Quotenende voraus

02.02.2015

© Karsten Bär

Rekorderträge an Zuckerrüben wurden während der kürzlich beendeten Kampagne in Brottewitz und Zeitz verarbeitet.

Rekorderträge auf den mitteldeutschen Zuckerrübenäckern – doch die Freude ist alles andere als ungetrübt. Im Schnitt fast 85 t/ha haben die Mitglieder des Verbandes Sächsisch-Thüringischer Zuckerrübenanbauer (VSTZ) im vergangenen Jahr geerntet und trotz einer Anbaufläche von nur knapp 26 000 ha – der zweitkleinsten Fläche seit Verbandsgründung – eine Gesamtmenge von 2,1857 Mio. t Rüben an die Südzuckerwerke Zeitz und Brottewitz geliefert. Das europaweit entstandene Überangebot verschärft jedoch die ohnehin schwierige Situation am Zuckermarkt, Exportbeschränkungen verhindern Entlastung. Und das hat Auswirkungen: einerseits auf die Rübenpreise, andererseits auf den Anbau 2015. Rund 300 000 t aus dem Verbandsgebiet werden als Übertragungsrüben bereits auf die kommende Ernte angerechnet und schmälern damit den  diesjährigen Anbauumfang  um etwa 4 400 ha.

Ernüchternder Blick auf die Rübenpreise

Das „Chaos am europäischen Zuckermarkt“ spiegele sich auch auf den „ernüchternden“ Rübenabrechnungen wider, konstatierte Verbandsvorsitzender Ralf Hentzschel bei der Winterversammlung des VSTZ in Groitzsch. Glücklich sein müsse man daher über den noch bestehenden Garantiepreis für die sogenannten Quotenrüben – in diesem Jahr zwei Drittel der Gesamtmenge –, der trotz gesunkener Zuckerpreise gezahlt werden müsse. Mit allen Zu- und Abschlägen ergebe sich ein durchschnittlicher Quotenrübenpreis von 30,40 €/t, durchschnittlich zwischen 22,74 und 19,38 Euro werden für Ethanol-, Vertragsindustrie- und Industrierüben gezahlt. Lediglich 8 Euro Grundpreis gibt es für die Rüben, die außerhalb dieser Kategorien angefallen sind. „Der erst für 2017 erwartete harte Verdrängungswettbewerb nach dem Ende der Zuckerquote hat uns bereits zwei Jahre früher als erwartet voll eingeholt“, so Hentzschel.

2017 werden sich freilich auch für den Anbau weitere grundlegende Veränderungen ergeben, schließlich schwimme man von „einer Insel der Planwirtschaft in das offene Meer des freien Marktes“, wie es der Verbandsvorsitzende formulierte. Inzwischen hätten sich die Anbauverbände und Südzucker hierfür auf einen Fahrplan verständigt. Grundlage für den künftigen Vertragsanbau werden die bestehenden Rübenlieferrechte sein. Sie werden als Basismenge gelten, für die es einen Mindestpreis geben soll, der wenigstens dem Niveau der durchschnittlichen Anbaukosten entspricht. „Diese Aussicht auf Grundsicherung stufen wir als großen Erfolg ein“, betonte Hentzschel. Auf die Basismenge werden zudem im ersten Schritt 25 % als Mehrmenge aufgeschlagen. Möglich sein wird es zudem, abhängig vom Bedarf der Zuckerfabriken zusätzliche Vertragsmenge zu kontrahieren. Dies erlaube es den Anbauern, dem betrieblichen Anbauoptimum näherzukommen.

Hinsichtlich der Frachtkosten habe man vereinbart, dass diese zu 75 % von Südzucker und – ohne einschränkende Maximalentfernungen – zu 25 % vom Anbauer zu tragen sind. Dies sei ein erfreulicher Kompromiss, der auch fabrikferneren Anbauern die Möglichkeit verschaffe, wirtschaftlich Rüben zu erzeugen. Gleichwohl müsse bei weiteren Entfernungen zum Verarbeitungsstandort jeder Betrieb individuell  die Wirtschaftlichkeit prüfen. Schon jetzt sollte unter Zuhilfenahme kompetenter Beratungsquellen abgewogen werden, ob ein Ausstieg aus der Rübenproduktion oder eine Erweiterung des Anbaus sinnvoll ist. Der Verband wolle jene, die erweitern wollen, ebenso unterstützen wie Aussteiger. „Nur mit einer vernünftigen Wanderung der Anbaumengen hat der regionale Zuckerrübenanbau eine Chance!“, betonte Hentzschel.

Knallharter Wettbewerb  um Marktanteile

Denn auch wenn der Markt derzeit unter einem Überangebot ächzt – nach 2017 wird es auch darum gehen, genug Rübenmenge für die Verarbeitung zu erzeugen. Das bestätigte Alfons Münch vom Geschäftsbereich Zucker/Rüben der Südzucker AG. Er bekräftigte die bereits im vergangenen Jahr vom Konzern angekündigte Strategie, nach Quotenende mit voller Auslastung aller Standorte in einen „knallharten Wettbewerb“ zu gehen und Marktanteile zu verteidigen.  Kampagnen von 120 Tagen Länge würden dann Standard sein, dafür brauche man Rüben. „Und wir wissen: Die Sympathie ist schnell am Ende, wenn der Preis nicht stimmt“, so Münch. Daher wolle man die Verwertungserlöse fair und partnerschaftlich teilen. Das Preissystem solle einfacher werden und Qualität belohnen, die Frachtkostenregelung Anreize zur Kostensenkung und Strukturverbesserung  geben. Unterstützen wolle Südzucker die Rübenerzeuger auch dabei, die Anbauverfahren wettbewerbsfähiger zu machen.

Der Konzern erwarte zunächst einen anhaltenden Preis- und Mengendruck, machte Münch deutlich. Jedoch sei auch von einem Rückgang der Zuckerimporte in die EU auszugehen. Zudem sehe man im Wegfall der Exportbeschränkungen „einen kleinen Wind, der uns beflügelt“. Der globale Zuckerverbrauch steige, Produzenten wie Brasilien, Indien oder Thailand stießen zunehmend an Grenzen. „Europäischer Zucker hat Zukunft“, so Münch, der auch für die mitteldeutschen Rübenanbauer zuversichtlich ist. Denn betriebsgrößenbedingt hätten diese Kostenvorteile gegenüber Erzeugern in anderen Regionen Deutschlands.

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