Mikroschadstoffe in Gewässern im Fokus

08.11.2018

Am 29. Oktober waren Vertreter des SLB unter Leitung von Präsident Wolfgang Vogel der Einladung in die Stadtentwässerung Dresden GmbH zu einem Dialogforum zwischen Land- und Wasserwirtschaft gefolgt. Es ging um die Frage der Mikroschadstoffbelastung, also die Belastung mit ­alltäglichen Substanzen wie Medikamenten und Chemikalien aller Art im Abwasser. Diese können mittlerweile durch verfeinerte Analysetechniken und -methoden auch in den heimischen Gewässern nachgewiesen werden. Die Belastungen liegen im Nano- bis Mikrogrammbereich pro Liter. Dennoch können sie zu Schäden in der Umwelt führen und für die menschliche Gesundheit gefährlich werden.

 

Dazu wurde Anfang 2016 von der Stadtentwässerung Dresden das Forschungsprojekt „Mikro-Modell“ ins Leben gerufen. Finanziert wird das Projekt durch die Deutsche Bundesumweltstiftung (DBU), das Sächsische Staats­ministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) und die Gelsenwasser AG. Ein Team aus ­Hydrobiologen, Wasserchemikern, Ökotoxikologen, Abwasserfachleuten, Medizinern, Ökonomen und Juristen wurde eigens für das Projekt zusammengestellt. Unter Leitung der Technischen Universität ­Dresden untersucht das Team die Oberflächengewässer von Elbe, Chemnitz, Mulde und Weißer ­Elster.

 

Die große Frage, die dieses Projekt beantworten will, ist: Wie kann der Eintrag von Mikroschadstoffen verhindert oder zumindest reduziert werden? Ein wichtiger Bestandteil der Antwort ist die transparente und zielgruppen­orientierte Öffentlichkeitsarbeit, um Bürger und Institutionen für das Thema zu sensibilisieren. Bei dem mittlerweile dritten Dialogforum ging es spezifisch darum, wie die Landwirtschaft ihren Arzneimitteleinsatz weiter reduzieren kann. Dazu hielten verschiedene Referenten Vorträge, und jeder Anwesende aus verschiedenen Bereichen konnte seinen Standpunkt erläutern. Schon nach kurzer Zeit kristallisierte sich heraus, dass es doch schwieriger ist als zunächst angenommen, da hier auch ein Konflikt zwischen Umwelt und Tierschutz entsteht. Die Landwirtschaft hat in den letzten Jahren ihren Antibiotikaeinsatz nachweislich um mehr als 50 % gesenkt. Weitere Reduzierungen würden zu problematischen Verhältnissen in der Tierhaltung führen oder gegebenenfalls den Einsatz anderer Medikamente zur Folge haben, die dann die Antibiotika zwar ersetzten, jedoch ihrerseits Belastungen verursachen. Eines der wichtigsten Anliegen der Bauernverbandsvertreter war es, mögliche künftige staatliche Vorgaben zur Senkung der Mikroschadstoffe im Abwasser und in Gewässern auf EU-Ebene zu fixieren. Die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirte dürfe davon nicht beeinträchtigt werden. Längst überfällig ist aus Sicht der Landwirte auch eine Vorgabe der EU zur verpflichtenden Nachweisführung über Antibiotikaanwendungen und -ausgaben in der Humanmedizin. Bisherige Angaben aus der Humanmedizin beruhen lediglich auf Schätzungen bzw. Hochrechnungen. In der Veterinärmedizin ist dies jedoch schon seit Jahren Pflicht, woraus sehr genaue Angaben über den Antibiotikaeinsatz bei landwirtschaftlichen Nutztieren abgeleitet werden können. Zudem ist die Reduzierung der Belastungen von grenzüberschreitenden Fließgewässern ohnehin eine gesamteuropäische Aufgabe, da staatsübergreifend Hand in Hand gearbeitet werden muss.

 

Abschließend wurden weitere Treffen vereinbart, um auch für die Landwirtschaft praktikable Lösungsvorschläge unter Mitwirkung des SLB zu entwickeln.

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