Raub der Flammen

25.07.2018

© Karsten Bär

Großes Foto: Nichts mehr zu retten: Ein Feuerwehrmann steht vergangene Woche Mittwoch vor dem niedergebrannten Weizenschlag der Schicketanz GbR in der Nähe von Fremdiswalde. Kleine Fotos rechts: Böiger Wind fachte das Feuer an und führte zu seiner großflächigen Ausbreitung. Benachbarte Landwirtschaftsbetriebe eilten zur Unterstützung der Löscharbeiten herbei. Fotos: Steffen Richter, Nerchau-Mutzschener

Zundertrocken wie in vielen Teilen Sachsens sind die Felder zurzeit auch im Muldental. Für einen Feldbrand reicht schon ein kleiner Funke oder auch nur eine Glasscherbe, die im Feld liegt. Was genau der Auslöser für den Brand eines Weizenfeldes der Schicketanz GbR aus dem Grimmaer Ortsteil Fremdiswalde am Dienstag vergangener Woche war, lässt sich wohl nicht mehr ermitteln. „Vielleicht ein Steinschlag ans Schneidwerk des Mähdreschers“, mutmaßt Bernd Schicketanz.

 

 

Rauch und Flammen hatte der Landwirt an diesem Tag zuerst auf den Flächen eines Nachbarbetriebes bei Burkhartshain gesehen. Gegen 13 Uhr geriet ein Schlag Weizen des Gutes Mühlbach während des Druschs in Brand. Die Rauchsäule soll bis nach Wurzen zu sehen gewesen sein. Auf 20 ha wird Zeitungsberichten zufolge die Ernte vernichtet. Um den Brand einzudämmen, schickt auch die Schicketanz GbR Hilfe. „Wir sind mit einer Scheibenegge und einem 8.000-Liter-Wasserfass dazugekommen“, berichtet Bernd Schicketanz. Mit der Egge wurde eine Schneise gezogen, um die Ausbreitung des Brandes zu verhindern. Mit dem Wasser unterstützte man die Arbeit der angerückten Feuerwehren. „Wir haben das gemeinsam relativ schnell in den Griff bekommen“, so der Fremdiswalder Landwirt.

 

 

Als es wenige Stunden später auf den eigenen Flächen brannte, war das Feuer hingegen kaum unter Kontrolle zu bringen. Während des Druschs auf einem Weizenschlag in der Nähe der Ortslage von Fremdiswalde züngelten plötzlich Flammen auf, die sich mit unglaublicher Geschwindigkeit ausbreiteten.   Böiger Wind heizte den Flächenbrand an.  Steffen Richter, Geschäftsführer der benachbarten Nerchau-Mutzschener Agrar und Service GmbH und während des Feldbrandes ebenfalls helfend vor Ort, berichtet von bedrohlich wirkenden Szenen: „Auf dem brennenden Feld entstanden meterhohe Windhosen aus Flammen.“ Diese Feuertürme, die auch Bernd Schicketanz beobachtete, seien nach kurzer Zeit zerplatzt und hätten durch das dann herumfliegende brennende Stroh zur weiteren Ausbreitung des Brandes geführt. Die in den Boden gezogenen Schneisen wurden von den Funken einfach überflogen. Schließlich waren selbst die eingesetzten Schlepper von den Flammen bedroht. Der Flächenbrand selbst breitete sich in Richtung des Ortes aus – genau auf einen Kindergarten zu. Mit vereinter Kraft konnte der Feldbrand doch noch gestoppt werden. Neben den herbeigerufenen Feuerwehren und den Helfern von der Nerchau-Mutschener Agrar und Service GmbH halfen auch das kurz zuvor vom Brand erwischte Gut Mühlbach sowie der Landwirtschaftsbetrieb Frank Fleischer bei der Eindämmung der Flammen. „Bei dieser Flächenausdehnung war die Feuerwehr machtlos“, ist Bernd Schicketanz überzeugt. Auch Steffen Richter meint: „Ohne die Mithilfe der Landwirte mit ihren Bodenbearbeitungsgeräten wäre der Brand nicht zu stoppen gewesen.“ Dennoch fielen am Ende 30 ha Weizen den Flammen zum Opfer.

 

 

Für die Schicketanz GbR ist es in diesem Jahr bereits der zweite Feldbrand. Beim ersten Mal hatte sich ein vermutlich von einer Zigarettenkippe ausgelöster Brand vom Straßengraben aus in ein Wintergerstenfeld ausgebreitet. Man hoffe nun, dass die Versicherung den Schaden übernimmt, sagt Bernd Schicketanz. Nicht nur die Einbuße des Getreideertrages, auch der Verlust an Stroh ist für den Betrieb, der Schweine und Mutterkühe für seine starke Direktvermarktungsschiene hält, schmerzlich.

 

 

 

Norden Sachsens stärker betroffen

Von vermehrten Bränden landwirtschaftlicher Flächen ist der Freistaat Sachsen nicht gleichermaßen betroffen. In der Integrierten Regionalleitstelle (IRLS) Zwickau etwa, zuständig für den Landkreis Zwickau und den Vogtlandkreis, spricht man von lediglich fünf Feldbränden in den letzten Wochen. Gleichwohl sei man aufmerksam und treffe bei Bränden in der Nähe von gefährdeten Wald- und Feldflächen Vorkehrungen, um eine Ausbreitung zu verhindern.

Demgegenüber zählte man in der IRLS Leipzig, zuständig für die stark von der Trockenheit betroffenen Landkreise Leipzig und Nordsachsen sowie die Stadt Leipzig, allein im Monat Juli bislang 102 Feldbrände (Stand 24. Juli). Im Juni wurden bereits 45 Feldbrände gezählt. 

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