Ökobauernstammtisch auf der Gäa-Wintertagung

24.02.2015

© Karsten Bär

Norbert Steul vom Hof Mahlitzsch berichtete über den Umgang des Betriebes mit Einträgen von Pflanzenschutzmitteln im vergangenen September.

Pflanzenschutzmittel auf Ökoflächen: Der Fall sorgte im vergangenen September in Sachsen für Aufruhr. Auf einige Felder des Biobetriebs Hof Mahlitzsch GbR bei Nossen waren offenbar durch Abdrift von konventionellen Nachbarbetrieben großräumig Stoffe gelangt, die nicht auf die Flächen eines Biobetriebes gehören. Der Vorfall ereignete sich mitten in der Gemüseernte – für die Familien Burgeff, Schwab und Steul, die den Hof Mahlitzsch gemeinsam betreiben, ein Schock. „Wir haben uns dazu entschieden, offensiv mit der Sache umzugehen“, erinnert sich Norbert Steul. „Und das war genau der richtige Weg.“ Nicht nur Ämter und die Ökokontrollstelle, auch die Kunden wurden umgehend informiert, die Vermarktung des betroffenen Gemüses sofort gestoppt. Wochenlang hielt das Ereignis den Betrieb in Atem. Inzwischen haben sich die Wogen geglättet – auch wenn längst nicht alle Folgen reguliert sind. Was bleibt ist die Sorge, dass sich Ähnliches wiederholen könnte.

 

Sicherheit für Bioerzeuger

Für die Biobranche geht es um die Qualität ihrer Produkte – und um Vertrauen. Auch wenn es konkret in Sachsen nach ­Auskunft des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in den vergangenen Jahren nur höchst selten geschah: Unter Ökolandwirten ist die Furcht vor Einträgen von Mitteln, die im Ökolandbau nicht erlaubt sind, latent immer existent. Auf der Wintertagung des ökologischen Anbauverbandes Gäa e. V. im Rittergut Limbach bei Wilsdruff wurde kürzlich das Problem beim „Ökobauernstammtisch“ intensiv diskutiert. „Uns geht es um die Frage: Wie können wir die Biolandwirtschaft sicherer machen, gerade in Bezug auf Abdrift von Pflanzenschutzmitteln von konventionellen Nachbarn?“, so Cornelie Blumenschein, die dem Anbauverband Gäa als Bundesvorsitzende vorsteht. Ihr gehe es dabei um das Finden möglichst gemeinsamer Lösungen für alle Beteiligten, sagte sie. Doch nicht selten sorgt die Thematik für böses Blut.

 

Und zwar auf beiden Seiten: Mancher Ökolandwirt sieht sich den Einträgen aus der Nachbarschaft „ausgeliefert“, konventionelle Betriebe hingegen fühlen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Für Verstimmungen hatte auch der Vorfall auf Hof Mahlitzsch gesorgt, wie Norbert Steul einräumte. Durch Kunden des Hofes war die Information an die örtliche Presse gelangt. Ein erster Artikel löste eine regelrechte Lawine von kritischen Berichten in weiteren Medien aus. Ihn habe die Reaktion vieler konventioneller Landwirte überrascht, die sich davon pauschal angegriffen fühlten, so    Steul. Dies sei jedoch nicht seine Intention gewesen. Stattdessen komme es darauf an, miteinander zu reden und Nachbarbetriebe für die Situation von Biobetrieben zu sensibilisieren. In Kenntnis eines ökologisch wirtschaftenden Nachbarn stehe ein konventioneller Betrieb letztlich auch in der Pflicht, über die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln zu informieren.

 

Gemischte Reaktionen konventioneller Nachbarn erlebte auch Hartmut Böhner, dessen Biobetrieb Kilianihof im nordrhein-westfälischen Lichtenau ebenfalls bereits Einträge von Pflanzenschutzmitteln hinnehmen und sich auf die Suche nach dem oder den Verursachern machen musste. Vorfälle wie dieser seien für den einzelnen Betrieb unter Umständen existenzbedrohend. Doch auch konventionelle Landwirte – ebenso wie die Hersteller von Agrarchemie – müssten ein Interesse daran haben, dass Pflanzenschutzmittel nicht ungewollt auf andere als dafür vorgesehene Flächen gelangen, ist Böhner überzeugt. Möglichkeiten, darauf einzuwirken, seien vorhanden. „Der Anwender hat großen Einfluss“, meint der Ökolandwirt. „Das größte Problem sind daher oft eher die ,Hobbylandwirte‘.“

 

Doch auch über das Einhalten der guten fachlichen Praxis hinaus müssten Methoden gefunden und verfeinert werden, Pflanzenschutzmittel effizient und ohne Beeinträchtigung ökologischer Flächen auszubringen, betonte Böhner, der über ein Projekt in seiner Heimatregion Paderborner Land berichtete, das genau diesen Ansatz verfolge. „Innovative Kräfte“ beider landwirtschaftlicher Produktionsrichtungen wollen sich dort zusammenschließen, um umweltschonende Anbaumethoden für konventionelle Betriebe zu entwickeln und zu erproben sowie Möglichkeiten zur Ertragssteigerung im Ökolandbau zu erforschen. 

 

Kritik an Plänen für neue Ökoverordnung

Dass man den Dialog suchen und einvernehmliche Lösungen finden müsse, hielt Gäa-Vorsitzende Cornelie Blumenschein am Ende der Diskussion als Fazit fest. Den Anbauverbänden obliege es, ein Bewusstsein für die Problemlage zu schaffen. Und dies nicht zuletzt mit Blick auf Pläne zur Totalrevision der EU-Ökoverordnung, die den Vorschlägen zufolge statt der üblichen Betrachtung des Ökolandbaus als Produktionsprozess künftig bestimmte Rückstandsgrenzwerte in den Erzeugnissen als Kriterium heranziehen könnte. „Das Kriterium Rückstandsfreiheit würde den  Biolandbau komplett ausbremsen“, verdeutlichte sie. Deshalb sei man auf politische Unterstützung angewiesen, um eine solche Entwicklung zu verhindern.

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