Regionalbauernverband Vogtland

23.03.2015

© Thomas Tanneberger

Eine Reihe kritischer Fragen wurde während der Mitgliederversammlung zur Diskussion gebracht.

Vorstandsvorsitzender Ulrich Gündel berichtete eingangs von der erfolgreichen Mitarbeit des Verbandes auf Landes- und Bundesebene. So habe man sich mit Stellungnahmen zur investiven Förderung und zur Umsetzung des Greenings beim Landesverband eingebracht, auf dem Deutschen Bauerntag in Bad Dürkheim mitgearbeitet. Auch erhebe der Regionalverband zunehmend hörbar die Stimme gegen die Übermacht der großen Nahrungsmittelkonzerne, die Projekte der landwirtschaftlichen Direktvermarktung sehr erschwere. Hier erwarte man künftig mehr Unterstützung und klarere Worte von der Politik. Gerade im vergangenen Jahr bei der Neufassung der EU-Agrarpolitik habe sich gezeigt, wie wichtig es ist, einen gut funktionierenden Bauernverband zu haben, der mit einer Stimme spricht, so Gündel. Denn in Brüssel werde man nur ernst genommen, wenn man geschlossen auftritt.

 

Einen besonderen Schwerpunkt habe der junge Vorstand bei der Verbesserung der berufsständischen Öffentlichkeitsarbeit gesetzt, so Gündel weiter. Man nehme die Regionalpresse bewusst mit auf Flurfahrt, baue trotz großer Finanznot an einer eigenen Website. „Wir brauchen ein Sprachrohr, um uns in der Öffentlichkeit besser darzustellen. Wir leben in einer medialen Welt, in der Dinge über uns verbreitet werden, die wir so nicht stehen lassen können“, so der Vorsitzende. Auch wenn Attacken zum Teil jeder fachlichen Grundlage entbehrten, müsse man sich erfolgreich zur Wehr setzen können, und die beständige positive Öffentlichkeit sei der Kern der Vorbeuge gegen mediale Angriffe. Über Wege des erfolgreichen Umgangs mit diesen Herausforderungen berichtete im zweiten Teil der Veranstaltung BauernZeitungs-Chefredakteur Dr. Tanneberger. Die Wirkungsweise von Öffentlichkeitsarbeit und eine sinnvolle Prophylaxe standen ebenso im Mittelpunkt seines Vortrags wie der sachgerechte Umgang mit Havarien und die rechtliche Situation des Landwirts im Umgang mit Massenmedien.

 

Ausgesprochen spannend gestaltete sich dann die Diskussion. SLB-Hauptgeschäftsführer Manfred Uhlemann berichtete über die Schwierigkeiten der Agrarverwaltung, die CD für den Agrar-Antrag zeitgerecht auszuliefern. Obwohl weiterhin der 15. Mai als Abgabetermin zählt, sei sie noch nicht in den Händen der Landwirte. Das löste breiten Unmut unter den Mitgliedern aus. Solidarisch zeigten sich die Mitglieder auch mit Uhlemanns Kritik am Ablauf der Verhandlungen zum sächsischen Agrarförderungsprogramm. Man habe den SLB hierzu Stellungnahmen einreichen lassen, während der Wortlaut schon seit Mai letzten Jahres fertig in Brüssel vorgelegen habe. Entsprechend verpufft seien dadurch die vorgebrachten Forderungen des Berufsstandes, und nun seien Änderungen frühestens zu 2018 möglich, so Uhlemann.

 

Ein großes Thema war auch die Absicht der Agrarverwaltung, die jährlichen Ausgleichszahlungen nicht wie bisher im Dezember, sondern erst zu Februar/März des Folgejahres auszuzahlen. Das werde man nicht unwidersprochen hinnehmen, so die einhellige Meinung im Saal, zumal ja die Umlagebeträge für die ersten 46 ha und die Abzüge wegen Haushaltsdisziplin ohnehin schon später gezahlt werden.

 

Uhlemann verdeutlichte auch, wie der SLB und der DBV im Prozess der Neugestaltung von Düngeverordnung und Saatgutrecht, in Fragen zum Mindestlohn und zum Naturschutz sowie bei der Tierwohlinitiative die Interessen der Landwirte  vertreten, machte aber auch darauf aufmerksam, dass manche Probleme hausgemacht seien. Wenn 50 % der Landwirte freiwillig und klaglos ihre Nachbaugebühren bezahlen und 50 % nicht, dann müsse man sich nicht wundern, wenn es irgendwann Probleme gibt. Zur Achtung rief Uhlemann beim Thema Acker-Grünland-Umwandlung auf. Alle Landwirte sollten hier prüfen, ob sie Flächen im Programm haben, die fünf Jahre dem Futterbau dienen oder stillgelegt sind und damit der Zwangsumwandlung anheimfallen könnten. Während diese Hinweise sehr dankbar aufgenommen wurden, teilte eine Reihe von Landwirten Uhlemanns vorsichtig optimistische Einschätzung zur Entwicklung des Milchmarkts nicht. Zwei namhafte Milcherzeuger aus der Region machten stellvertretend für viele im Saal deutlich, dass sie von der Preismisere bis an die Erträglichkeitsgrenze belastet seien und starke Bedenken hinsichtlich der Zukunft haben. Dass viele der andiskutierten Lösungsideen in der Praxis kaum umzusetzen sind, wurde im weiteren Gesprächsverlauf zwar deutlich, aber die klare Forderung nach konkreten Schritten zu Verbesserung der Lage der Milcherzeuger anstelle von Beschwichtigungen blieb am Ende unwidersprochen.

 

 

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