Milchleistungsprüfung

23.05.2013

© Sabine Rübensaat

 

Auf der agra2013 wurde es per Unterschrift amtlich. Der Sächsische Landeskontrollverband (LKV) wird auch künftig die Milchleistungsprüfung (MLP) in Sachsen durchführen. Einen entsprechenden Vertrag unterzeichneten Vertreter des LKV und des Sächsischen Rinderzuchtverbandes (SRV) während der Mitteldeutschen Landwirtschaftsausstellung in Leipzig. „Beide Partner setzen auf Kontinuität und die weitere Nutzung vorhandener Strukturen“, so Ullrich Delling, Geschäftsführer des LKV. Nach dem neuen Tierzuchtgesetz verliert die MLP ab kommendem Jahr ihren Status als hoheitliche Aufgabe. Wie schon der Freistaat, setzt auch der SRV auf die Kompetenz des LKV bei der Milchleistungsprüfung.

 

Auf der Mitgliederversammlung des LKV in Lichtenwalde informierte Ullrich Delling offiziell über diese Nachricht, die zwar zu erwarten war, aber doch eine gute für den Verband ist. Denn die MLP ist das Kerngeschäft der Organisation. Im Vorjahr erzielte der LKV damit 2,691 Mio. Euro Umsatz, was der größte Einzelposten auf der Erlösseite ist.

Freistaat begrüßt die Vereinbarung

Und auch staatlicherseits sieht man die Fortsetzung der MLP durch den Lichtenwalder Verband mit Zufriedenheit, wie Dr. Lothar Beier auf der Tagung erklärte. „Es besteht unsererseits große Freude darüber, dass schon jetzt eine Vereinbarung zwischen Rinderzuchtverband und dem LKV getroffen wurde und somit die Arbeit in der gleichen Qualität fortgeführt wird“, so der Abteilungsleiter Tierische Erzeugung im sächsischen Agrarministerium. Zugleich machte er deutlich, dass der Freistaat bemüht sei, für eine Förderung der MLP zu sorgen. Die Leistungsprüfung an sich steht nicht mehr im Fokus staatlichen Interesses, wohl aber die Gesundheit und Robustheit landwirtschaftlicher Nutztiere, zu denen aus der MLP gewonnene Daten einen entscheidenden Beitrag leisten können.

Und dieser Aspekt soll künftig noch mehr Gewicht bekommen, wie Ullrich Delling in seinem Rechenschaftsbericht erläuterte. Aus den Milchproben können und sollen immer mehr Informationen gewonnen werden – zur Trächtigkeit, zur Tiergesundheit, zur Energiebilanz und vielem mehr. Die Leistungsprüfung sei „ein monatlicher Gesundheitscheck ohne Blutvergießen“, verdeutlichte der LKV-Geschäftsführer. Es komme nun darauf an, die Aussagekraft der MLP zu erhöhen und die Analytik als Mittel zur Managementhilfe auszubauen.

Management, Tiergesundheit und -tierwohl – diese Schlagworte beschäftigen den LKV immer mehr. „Tiergesundheitsmanagement heißt auch, Kosten zu senken“, warb Delling für die entsprechenden Dienstleistungen des LKV, die „unabhängig von Genetik und Züchter“ allen Landwirten und Zuchtverbänden angeboten würden. Als ein wichtiges Angebot gilt in diesem Zusammenhang die „Dateninformationsplattform Tier“ (DIT), die im Rahmen des „Zukunftsforums Veredlungsland“ gemeinsam mit Partnern aus den Zuchtverbänden, der Agrarverwaltung und wissenschaftlichen Einrichtungen entwickelt wurde. DIT berge ein „riesiges Potenzial“, konstatierte auch LKV-Vorsitzender Jan Gumpert, denn es offenbare den Betrieben, wo Reserven bestehen, die noch genutzt werden können.

Gute Entwicklung im ersten Halbjahr

Solche Reserven scheint es unter anderem bei der Robustheit der Milchkühe zu geben, wie Ullrich Delling anhand von Kennzahlen zu den Abgangsursachen verdeutlichte. Euterkrankheiten sind der häufigste Grund, warum Kühe aus dem Bestand gehen (19,5 %), gefolgt von Unfruchtbarkeit (18,8 %), Krankheiten der Klauen und Gliedmaßen (16,7 %) und Stoffwechselproblemen (10 %). Das Alter der gemerzten Tiere (4,9 Jahre) ist im Jahr 2012 gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken.

Immerhin: Die Durchschnittsleistung der sächsischen Kühe ist von 8.927 auf beachtliche 9.177 kg gestiegen, und auch beim Fett- und Eiweißgehalt legte man zu. In diesem Jahr scheint sich diese positive Entwicklung fortzusetzen: Ende März war gegenüber dem Vergleichszeitraum im vergangenen Jahr bereits eine Leistungssteigerung von 29 kg zu verzeichnen. Auf die Landkreise bezogen, war die Steigerung der Milchleistung im Erzgebirgskreis mit 90 kg am größten, Verluste waren im Vogtland zu registrieren (–40 kg). Mit bisher 4.753 kg liegt der Landkreis Meißen bei der Leistung erneut ganz vorn. „Meißen ist nun mal nicht zu schlagen“, kommentierte der LKV-Geschäftsführer.

Wirtschaftlich auf gesunden Füßen

Rückläufig ist weiterhin die Zahl der Betriebe in der MLP. Insgesamt sind mit 805 Betrieben 23 weniger in der Prüfung. Die Zahl der im ersten Halbjahr leistungsgeprüften Kühe liegt bei 181.942. „Der Strukturwandel in der Tierhaltung setzt sich fort“, so Ullrich Delling.

Wirtschaftlich steht der Landeskontrollverband auf gesunden Füßen. 2012 erwirtschaftete der Verband einen Jahresüberschuss in Höhe von 26.000 Euro, der in die Rücklagen überführt wurde. Zwar übersteigen die Aufwendungen die Erlöse des LKV, doch erhielt er Zuweisungen des Freistaates Sachsen in Höhe von 2,327 Mio. Euro. Die Eigenkapitalquote liege bei 89 %, wie Jan Gumpert erklärte. „Eine feine Sache“, so der LKV-Vorsitzende. „Das macht die wirtschaftliche Stabilität des Verbandes und seines Tochterunternehmens deutlich, die es uns erlaubt, uns mit ganzer Kraft den täglichen Aufgaben und Problemen zu widmen.“

Alltagsprobleme entstehen mitunter ganz neu: So wies Gumpert auf den Mehraufwand hin, der bei der MLP in Be­trieben mit Automatischen Melksystemen (AMS) entstehe. Würden bei konventionell melkenden Betrieben, die ein Herdenmanagementprogramm verwenden, zwei Minuten zur Verarbeitung der Daten benötigt, seien es bei AMS-Betrieben 18 Minuten. Dieses Problem betreffe nicht nur den LKV Sachsen und habe teils technische, teils mit einstellungsbedingte Ursachen. Mit diesem Problem müsse man sich dringend beschäftigen, um absehbare Konsequenzen zu vermeiden.

Jan Gumpert kündigte des Weiteren den anstehenden Wechsel auf dem Geschäftsführerposten an. Derzeit werde entschieden, wer die Geschäfte des LKV leitet, wenn Ullrich Delling im kommenden Jahr in den Ruhestand wechselt.

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