Nachwuchs ist immer Thema

11.06.2014

© Carmen Rudolph

Nachwuchsgewinnung ist in der Agrargenossenschaft Beerendorf eG eine Daueraufgabe: Vorstandsvorsitzender Gerhard Schladitz (2. v. r.) und Udo Erdmann (r.) mit den Auszubildenden (v. l.) Karoline Kissing, Hannes Flohr und Sebastian Richter.

Unter einem akuten Arbeitskräftemangel leidet die Agrargenossenschaft Beerendorf eG eigentlich nicht. „Noch nicht“, präzisiert Vorstandsvorsitzender Gerhard Schladitz, denn die Fluktuation sei sehr gering. Doch das könnte in einigen Jahren schon ganz anders aussehen. „Das Durchschnittsalter liegt bei über 50 Jahren. Wir müssen also damit rechnen, dass über kurz oder lang auch gleich mal mehrere Mitarbeiter in den Ruhestand gehen“, sorgt sich der Leiter der Rinderproduktion Udo Erdmann. Deshalb bemühe sich der Agrarbetrieb seit Jahren um Kontinuität bei der Ausbildung, auch wenn nicht jeder nach Abschluss der Lehre übernommen werden kann. Aber ein Teil der jungen Leute bleibe ja in der Region und kehre dann vielleicht zu seinem Ausbildungsbetrieb zurück. Der Vorstandsvorsitzende sieht es noch umfassender: „Gerade konventionelle Landwirtschaftsbetriebe haben eine Verantwortung bei der Her­anbildung von qualifiziertem Nachwuchs“. Im Schnitt würden deshalb jedes Jahr ein bis zwei neue Auszubildende eine Lehre in der Genossenschaft beginnen. Dieses Engagement würdigte die Bundesagentur für Arbeit kürzlich mit einem Ausbildungszertifikat.

Der Agrarbetrieb mit 24 Beschäftigten bei Delitzsch im Nordwesten von Sachsen baut auf 1 400 ha Marktfrüchte und Futter an. Zum Bereich Tierproduktion gehören Ställe für 500 Milchkühe plus Nachzucht sowie ein moderner Karussell-melkstand. Außerdem betreibt die Genossenschaft eine 540-kW-Biogasanlage mit angeschlossenem Nahwärmenetz für 22 Einfamilienhäuser und erzeugt Sonnenstrom auf PV-Dachanlagen mit einer Gesamtleistung von 186 kWPeak.

Gegenwärtig absolvieren drei Jugendliche eine Ausbildung in dem Landwirtschaftsbetrieb. Von ihnen hat Sebastian Richter die Abschlussprüfung im Sommer bereits im Blick. Er ist im dritten Jahr der Ausbildung zum Tierwirt in der Fachrichtung Rinderhaltung. „Für einen Beruf mit Tieren habe ich mich schon recht früh entschieden. Und nach einem Praktikum im Kuhstall dachte ich mir, das ist das Richtige“, berichtet der 18-Jährige. Hier hatte Sebastian wohl einen guten Eindruck hinterlassen. Nach der Hauptschule bewarb er sich bei der Beerendorfer Genossenschaft und wurde angenommen. „Natürlich legen wir Wert auf gute Noten, vor allem in naturwissenschaftlichen Fächern. Aber der Schulabschluss ist eben nicht alles. Und im Fall von Sebastian lagen wir da auch richtig. Er hat sich gut entwickelt und wird den Abschluss schaffen“, ist sich Udo Erdmann sicher.

Dass die Ausbildung durchaus einiges abverlangt, weiß inzwischen auch Karoline Kissing. „Das macht man nicht mit links“, sagt die 18-Jährige, die nach der Realschule im September vergangenen Jahres eine Ausbildung zur Tierwirtin Rinderhaltung begann. „Ich habe als FÖJler (FÖJ: Freiwilliges Ökologisches Jahr – die Red.) im Lehr- und Versuchsgut Köllitsch in die Rinderproduktion reingeschnuppert, und das hat mir sehr gut gefallen“, erzählt sie. Arbeitsbeginn früh um 5 Uhr und dann auch noch Teilschicht, das sei schon eine Umstellung gewesen, räumt Karoline ein, die von ihrer Wohnung in Delitzsch-Ost etwa 15 Minuten mit dem Fahrrad zum Stall fährt. „Aber man gewöhnt sich dran“, sagt sie.

Hannes Flohr ist bei seiner Tätigkeit eher auf dem Acker oder in der Werkstatt anzutreffen. Der 19-Jährige im zweiten Jahr der Ausbildung zur Fachkraft für Agrarservice bestand vor Kurzem seine Zwischenprüfung. „Lief eigentlich ganz gut“, meint er schmunzelnd. Hannes verließ nach der 11. Klasse das Gymnasium, weil er lieber was Praktisches machen wollte. Den Tipp zum Einstieg in die Landwirtschaft habe ihm ein Kumpel gegeben. Auch Hannes absolvierte zunächst ein Praktikum in der Agrargenossenschaft, bevor er sich bewarb. Eine ordentliche Portion Theorie gehört natürlich auch bei dieser Berufsausbildung dazu. Die wird Hannes, wie den anderen Lehrlingen des Agrarbetriebes, in der Berufsschule in Wurzen vermittelt.

„Es ist nicht leicht, junge Leute für die Landwirtschaft zu gewinnen“, sagt Gerhard Schladitz. Deshalb sei die Nachwuchsgewinnung auf Hoffesten, bei Auftritten in der Schule oder dem Anbieten von Ferienarbeit und Praktika immer ein Thema. Als Werbung und Aufklärungsarbeit für den Beruf des Landwirts betrachtet der Vorstandsvorsitzende zudem das Abonnement der Zeitschrift AgrarKIDS, die die Mitarbeiter für ihre Kinder und Enkel mit nach Hause nehmen können. Angesichts sinkender Schülerzahlen geht er davon aus, dass die Nachwuchsgewinnung nicht leichter wird. „Für dieses Jahr haben wir jedenfalls noch keinen passenden Bewerber gefunden“, stellt der Landwirt fest.     



Wolfgang Rudolph


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