Rinderhaltung

29.04.2013

 

 

Eine konstante Kuhzahl und sichtbarer Fortschritt bei der Leistung – Sachsens Rinderzüchter können insgesamt zufrieden auf das vergangene Jahr blicken. „Nach einer Atempause im Jahr zuvor ist es uns gelungen, 2012 wieder einen Leistungssprung nach vorn zu machen und unsere Platzierung im Spitzenbereich aller Bundesländer zu festigen“, sagt Dieter Schlunke, Vorstandsvorsitzender des Sächsischen Rinderzuchtverbandes eG (SRV). Knapp 135.000 Milchkühe (A+B-Kühe) standen 2012 im Herdbuch des SRV, das waren 2.130 mehr als im Vorjahr. Ihre durchschnittliche Jahresleistung stieg um 230 kg je Kuh auf 9.404 kg Milch.

 

Die Anzahl der Kühe wird aus Sicht des SRV auch künftig relativ stabil bleiben. „Ein Strukturwandel ist nicht zu erwarten“, schätzt Cord Höltje, Geschäftsführer des SRV und der Masterrind GmbH, ein. Hier wirke sich auch die langjährige investive Förderung des Freistaates aus, die dazu beigetragen habe, die Kuhzahl zu stabilisieren. Gleichwohl sei auch Kritik angebracht, meint Dieter Schlunke: „Zusagen müssen gehalten werden. Wir sind nicht damit einverstanden, dass Fördermittel nach dem Windhund-Prinzip vergeben werden“, so der SRV-Vorsitzende mit Blick auf das im vergangenen Jahr eingeführte Rankingverfahren, das vielen Betrieben jede Chance auf Investitionsförderung nimmt.

 

Aus wirtschaftlicher Sicht prägte das vergangene Jahr ein leicht gestiegener Milchpreis. „Aber auch die Erzeugerkosten sind auf breiter Front gestiegen, etwa für Futtermittel oder Energie“, so Cord Höltje. Die Wirtschaftlichkeit sei trotz des hö­heren Milchgelds nicht besser geworden. „Die Preise sind derzeit auskömmlich, aber für die Zukunft nicht nachhaltig genug.“


 

Schmallenberg-Virus erschwert Export


Zufriedenstellend seien hingegen die Erzeugerpreise für Rindfleisch. „Nach einer langen Phase niedriger Preise war es auch dringend notwendig, dass Züchter und Halter von Fleisch­rindern wieder etwas mehr verdienen“, betont der Masterrind-Geschäftsführer. Nach wie vor ist die Struktur der Fleischrindzucht und -haltung in Sachsen durch eine große Rassenvielfalt gekennzeichnet. Tiere der  Rassen Limousin, Fleckvieh, Angus und Charolais stellen allerdings den größten Teil der  3.808 aktiven Herdbuchkühe. Die Zahl der eingetragenen Herdbuchtiere ist seit einigen Jahren leicht rückläufig. Zum Herbst 2012 wurden 229 Fleischrindzüchter in Sachsen gezählt. Das waren 33 weniger als im Jahr zuvor.


Anknüpfen konnte die Masterrind GmbH, die gemeinsame Vermarktungsorganisation von SRV, Rinderproduktion Niedersachsen (RPN) und Zuchtrindererzeugergemeinschaft Hannover (ZEH), an ihr Vorjahresergebnis. Mit rund 119 Mio. ­Euro verfehlte man den Vorjahreswert von zirka 120 Mio. Euro nur knapp und erreichte damit einen Gewinn von 1,25 Mio. ­Euro. Während das Unternehmen in mehreren Geschäfts­feldern deutliche Umsatzzuwächse erzielte, gab es beim umsatzstärksten Geschäftsfeld, dem Tiervertrieb, nach fünf Rekordjahren in Folge einen Rückgang um -5,7 %. 


Grund hierfür ist in erster Linie ein deutliches Minus im Export. „Der gesamtdeutsche Export ist um etwa 30 % zurückgegangen“, verdeutlicht Cord Höltje. Wegen des Auftretens des Schmallenberg-Virus´ bestehen Einfuhrbeschränkungen vor allem für Russland, Kasachstan und Weißrussland, aber auch für andere Märkte. Gesteigert werden konnte hingegen der Absatz im europäischen Raum, vor allem in Großbritannien. Top-Exportmarkt sei nach wie vor Nordafrika, vor allem Marokko. In dieses Land wurden die meisten Zuchtrinder (3.924) verkauft, gefolgt von der Türkei (3.815) und Italien (1.344 sowie 511 Fleischrinder). Alles in allem sei jedoch ein Rückgang beim Zuchttierverkauf zu konstatieren, der nur zum Teil durch größere Verkaufszahlen bei Kälbern und Schlachtvieh ausgeglichen wurde, so der Masterrind-Geschäftsführer. „Bei den Stückzahlen sind wir gut dabei, aber die Umsätze sind nicht so hoch.“  In Sachsen steigerte sich der Tiervertrieb um 25 %. Für 2013 deutet sich eine weitere Steigerung um 20 % an. Cord Höltje und Dieter Schlunke werten dies als „Schritt in die richtige Richtung“. Zur größeren Bereitschaft sächsischer Betriebe, Tiere über Masterrind zu verkaufen, habe auch die Einrichtung des Vermarktungszentrums am Standort in Meißen mit den damit verbundenen Erleichterungen für den einzelnen Betrieb beigetragen.


Ein zehnprozentiges Um­satzplus verzeichnete der Spermavertrieb. Abgesetzt wurden 2,5 Mio. Portionen. „Wesentlicher Umsatzträger war einerseits die Vermarktung im eigenen Gebiet, andererseits der Export, der um 48 % gesteigert werden konnte“, so Cord Höltje. Verkauft wird weltweit in 40 Staaten. Top-Exportmarkt ist sowohl hinsichtlich des Umsatzes als auch der verkauften Portionen China, gefolgt von Marokko und der Türkei.


Rund 50 % des Spermas stammt von genomisch geprüften Bullen. Mit dem Einsatz von Frischsperma wird dem Umstand Rechnung getragen, dass junge Bullen zunächst nur eine geringe Menge an Sperma produzieren können. Mit Frischsperma wird sichergestellt, dass allen Betrieben in den ersten Monaten wenigstens einige Portionen zur Verfügung gestellt werden können. In der Zuchtwertschätzung der genomischen Bullen  rangierten im Dezember des Vorjahres 27 Masterrind-Bullen unter den besten 100 in Deutschland.  In der Top-100-Rangliste der Bullen mit Töchterinformationen befanden sich 22 Masterrind-Bullen.


Stark wachsende Nachfrage hat Masterrind an Dienstleistungen im Bereich Besamung gespürt. „Wir können die Nachfrage nicht komplett abdecken. Dazu fehlen uns die nötigen zusätzlichen Servicemitarbeiter“, erklärt Cord Höltje. Es sei schwer, diese hochqualifizierten Fachleute zu finden. Tierzuchttechniker würden auch von den Betrieben verstärkt gesucht. Expertise ist gefragt, denn die Fruchtbarkeitsinformationen sächsischer Milchkühe weisen darauf hin, dass Handlungsbedarf besteht. „Die bestehenden Probleme wollen wir mit kompetenten Mitarbeitern und dem Einsatz von Technik in den Griff bekommen“, betont Dieter Schlunke.


Trägerkühe sta­tt Wartebullen


Um der steigenden Bedeutung biotechnischer Verfahren Rechnung zu tragen, hat Masterrind zwei Vorhaben in Gang gesetzt: In Nückel bei Bremerhaven wird das Biotechnologiezentrum des Unternehmens ausgebaut, im sächsischen Hohenfichte erhält der Wartebullenstall eine neue Funktion. Bedingt durch den Rückgang des Bullenbestandes infolge der genomischen Selektion wäre  eine kostengünstige Nutzung aller Ställe nicht mehr möglich gewesen. Zugleich bestehe aber höherer Bedarf an Stallplätzen für Empfängertiere von Embryonentransfers, so Cord Höltje. Hohenfichte biete Kapazität für 500 Tiere. „Der Standort funktioniert und wir haben gute Mitarbeiter vor Ort“, erklärt der Masterrind-Geschäftsführer. „Eine Alternativnutzung des Standortes erschien uns daher sehr sinnvoll und wir haben das Vorhaben zügig umgesetzt.“ 170 Trägertiere stehen bereits in Hohenfichte, parallel läuft der Umbau, der bis Jahresende abgeschlossen sein soll.  Die verbliebenen Bullen wurden auf die Standorte anderer NOG-Partner umgestallt.

 

Karsten Bär

 

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