Nebenerwerb

24.05.2013

Zora und ihre Töchter. Die Fleckviehkuh kalbte Ende April das erste Mal – und brachte gesunde Drillingskälber zur Welt. Der Vater ist ein Limousinbulle. © Karsten Bär

 

Was Zora davon hält, lässt sich nicht in Erfahrung bringen, aber für Christian Pohlers und seine Frau Ina ist es eine kleine Sensation. Als ihre junge Fleckviehkuh Ende April das erste Mal kalbte, verdoppelte sich schlagartig die Zahl der Kälber im Bestand der beiden Rinderhalter aus Reichenberg bei Moritzburg – Zora brachte drei gesunde Kälber zur Welt. „Nach dem zweiten Kalb wollte sie die Kleinen immer noch nicht ans Euter lassen“, erzählt Ina Pohlers, die bei der Abkalbung dabei war. Alsbald zeigte sich das dritte Kälbchen, dem die 28-Jährige schließlich doch noch etwas dabei half, auf die Welt zu kommen. „Die Mutter und die drei jungen Damen sind wohlauf“, freut sich Christian Pohlers. Dass die Geburt komplikationslos verlief, führt der Nebenerwerbslandwirt darauf zurück, dass Zora mit dem Sperma eines Limousinbullen besamt wurde. Der Vater heißt Hero und ist ein Bulle aus Masterrind-Bestand. „Wegen der Leichtkalbigkeit dieser Rasse haben wir Limousin eingekreuzt“, sagt Christian Pohlers. Schließlich wolle man möglichst reibungslose Geburten und dementsprechend weniger Aufwand.

Seit 2010 befasst sich der 29-Jährige mit der Haltung von Mutterkühen. Ursprünglich hatte er einen Industrieberuf erlernt, sich später allerdings mit einem Grünanlagenservice selbstständig gemacht, der auch landwirtschaftliche Dienstleistungen anbietet. Sein Faible für die Landwirtschaft ist schon familiär bedingt. Der Vater ist Landwirt und bei einer Agrargenossenschaft beschäftigt. Und auf dem Hof der Familie wird schon immer nebenbei Landwirtschaft betrieben. Ursprünglich bewirtschaftete Christian Pohlers die Fläche hinter dem Familienhof in Reichenberg, hielt dort unter anderem Pferde in Pension. „Aber seit in unmittelbarer Nähe ein Baugebiet entstand, war Landwirtschaft dort nicht mehr möglich“, erzählt er.

Ein Schlag Grünland außerhalb der Ortslage, das er von einem Verwandten bekam, bildete den Grundstock für seinen Nebenerwerbsbetrieb. Hinzu kamen gepachtete Flächen, sodass nunmehr 10 ha Grünland zur Verfügung stehen. Durch Flurtausch wurden die Flächen so zugeschnitten, dass sie gut zu bearbeiten und zu erreichen sind. Unweit der Straße und in Nähe des Ortseingangs befindet sich nun seine „Ranch“, wie Christian Pohlers die Festkoppel mit Unterstand für seine Rinder nennt. Ein Brunnen stellt die Wasserversorgung sicher, rings um die Festkoppel befinden sich die Weiden, die in Parzellen unterteilt sind. Auf den anderen Flächen erzeugt der Nebenerwerbslandwirt Heu und Heusilage. Ein Teil davon wird an Pferdehalter verkauft. Stroh und Kraftfutter kauft er bei benachbarten Landwirtschaftsbetrieben zu. Unterstützt bei der Pflege seiner Rinder wird Christian Pohlers von seiner Frau, einer gelernten Pferdewirtin und Fremdsprachenkorrespondentin, die mittlerweile an der TU Dresden beschäftigt ist.

Drei Kühe der Rasse Fleckvieh Fleisch, gekauft bei einem Züchter aus dem Erzgebirge, bildeten den Ausgangsbestand für den kleinen Nebenerwerbsbetrieb. Inzwischen zählt die Herde acht Kühe, unter ihnen auch drei der Rasse Limousin. Die Kühe lässt der Nebenerwerbslandwirt besamen, um, wie er sagt, „gute Genetik einzukreuzen“. Allerdings scheint ein Bullenkalb von diesem Jahr recht gute Aussichten zu haben, zum Deckbullen der Herde zu werden. „Er ist ein reinrassiger Fleckviehbulle und macht einen sehr guten Eindruck“, so Christian Pohlers.

Ina und Chrian PohlersBislang verkauft der Halter die Absetzer seiner kleinen Herde an Viehhändler. „Aber für den Absatz als Massenware sind sie eigentlich zu schade“, meint er, und seine Frau ergänzt: „Die Tiere werden bei uns quasi von Hand aufgezogen.“ Vorstellen könnten sich die beiden deshalb, die Tiere regional zu vermarkten. „Vielleicht findet sich ein Fleischer, der Interesse hat“, blickt Christian Pohlers in die Zukunft. Aber auch die Zucht wäre eventuell eine Option. Fest stehe allerdings noch nichts. Es werde sich schon zeigen, wohin sich sein Betrieb noch entwickeln wird.

Denn vorerst ist das junge Paar mit der Situation recht zufrieden. „Wir machen das in unserer Freizeit, und es macht uns Spaß“, sagt Ina Pohlers und fügt hinzu: „Die Tiere geben es einem wieder, wenn man sich gut um sie kümmert.“ Und das müssen sie derzeit besonders intensiv tun. Denn die Drillinge sind zwar gut von ihrer Mutter angenommen worden, für alle drei ist Zoras Milch dann aber doch etwas knapp bemessen. Also heißt es, mit der Flasche zuzufüttern. Doch diese Mühe nehmen Christian und Ina Pohlers gern auf sich.

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr