Naturschutzprojekt im Biosphärenreservat

24.05.2018

© Uwe Menschner

Im Frühjahr haben Emil, Gustav und Toni von den Jungen Ornithologen Bruthöhlen vorbereitet. Nun hoffen sie, dass der Wiedehopf „eingezogen“ ist.

Ein wenig kitschig sehe er schon aus, witzelt Jan Peper. Damit meint der Referatsleiter in der Verwaltung des Biosphärenreservates Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft den hölzernen Wiedehopf, den Naturwacht-Mitarbeiter Herbert Schnabel mitgebracht hat. Doch genau so stellt man sich als Laie den Vogel, welcher zur Vogelhochzeit „der Braut den Blumentopf“ bringt, vor: Orange-bräunliches Gefieder, ein langer schwarz-weißer Elsternschwanz und ein auffälliger, bogenförmiger Kamm auf dem Kopf.


Was das hölzerne Modell freilich nicht aussendet, ist der aufdringliche typische Wiedehopf-Geruch. „Es stimmt tatsächlich, dass diese Vögel in Bedrängnis ein übel riechendes Sekret ausstoßen, das lange anhaftet“, erklärt Jan Peper. Der Ausdruck „stinken wie ein Wiedehopf“ hat also durchaus einen wahren Hintergrund, wird dem intensiv gefärbten Vogel aber dennoch nicht gerecht. Denn: Trotz seiner Auffälligkeit macht sich der Höhlenbrüter rar. „Am ehesten kann man noch seinen charakteristischen Ruf hören. Er findet sich auch in der lateinischen Bezeichnung Upupa Epops wieder. Um den Wiedehopf zu sehen, braucht man viel Geduld und auch Glück.“ Und Marco Zischewski muss es wissen, ist er dem bunten Insektenfresser doch als Mitarbeiter der Vogelschutzwarte Neschwitz schon seit vielen Jahren auf der Spur. Insbesondere in der Bergbaufolgelandschaft zwischen Hoyerswerda und Weißwasser sowie auf früheren und aktiven Truppenübungsplätzen wurde er dabei fündig.


Und so weiß er auch, dass diese Vogelart zwar nicht akut vom Aussterben bedroht, aber doch im Rückzug begriffen ist: „Der Wiedehopf leidet unter dem Rückgang der Insekten, da auf seinem Speiseplan hauptsächlich Grillen, Raupen und Käfer stehen.“ Grasstreifen und bewachsene Feldränder, in denen der bunte Vogel seine Nahrung findet, gibt es in der „aufgeräumten“ Kulturlandschaft seltener.


Und so mussten die Verantwortlichen der Vogelschutzwarte und der Reservatsverwaltung auch nicht lange überlegen, als sie
vom Artenschutzprogramm der Allianz-Versicherungsgruppe hörten, die für mehrere ausgewählte Projekte deutschlandweit Mittel zur Verfügung stellt. „Für jeden Kunden, der vom Brief- auf den E-Mail-Schriftverkehr umsteigt, spendet die Allianz fünf Euro an eines von 18 Projekten“, erklärt Jan Peper. Deshalb wurden in den vergangenen Wochen in der gesamten Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft 40 Nisthöhlen, zumeist in alten Baumstämmen „versteckt“, aufgestellt.


Maßgeblich daran beteiligt waren die Junior-Ranger des Biosphärenreservates und die Jungen Ornithologen der Vogelschutzwarte Neschwitz. „Wir haben kleine Holzstöckchen druntergelegt, damit der Stamm nicht zu stark wackelt“, berichtet Toni Paetsch. Der Zehnjährige aus Lohsa war mit seinen Freunden Gustav und Emil Schröter vor Ort, um beim Aufstellen der Nisthöhle zu helfen. Und dabei kamen die Jungs ganz schön ins Schwitzen, galt es doch, den schweren Baumstamm auf einer Sackkarre den Berg hinauf zu bugsieren. Der Standort am Guttauer Eisenberg erfüllt die Voraussetzungen ideal: „Der Wiedehopf braucht eine trockene, offene Wiesenlandschaft, um sich erfolgreich fortzupflanzen“, wie Angelika Schröter von der ebenfalls beteiligten Naturschutzstation Neschwitz weiß. Nachdem die ersten Wiedehopfe in den vergangenen Wochen aus ihren Winterquartieren zurückkehrten, sollten die Höhlen Bewohner finden. Auch Toni, Gustav und Emil werden sich in die Spur begeben, um den Erfolg ihrer Bemühungen zu kontrollieren. Und dann hoffen sie, den Wiedehopf „in echt“ zu sehen – und nicht nur als „kitschiges“ Holzmodell.

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