Mit Ruhe und Routine

23.07.2015

© Karsten Bär

In der Schäferei Hissung im nordsächsischen Last verglichen sechs Teilnehmer beim Landeshüten ihr Können. Unter ihnen auch Martin Winz aus Halle, der als Gasthüter antrat und das drittbeste Ergebnis erreichte.

Zwischen Damm und Elbe bot sich viel Platz, sowohl für Hunde und Herde als auch fürs interessierte Publikum. Landschaftlich hatte das Hütegelände bei Last, einem Ortsteil der nordsächsischen Gemeinde Beilrode, ebenfalls seinen Reiz, auch wenn die imposanten Bäume auf den Elbwiesen beim kürzlich durchgeführten Landeshütewettbewerb nach einem Unwetter Anfang Juli doch arg gerupft aussahen, zum Teil sogar vom Sturm gefällt worden waren. „Von diesen Pappeln haben  schon früher die Alten gesagt, dass sie die nur als alte Bäume kennen“, bedauerte Eckhard Hissung. Wie schon oft vorher hatte der Schäfermeister seine Flächen und eine 300 Tiere zählende Herde Schwarzköpfiger Fleischschafe für den Wettbewerb zur Verfügung gestellt. In anderen Jahren selbst als Hüter im Einsatz, begnügte er sich in diesem Jahr allerdings ausschließlich mit der Rolle des Gastgebers, die – nicht nur wegen des sturmbedingt erhöhten Vorbereitungsaufwands auf dem Gelände – ebenfalls Zeit und Energie bindet.

 

Drei Bundessieger dabei


Sechs Hüter stellten sich dieses Mal beim traditionellen Leistungswettbewerb des Sächsischen Schaf- und Ziegenzuchtverbandes (SSZV) dem Vergleich: Mit Schäfermeister Enrico Adler (Markneukirchen), Klaus Beggel (Bad Schmiedeberg), Michael Schulz (Eilenburg) und Winfried Weinhold (Riesa-Göhlis) allerdings nur vier, die tatsächlich aus Sachsen kommen oder wie der gebürtige Sachsen-Anhalter Klaus Beggel Mitglied des SSZV sind. Mit Herbert Kind aus dem thüringischen Königsee und Martin Winz aus Halle trat auch je ein Hüter aus den Nachbarländern Thüringen und Sachsen-Anhalt an. Mit dieser Besetzung konnte das Landeshüten gleich auf drei Teilnehmer  verweisen, die bereits auch Bundeshütewettbewerbe  gewonnen haben: Weinhold,
Kind und Winz können auf einen oder mehrere Titel des Bundessiegers bei Hütewettbewerben der Vereinigung Deutscher Landschafzuchtverbände (VDL), der Arbeitsgemeinschaft zur Zucht Altdeutscher Hütehunde (AAH)  oder des Vereins für Deutsche Schäferhunde (SV) verweisen. Seit Jahren zeigen die drei Alt-Meister kontinuierlich Leistungen und Erfolge. „Bei Bundeshütewettbewerben dabei waren allerdings bereits alle Teilnehmer des diesjährigen Landeshütens“, betont Hanno Franke, Zuchtleiter beim Sächsischen Schaf- und Ziegenzuchtverband. „Insofern war es auf jeden Fall ein hochklassiges Hüten.“


Gleichwohl konnte nicht jeder sein Leistungspotenzial voll ausschöpfen. „So ein Hüten ist immer auch formabhängig“, meint Franke. Und damit sei vor allem die Tagesform der Hunde gemeint. „Wenn die nicht wollen, dann wird auch nichts.“ Recht deutlich fiel der Bewertungsunterschied zwischen dem Ersten und den folgenden Plätzen aus: Der Thüringer Herbert Kind und seine Hunde Kelly und Olivia zeigten mit Ruhe und Routine eine tolle Leistung und erreichte 101,5 Punkte von 115 möglichen Zählern. „Das war ein Spitzenhüten“, befindet Hanno Franke, der selbst in der Richtkommission gemeinsam mit drei weiteren erfahrenen Schäfern die Leistungen bewertete.  Mit recht großem Abstand folgte Winfried Weinhold mit seinen Hunden Blanka und Cero auf Platz zwei. Der Riesaer Schäfermeister erhielt 86 Punkte – ein knapper Vorsprung vor dem Drittplatzierten, Martin Winz (85 Punkte) mit seinen Hunden Atze und Simpel. Als bester sächsischer Teilnehmer wird Winfried Weinhold am VDL-Bundeshüten teilnehmen, das am 12. und 13. September im hessischen Hüttenberg stattfindet.

 

Hüten braucht Praxis


Dass letztlich nur vier Teilnehmer des Wettbewerbs aus den eigenen Reihen kamen, zeige schon, dass die Zahl aktiver Hüter in Sachsen begrenzt sei, bestätigt Hanno Franke. Doch wer teilnehmen will, brauche Praxis und müsse regelmäßig hüten. „Wer viel Arbeit hat, findet dafür kaum Zeit“, sagt auch Detlef Rohrmann, Vorsitzender des SSZV. „Ein Hütehund muss ständig bewegt werden, alle vier Wochen mal zu hüten, das reicht nicht.“ Zudem hindern auch andere Umstände, wie Zuchtleiter Franke ergänzt.  In der Lausitz beispielsweise sei Hüten so gut wie nicht mehr möglich – wegen der dortigen Wolfsvorkommen stehen die Schafe stets hinter Elektrozäunen,  sind zudem in Gesellschaft von Herdenschutzhunden. Das mittlerweile in Sachsen seltener praktizierte Hüten führe auch dazu, dass sich die Zahl der möglichen Veranstaltungsorte für Hütewettbewerbe sehr beschränke. Durchführen könne man solche Leistungswettbewerbe nur mit Herden, die an das Hüten gewöhnt sind – dass man mit den Leistungshüten seit einigen Jahren ausschließlich zwischen Markneukirchen, Riesa-Göhlis, Sprotta und der Schäferei Hissung in Last rotiere, habe seinen Grund, so Franke. Umso mehr gebühre dem Gastgeber des diesjährigen Hütens ein herzlicher Dank für die bereitgestellte Fläche und Herde. Gleiches gelte für den Freistaat Sachsen, der die Tradition des Leistungshütens durch Förderung unterstützt.

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