Mehr Schwarzwildstrecke gefordert

22.01.2018

© Sabine Rübensaat

Joachim Häntsch fand drastische Worte: Der „Super-Gau“ wäre es, würde die Afrikanische Schweinepest (ASP) in Sachsen auftreten. Wobei sich der Vorstandsvorsitzende der Berthelsdorfer Agrargenossenschaft und Vorsitzende des Bauernverbandes Oberlausitz keine Sorgen um die 400 Zuchtsauen in seinem Betrieb macht. „Unsere Anlagen sind biosicher“, meint er. Die Haltungsanlagen in Sachsen seien gut geschützt. Doch für den Markt hätte die hochansteckende ASP in Deutschland fatale Folgen. Denn der Export würde komplett einbrechen, viele Verbraucher im Inland würden vermutlich ihr Konsumverhalten ändern.


Die ASP rückt näher. Und  mit ihr die Gefahr. Der SLB nutzte seine Pressekonferenz zum Jahresauftakt, die wie immer in Limbach-Oberfrohna im Anschluss an die Verbandsklausur stattfand, um auf die Situation und die drohenden Gefahren aufmerksam zu machen. Die Seuche trete vermehrt in Osteuropa auf, erklärte Juliane Bergmann, Referentin für Tierische Erzeugung beim SLB. Beim fachlich zuständigen Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) gehe man davon aus, dass in Polen eine Ausbruchswelle bevorstehe. Gemeinsam mit der Jägerschaft habe sich der SLB für Präventivmaßnahmen stark gemacht, unter anderem für Erleichterungen der Bejagung von Schwarzwild, um die Ausbreitung der Seuche zu erschweren. Dass das sächsische Sozialministerium seit Jahresbeginn die Gebühren für die Trichinenuntersuchung geschossenen Schwarzwilds übernimmt, werte sie als ersten Erfolg dieser Bemühungen des Berufsstandes und seiner Partner aus der Jägerschaft.


Doch weitere Schritte seien nötig. Im Falle des Auftretens der ASP bei Wildschweinen würde das Fleisch geschlachteter Hausschweine – obwohl es einwandfrei ist – speziell gekennzeichnet. Dies führe dazu, dass dieses Fleisch vom Handel nicht abgenommen wird. Hier hoffe man auf politische Lösungen.


SLB-Präsident Wolfgang Vogel sieht derzeit die Hauptaufgabe in einer präventiven drastischen Reduzierung der Schwarzwildbestände. Doch dieses  Ansinnen sei „schier unlösbar“. Um die Zielgröße einer Strecke von rund 85.000 Stück Schwarzwild zu erreichen, müsse man – wie politisch bereits angekündigt – gesetzliche Erleichterungen bei der Wildschweinjagd ermöglichen und darüber hin­aus die Jäger für den zusätzlichen Aufwand vergüten.


SLB-Geschäftsführer Manfred Uhlemann verwies auf die auch seitens des FLI mit Anerkennung bedachten Maßnahmen, die in Tschechien nach Auftreten der Seuche unter Schwarzwild ergriffen wurden, wo ein betroffenes Gebiet komplett eingezäunt wurde. Um die Einschleppung aus Osteuropa nach Deutschland zu verhindern, habe eine Arbeitsgruppe unter Leitung des Sozialministeriums einen Maßnahmenplan erarbeitet. Da das Virus nicht zuletzt durch kontaminierte Nahrungsmittel verbreitet wird, sind unter anderem an Autobahnraststätten Einzäunungen vorgenommen und Abfallkübel „wildschweinsicher“ gemacht worden. Zudem gibt es mehrsprachige Hinweise, dass Lebensmittel nicht weggeworfen werden dürfen. Man appelliere hier an die Eigenverantwortung jedes Einzelnen, insbesondere im Fernverkehr. Ein Risiko bleibe dennoch bestehen.

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr