderzuchtverbandes eG (SRV), die in Meißen und wieder gemeinsam mit der Mitgliederversammlung des Sächsischen Landeskontrollverbandes (LKV) stattfand,  im Bericht ausführte. Erzielt wurde ein Umsatz von 196,3 Mio. €, der damit gegenüber dem Vorjahreswert um 8,5 Mio. € zulegte.


Während die anderen Geschäftsbereiche in etwa stabil blieben, hatte der Tierhandel wesentlichen Anteil an der Umsatzsteigerung. Die Stückzahl der verkauften Tiere stieg um 1,1 %, der Umsatz um 6,2 % auf 141,5 Mio. €. Insbesondere wurden Zuchttiere aus dem Bereich Milchrinder abgesetzt, wobei auch starke Nachfrage aus dem Ausland bedient wurde. Neben den europäischen Nachbarländern waren es Kunden in Russland und Zentralasien, die für Absatz sorgten. Der Export von Zuchtrindern legte insgesamt um mehr als 5 % zu.

 

Teil beigetragen


Zum Tiervertriebsergebnis der Masterrind GmbH trug der sächsische Teil des Zuchtgebietes mit 16,1 Mio. € (+6,6 %) bei. Über 23.200 Tiere wurden aus Sachsen verkauft, was einer Steigerung von 3,5 % entspricht. Strassemeyer sieht die Gefahr als gering an, dass man sich – wie teils befürchtet – durch den Export von Zuchtrindern und von Sperma unter anderem nach Russland die eigene Konkurrenz im Ausland aufbaue. Diese erwachse allenfalls in wenigen Einzelfällen. In Russland versuche man seit Jahrzehnten, produktiver zu werden. Zudem seien die Kosten für die Produktion unter den dortigen Bedingungen nach wie vor deutlich höher als in Deutschland.


Knapp in Höhe des Vorjahresniveaus hat sich der Absatz von Sperma und Reproduktionsdienstleistungen gehalten. Hier erwartet Masterrind, dass der Strukturwandel und die tendenziell verringerte Zahl rinderhaltender Betriebe mittelfristig das Marktvolumen verringern und sich der Wettbewerb verschärfen wird. Trotz verbesserter wirtschaftlicher Situation zeigt das vergangene Jahr noch deutliche Spuren der Milchkrise.  Die Rückgänge in den Betriebszahlen im Masterrind-Zuchtgebiet liegen mit -7,6 % im vergangenen Jahr deutlich über dem durchschnittlichen Anteil der vergangenen Jahre (-3,5). Leicht rückläufig war auch die Kuhzahl (-1,7 %), wobei der sächsische Teil des Zuchtgebietes  mit -2,2 % oder 3.000 Tieren anteilsmäßig stärker verlor als der niedersächsische Teil (-0,6 %, -5.000 Tiere).


Rückgänge bei Betrieben und Kuhzahl musste auch LKV-Geschäftsführer Prof. Dr. Jörg Hilger in seinem Bericht konstatieren. Laut Jahresabschluss 2016/2017 nahmen 642 Betriebe (-6,1 %) mit durchschnittlich 174.545 Kühen (-3,6 %) an der Prüfung von Gesundheit und Robustheit (GERO) sowie der Milchleistung (MLP) teil. Der Konzentrationsprozess setzte sich fort, im Durchschnitt hielt jeder GERO-Betrieb statistische 271,9 Kühe. Mit 95,2 % sei der Anteil der GERO-Kühe an der sächsischen Gesamtzahl weiterhin erfreulich hoch. Ebenso erfreulich sei, dass Sachsen im Vergleich zu den anderen Bundesländern über den sechstgrößten Bestand an Milchkühen verfüge.


Bei der Milchleistung je Kuh erreichte Sachsen im Vorjahr – trotz Rückgangs um 15 kg – mit 9.551 kg wieder den Spitzenplatz unter allen Bundesländern, ebenso bei den Fetteiweißkilo (713 kg). Hilger verwies darauf, dass gutes Abschneiden im vom LKV entwickelten GERO-Ranking hohe Leistungen nicht ausschließt: So habe, um nur ein Beispiel zu nennen, der nach GERO-Kriterien erstplatzierte Betrieb, die Agro-Produkt Leubsdorf GmbH mit einem Tierbestand von durchschnittlich 1.163 Tieren, zugleich die viertbeste Milchleistung (12.048 kg) und siebtbeste Leistung hinsichtlich des Fett-Eiweiß-Gehalts (875 kg). Tierwohl, so der LKV-Geschäftsführer, sei keine Frage der Betriebsgröße, sondern in erster Linie des Managements.


Eine weiterhin gute Entwicklung verzeichnete im vergangenen Jahr die LKS GmbH als Tochtergesellschaft des LKV, bei der es erneut zu einem Wachstum bei der Zahl untersuchter Futter­proben auf über 61.000 (+1,5 %) gab. Aus ganz Deutschland und dem Ausland kommen die Pro-ben ­mittlerweile. Eine schnelle Probenlaufzeit sei ein sehr wichtiges Merkmal der LKS. Im Bereich der Bodenprobenuntersuchung bietet das Labor seit diesem Jahr die Düngebedarfsermittlung und ­Dokumentation der Berechnung auf Grundlage des Programmes BESyD an. Zuwachs gab es in weiteren Bereichen, so bei den Mastitisuntersuchungen, lebensmittelanalytischen Dienstleistungen für Direktvermarkter und lebensmittelverarbeitende Unternehmen sowie bei den VLOG-Audits, mit denen Gentechnikfreiheit von Futtermitteln nachgewiesen wird.


Umsatzmäßig verzeichneten LKV und LKS gemeinsam ein Plus von 2,5 %. Der Zuwachs geht vor allem auf die LKS zurück, die ihren Umsatz um 16,8 % steigerte. Dementgegen schrumpfte der Umsatz des LKV (-4,9 %), unter anderem durch die Folgen der Milchkrise und den Rückgang der Kuhzahl. Er glaube, dass die Bedeutung der LKS für das Gesamtunternehmen weiter wachsen werde.

 

Schmerzhafter Prozess


LKV-Vorsitzender  Jan Gumpert ergänzte diese Aussagen in seinem Bericht: War der Rückgang im Bereich der LKV-Tätigkeit zwar 2017 nicht mehr so stark spürbar wie 2016, blieb er doch schmerzhaft hoch, so Gumpert. Demgegenüber konnten neue Aufgaben, neue Untersuchungsmethoden und innerbetriebliche Anpassungen den aufgabenbedingten Umsatzrückgang beim LKV kompensieren. Der Vorsitzende verwies auf erfolgreiche Bemühungen, Arbeitszeiten und –vergütungen flexibel und zukunftsfähig zu gestalten. Zudem habe man das äußere Erscheinungsbild des Verbandes modernisiert. Aufgaben für die nächste Zeit sind Gumpert zufolge die Verbesserung der Kunden- und Mitgliederinformation, die Transportoptimierung und weitere Bemühungen um Kooperationen zwischen Verbänden und anderen Partnern.


Interessante Ein- und Ansichten zur Öffentlichkeitsarbeit der Landwirtschaft vermittelte der Blogger, Sozialwissenschaftler und Landwirt Klaus Alfs.  Er konstatierte ein in der Gesellschaft an Bedeutung gewinnendes Weltbild, das Natur und Tiere über den Menschen und seine Interessen stelle. Die landwirtschaftliche Tierhaltung stehe mit dem Rücken zur Wand, Entgegenkommen werde nur mit weiteren Forderungen beantwortet. Jetzt helfe nur noch Offensive, die schonungslos die Absurdität der Argumente von Tierrechtlern offenlege.

 

 

 

Personalien
Als Vorsitzender des SRV ist Bernd Barfuß von der Generalversammlung im Amt bestätigt worden. Altersbedingt schied Andreas Bamberg aus dem Aufsichtsrat aus. Sein Nachfolger als Vorsitzender des Gremiums wurde Robert Otto. Zudem legte Gottfried Bernhard aus persönlichen Gründen sein Amt als Aufsichtsratsmitglied nieder. Neu in das Gremium gewählt wurde Tobias Blaschke.
Im Rahmen einer Nachwahl wurde Ralf Strassemeyer als Geschäftsführer des SRV in den Vorstand des LKV gewählt. 

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