Neuer Vorstand des Landesverbandes Sächsisches Obst gewählt

04.04.2014

© Karsten Bär

Zur Wahl waren die Verbandsmitglieder in Dürrweitzschen aufgerufen. Auf den neuen Vorstand und den wiedergewählten Vorsitzenden Gerd Kalbitz warten einige Herausforderungen.

Eine Amtszeit absolviert er noch: Gerd Kalbitz, langjähriger Vorsitzender des Landesverbandes Sächsisches Obst, hat auf der Mitgliederversammlung in Dürrweitzschen erneut kandidiert und ist im Amt bestätigt worden. Die kommenden Jahre wolle er auch dazu nutzen, einen Nachfolger an die Funktion des Vorsitzenden heranzuführen, erklärte Kalbitz. Zur Seite stehen ihm als Stellvertreter Matthias Wedler, Wolfgang Kuhn (beide aus Sachsen) und Alexander Müller, der die Obstanbauer aus Sachsen-Anhalt repräsentiert.

Insgesamt gehören dem Vorstand zwölf gewählte Mitglieder, davon drei aus Sachsen-Anhalt, sowie Verbandsgeschäftsführer Udo Jentzsch an. Dass das Gremium angesichts von 86 Mitgliedern eine solche Stärke aufweist, hat gute Gründe, wie Geschäftsführer Jentzsch erklärt: „Unser Verband ist sehr breit aufgestellt, sowohl regional als auch von der Ausrichtung der Betriebe her. Dem wollen wir mit der Zusammensetzung des Vorstandes Rechnung tragen.“ Zumal die Erfordernisse auch das Mittun vieler erfordern. Darauf verwies Gerd Kalbitz: „Die Zeiten werden härter“, betonte der wiedergewählte Vorsitzende. „Daher ist es wichtig, möglichst viele in die berufsständische Arbeit einzubeziehen.“

Helfer aus Drittstaaten werden gebraucht

Zu den wichtigsten Herausforderungen zählen derzeit die Sicherung von Saisonarbeitskräften, der angekündigte Mindestlohn und die anstehenden Tarifverhandlungen mit der IG BAU. Zwar ist die Kontingentierung von Arbeitskräften aus den östlichen Mitgliedstaaten der EU aufgehoben, doch immer mehr gewinnen Saisonkräfte aus Drittstaaten an Bedeutung. Zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit benötige man Erntehelfer aus der Ukraine, Weißrussland, Russland und anderen Staaten, deren Einsatz in anderen EU-Ländern bereits gängige Praxis sei. Von der deutschen Politik fordere man, die EU-Regelungen für Saisonarbeitskräfte aus Drittländern zeitnah umzusetzen und entsprechende Abkommen mit Nicht-EU-Staaten zu treffen.

Über die Entlohnung der Erntehelfer wird auch während der Tarifverhandlungen zu sprechen sein, die der Landesverband Sächsisches Obst gemeinsam mit dem Gartenbauverband Sachsen führt. Beim Tariflohn sei zwischen Fachkräften und ungelernten Helfern zu unterscheiden. Für die Fachkräfte gelte, dass deren Entlohnung dazu beitragen muss, den Beruf des Gärtners attraktiv zu halten, zugleich aber die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe nicht einschränke.

Lohnkosten könnten drastisch steigen

In den Hintergrund treten könnten die Tarifverhandlungen durch die geplante Einführung eines Mindestlohns, so Kalbitz. Als Eingriff in die Tarifautonomie lehne man diesen grundsätzlich ab. Problematisch ist er vor allem in Bezug auf die Saisonarbeitskräfte. Würden diese den Mindestlohn von 8,50 Euro erhalten, stiegen die Produktionskosten überproportional an, was die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Obsterzeugung gegenüber der europäischen Konkurrenz erheblich verschlechtern würde. Er bat die Verbandsmitglieder, an ihnen bekannte Bundes- und Landtagsabgeordnete heranzutreten und sie für diese Situation zu sensibilisieren. Parallel dazu arbeite eine Arbeitsgruppe Lohn/Tarif im Vorstand an Lösungen, die Auswirkungen des Mindestlohnes für Saisonkräfte zu relativieren. Kalbitz nannte in diesem Zusammenhang bisher betrieblich „subventionierte“ Kosten für Unterkunft, Transport und Betreuung.

Als weitere Schwerpunkte der berufsständischen Arbeit im Vorstand gelten aktuell die Bemühungen, auch weiterhin durch wirksamen Pflanzenschutz die Qualität und Menge der Ernte zu erhalten. Hierzu seien auch die Betriebe aufgerufen, in den Dialog mit den Verbrauchern zu treten und sie auf die Notwendigkeit von Pflanzenschutzmitteln für gesundes und hochwertiges Obst aufmerksam zu machen. Im Zuge der neuen Förderperiode will sich der Landesverband dar­über hinaus in die Ausgestaltung der Förderprogramme für den ländlichen Raum in Sachsen und Sachsen-Anhalt einbringen. Ziel müsse es sein, die Investitionsförderung zu erhalten und die Agrarumweltmaßnahmen für den Obstbau zu erweitern.

Bescheidene Ernte im Vorjahr

Dem Landesverband Sächsisches Obst gehören 52 Erzeuger aus Sachsen und seit 2012 auch 35 Erzeuger aus Sachsen-Anhalt an. Im Vorjahr bewirtschafteten die Mitglieder insgesamt 4 766 ha Obstanbaufläche (-75 ha gegenüber 2012), das entspricht 83 % der gesamten Erwerbsobstbaufläche in beiden Bundesländern. Rund 400 ha werden ökologisch bewirtschaftet. Mit 2 979 ha Fläche (-70 ha) ist der Apfel die wichtigste Kultur. Das Ernteergebnis des Vorjahres war Gerd Kalbitz zufolge „nicht unbedingt Spitzenleistung“: Insgesamt ernteten die Verbandsmitglieder 102 980 t Obst (-21 889 t), davon 91 709 t Äpfel (-18 376 t).

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