Neue Pläne für das Rittergut Seifersdorf

10.09.2015

© Karsten Bär

Das Rittergut verfällt seit Jahren.

Das Western-Hotel wurde nicht gebaut. Auch der Lernbauernhof, der „biologisch verträglich“ das Gutsland bewirtschaften sollte, ging nie in Betrieb. Seit der Investor Anfang der 90er Jahre die Pläne zur Umgestaltung des Rittergutes Seifersdorf bekannt machte, ist dort – abgesehen vom Verkauf der zum Gut gehörenden Landwirtschaftsflächen – so gut wie nichts geschehen:  Statt Sanierung über zwei Jahrzehnte Stillstand. Eine Geschichte, wie sie sich nach der Wende vielfach im Osten Deutschlands zutrug und zuhauf Kommunalpolitiker und Bürger frustrierte.


Nun allerdings scheint wieder Bewegung in das Vorhaben zu kommen – doch darüber sind in Seifersdorf, einem Ortsteil der Gemeinde Wachau bei Radeberg, nicht mehr alle glücklich.


Auf dem Rittergutsgelände soll ein Wohngebiet mit Eigenheimen und Mehrgenerationenwohnanlage entstehen. Ein erster Planentwurf sah den Abriss großer Teile des historischen Gutskomplexes vor. Weiterhin sollten Teile des ehemaligen Küchengartens des Gutes bebaut werden – der Anblick des Ensembles aus Kirche, Gut und dem sich anschließenden Schloss mit seinem Park hätte sich extrem verändert. Was man beim Förderverein Seifersdorfer Schloss e. V. für Frevel hielte: „Das Gesicht des Ortes darf nicht verloren gehen!“, bringt Vereinsvorsitzender Günter Zeeh die Sorgen zum Ausdruck. Nicht zuletzt: Wie das heute in Gemeindebesitz befindliche Schloss sei auch das einst dazugehörende Rittergut teilweise nach Plänen des Baumeisters Karl-Friedrich Schinkel gebaut worden. So etwas reiße man nicht ab, sind Zeeh und andere Vereinsmitglieder überzeugt.


Während Bürgermeister und Gemeinderat das Vorhaben befürworteten, stießen die neuen Pläne, die vergangenes Jahr vorgestellt wurden, auch bei vielen Einwohnern auf Kritik. Ebenso wie beim Denkmalschutz. Als „Katastrophe“ bewerte Dr. Ralf-Peter Pinkwart, Gebietsreferent beim Landesamt für Denkmalpflege, den Bebauungsentwurf, über den man vor einem Jahr zu diskutieren begann. Das Areal wäre demnach  „lieblos“ mit kompakter Bebauung („Einfamilienhaus-Würfeln“) – verdichtet worden, sagte der Denkmalschützer vor einigen Wochen bei einer Einwohnerversammlung. Neuere Untersuchungen hätten zudem gerade bei den für den Abriss vorgesehenen Gebäudeteilen besondere Schutzwürdigkeit ans Licht gebracht. Ein zuletzt als Schweinestall genutztes Gebäude weise eine „phänomenale Gewölbekonstruktion“ auf, die als „Baukunstwerk“ anzusehen sei, schwärmte Pinkwart.   


Angesichts dieser Ausgangs­lage überraschte es Einwohner und Gemeinderäte erheblich, als während eben jener Einwohnerversammlung die überarbeiteten Baupläne vorgestellt wurden. „Ein intelligenter Kompromiss, kein fauler“, verlieh Pinkwart seiner Begeisterung über die Arbeit eines Radeberger Planungsbüros Ausdruck. Auf Grundlage historischer Karten soll demnach der Gutskomplex in seiner ursprünglichen Form als Dreiflügelanlage wiederentstehen, wobei man die zu erhaltenden Gebäudeteile vorsichtig durch Ersatzneubauten ergänzen will. Einfamilien- und Reihenhäuschen sollen in weitaus geringerer Dichte entstehen. Für die denkmalschützerisch „hochrangige Struktur in derzeit sehr schlechtem Zustand“ sei dies, wie es Pinkwart beschrieb, eine gelungene Lösung. Eine Ansicht, die nunmehr offenbar auch von vielen Einwohnern geteilt wird.


Zumal der Investor Gernot Glatz vor der Versammlung den langen Stillstand bedauerte und seinen festen Willen bekräftigte, dieses Projekt tatsächlich zu realisieren. Dass aus den Plänen von einst nichts geworden sei, habe Gründe: Ein Notarfehler habe Anfang der 90er Jahre seinem Unternehmen einen Millionenschaden zugefügt, eine Indiskretion habe danach dessen Bonität verschlechtert. Kurz nach der Schneider-Affäre seien die Banken extrem vorsichtig gewesen. „Wenn die Banken Ihnen kein Geld geben, sind Sie machtlos“, so der Immobilienunternehmer.


Mit Bankbürgschaften unterlegte Verträge zwischen Gemeinde und Eigentümer sollen die Realisierung der neuen Pläne einschließlich Sanierung des historischen Bestandes nun sicherstellen. Dennoch überwiegt im Umfeld des Fördervereins Seifersdorfer Schloss e. V. die Skepsis. Auch wenn die neuen Pläne das Areal weniger beeinflussen, würden sie doch das Ensemble Kirche, Schloss und Rittergut stark verändern und im Übrigen auch zu deutlich mehr Pkw-Verkehr führen, meint Günter Zeeh. Eine Nutzung des Rittergutes durch Vereine des Ortes und der Umgebung oder Ähnliches wäre aus seiner Sicht wünschenswerter. „Herr Glatz hat schon viel angekündigt“, zweifelt er zudem an der Sanierung der historischen Gutsgebäude. Er befürchtet, dass das alte Rittergut in den kommenden Jahren weiter verfällt.

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