Nachhaltiger Bienenschutz im Dialog

03.12.2013

Foto: Wiegand Sturm

Honigbiene auf einer Blüte

Zwischen Imkern und Landwirten herrschen nicht immer freundschaftliche Gefühle. Die Imker sehen ihre Bienen durch Pflanzenschutzmittel gefährdet und halten die moderne konventionelle Landwirtschaft für wenigstens mitschuldig am viel beschriebenen Bienensterben. Die Landwirte hingegen sehen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt, verweisen auf eine Vielzahl an Vorschriften, die sie einhalten, und darauf, dass die von ihnen zur Absicherung der Erträge eingesetzten Mittel schließlich zugelassen sind. Auch wenn sich ebenso Beispiele für ein vorbildliches Miteinander finden lassen: Der Konflikt besteht, wird mitunter politisch instrumentalisiert – und führt manchmal auch zu zweifelhaften Entscheidungen, wie zuletzt das Aussetzen der Zulassung von drei neonikotinoiden Wirkstoffen in Pflanzenschutzmitteln.

Beide Seiten haben berechtigte Interessen. Und daher sei ein Dialog gefragt, „mit klarem Blick, aber ohne Schuldzuweisungen“, wie Dr. Eberhard Bröhl, Abteilungsleiter Pflanzliche Erzeugung im Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG), zu Beginn der Veranstaltung „Nachhaltiger Bienenschutz“  forderte.

Umsicht nötig


Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (PSM) unterliegt auch im Hinblick auf den Bienenschutz strengen Vorgaben, darüber informierte Ines Kristmann (LfULG). Bienengefährdende Mittel dürfen nur unter Auflagen, die eine Schädigung von Bienen ausschließen,  zur Anwendung kommen. Sie einzuhalten, ist auch im Interesse des Landwirts: Verstöße können mit empfindlichen Bußgeldern geahndet werden. Dennoch waltet nicht immer das nötig Maß an Umsicht, wie die anschließenden Ausführungen von Jens Pistorius vom Julius-Kühn-Institut Braunschweig (JKI) nahelegen. Anwendungsfehler, missachtete Bestimmungen, das Nichterkennen einer für Bienen attraktiven Tracht, Wirkstoffreste im Tank oder die Wechselwirkung von Wirkstoffen, die für sich allein nicht Bienen gefährdend wären, können Ursachen für PSM-bedingte Bienenvergiftungen sein.

Gleichwohl können PSM nicht als alleiniger Verursacher von Bienenschäden verantwortlich gemacht werden. „Sie sind ein Faktor, aber es gibt auch andere“, sagte Pistorius. Spreche man von „dem Bienensterben“ fallen darunter ebenso Winterverluste in den Völkern. Auch Parasiten, Viren, Milben, landwirtschaftliche Praktiken wie das Schlegeln von blühenden Flächen oder Fehler des Imkers können die Ursache sein. Daher sei eine differenziertere Betrachtungsweise ratsam. Beim begründeten Verdacht auf eine Vergiftung könne die beim JKI angesiedelte Untersuchungsstelle für Bienenverluste kontaktiert werden, die die Bienen und Pflanzenproben untersucht. Untersuchungen zeigten, dass auch toxische Stoffe, die nicht in PSM enthalten sind, zu Vergiftungen führten.

Kritisch bewertet Pistorius das Verfahren, dass zur Aussetzung der Zulassung von Neonicotinoiden führte, die unter anderem zur Beizung von Rapssaatgut Anwendung finden. In Kontakt kommen können Bienen mit den am Saatgut anhaftenden Stoffen durch Stäube, vor allem aber durch Guttation, also die Abgabe von Wassertropfen durch die Pflanze. Wie hoch bei Letzterem die Mengen an mit abgegebenen PSM-Wirkstoffen sind, sei von Kultur zu Kultur unterschiedlich und bei Raps deutlich geringer als bei Mais. Während das JKI die Anwendung von Neonikotinoid-Beizen als inakzeptabel ansieht, sei bei ihrer Anwendung bei Raps keine Gefahr für Bienen zu erwarten. Die Untersuchungsergebnisse aus Deutschland und anderen europäischen Staaten seien jedoch im Entscheidungsprozess auf europäischer Ebene nicht hinreichend durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit  EFSA einbezogen worden.  Er habe den Eindruck gewonnen, die Ergebnisse seien wie bei der „Stillen Post“ weitergegeben und dabei stets verändert worden. „Und die Wissenschaft wundert sich, was dann am Ende herauskommt“, sagte Pistorius, der selbst Imker ist und 40 Völker hält.

Als problematisch für den Bienenschutz sieht es der Wissenschaftler an, dass Landwirte zum Teil die Bienenattraktivität von Kulturen nicht erkennen. Das kann der Fall sein, wenn Unterwuchs blüht oder der von Blattläusen abgesonderte Honigtau Bienen anlockt. Hier sei Umsicht vonnöten. Den Landwirten sei ans Herz zu legen, die Bestimmungen zum Bienenschutz unbedingt einzuhalten. „Sonst nimmt man Ihnen die Wirkstoffe weg!“, warnte er. Seitens der Imker müsse jedoch auch mehr Rationalität gewahrt bleiben und Gesprächsbereitschaft herrschen. Eine differenzierte Betrachtung der Problematik sei wünschenswert, „ist anscheinend aber immer seltener möglich“, wie Pistorius bedauerte. Denn wenn sich Wirkstoffe in Untersuchungen als ungefährlich herausstellten, werde den Studien oft unterstellt, sie seien gekauft.

Rational diskutieren


Das Gespräch zu suchen ist auch der Ansatz der Agrargenossenschaft Radeburg, dessen Feldbauleiter Heiko Hennersdorf als einer von mehreren Praktikern von seinen Erfahrungen berichtete. Man suche den Kontakt zu Imkern, um Konfliktpotenzial zu entschärfen, erzählte er. Schwierig sei dies vor allem, da schwer herauszubekommen sei, wer Imkerei betreibe. Im Gespräch ließe sich jedoch vieles klären, manchmal gebe es nur Missverständnisse, die aus dem Weg zu räumen seien. Sein Betrieb sei sich der Verantwortung bewusst, informiere Imker, wenn Pflanzenschutzmaßnahmen bevorstehen und führe diese in der Regel zu Tageszeiten durch, in denen kein Bienenflug herrscht. Gefordert, sich zu informieren, seien jedoch auch die Imker. Heiko Hennersdorf merkte zudem an, dass die Landwirtschaft nur mit zugelassenen Mitteln arbeite, während im privaten Gebrauch teils auch nicht mehr zugelassene Mittel aus Altbeständen oder dem Ausland zum Einsatz kämen. Wie viele andere auch, sieht er die Entscheidung zu den Neonikotinoiden sehr kritisch: „Die Folge wird sein, dass wir im Keimblattstadium Insektizide einsetzen müssen“, sagte er.

 

Grünen greift Koalitionsvorschlag zu kurz


Dresden. Die Fraktionen von CDU und FDP haben im Landtag verschiedene Maßnahmen zum Erhalt des Lebensraumes für Bienen beantragt. So wird die Staatsregierung aufgefordert, in der neuen ELER-Förderperiode Blühstreifen zu fördern sowie durch Ansaatmaßnahmen auf Brachen, Grünflächen und an Straßenrändern Trachten für Bienen zu schaffen. Dem naturschutzpolitischen Sprecher der Grünen im Landtag, Johannes Lichdi, gehen die Vorschläge jedoch nicht weit genug. Von Blühstreifen könnten zwar auch Bienen profitieren, doch lägen die Gefahren in den Strukturen und der Praxis der Landwirtschaft. CDU-Agrar-Experte Andreas Heinz weist die Kritik Lichdis hingegen als „pauschalen Rundumschlag“ zurück. Man stehe in intensivem  Kontakt mit den Imkern und nehme deren Anregungen auf. Zahlreiche Maßnahmen unterstützten schon jetzt die Imker durch Schaffung von Trachtflächen.
Nach Auskunft des SMUL ist die Zahl der Bienenvölker in Sachsen von  2000 bis Ende 2012 um 14,2 % auf 37 684 Völker gestiegen.

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr