Mahnfeuer gegen Ausbreitung des Wolfes

17.05.2017

© Uwe Menschner

Mit einem Mahnfeuer protestierten Schafhalter aus Sachsen und ihre Sympathisanten in Radibor gegen die ungehinderte Ausbreitung des Wolfes.

Deutschlands Schaf- und Ziegenhalter fürchten um die Zukunft ihres Berufsstandes. Deshalb riefen der Förderverein der Deutschen Schafhaltung e. V. und die Weidetierhalter Nordost-Niedersachen zu „Mahn- und Solidarfeuern gegen die uneingeschränkte Ausbreitung der Wölfe“ in mehreren Bundesländern auf.


Auch in Sachsen fanden sich etwa 50 Weidetierhalter und Sympathisanten zu dieser Aktion zusammen, und zwar am Inselteich in Radibor (Landkreis Bautzen). Die Organisation lag hier in den Händen von Carola Tuschmo aus Zescha (Gemeinde Neschwitz), die selbst schon mehrere Schafe durch Wolfsangriffe verloren hat. „Wir haben alle eingeladen, die mit diesem Thema in Berührung stehen – neben den Betroffenen auch die Befürworter der Wolfsausbreitung“, erklärt sie. Allerdings habe es von dieser Seite keine Rückmeldung gegeben. Man suche weiterhin den Dialog, betont Carola Tuschmo. Anliegen sei es nicht, den Wolf komplett zu vertreiben oder gar „auszurotten“, jedoch: „Die Vielfalt unserer Kulturlandschaft muss erhalten bleiben, und dazu braucht es die Weidetierhalter und ihre Tiere – und zwar lebendig.“ Der Konflikt zwischen dem Artenschutz des Wolfes und der Landschaftspflege mit landwirtschaftlichen Nutztieren müsse gelöst werden, aber nicht auf dem Rücken der Letzteren.


Aus dem benachbarten Großdubrau war Lutz Mörbe angereist, um seine Solidarität mit den Schafzüchtern zu zeigen. „Ich spüre selbst als Jäger mit einem Wolfsrudel im Revier die Auswirkungen“, berichtete er. Hätten die Abschusspläne früher bei 18 Stück Rehwild gelegen, so seien es jetzt noch gerade mal zwei oder drei. Das Schwarzwild rotte sich zusammen und verursache massive Schäden. Andererseits hätten die Landwirte gewisse Erwartungen an die Jäger, die diese nicht mehr erfüllen könnten: „Wir sind dann die Sündenböcke.“


Friedrich Noltenius aus Lichtenberg bei Pulsnitz betreibt eine Internetseite unter dem Motto „Wolf und Naturschutz aus anderer Sicht“ und fand sich ebenfalls in Radibor ein. „Leider gibt es in Deutschland nur wenig fundiertes Wissen über den Wolf“, meinte er und fragte rhetorisch: „Wollen wir wirklich unsere gesamte Landschaft mit Draht verrammeln, um die Schafe zu schützen? Das hat mit Naturschutz nichts mehr zu tun.“ Auch der Bautzener Landrat Michael Harig war an diesem Abend an den Radiborer Inselteich gekommen: „Es ist bekannt, dass ich dem Artenschutz für den Wolf ohne Rücksicht auf Verluste kritisch gegenüberstehe. Ich habe Sorge, dass viele Nutztierhalter ihre Betriebe aufgeben. Es geht nicht gegen den Wolf, sondern um eine Minimierung der Konflikte in Siedlungen und mit der Nutztierhaltung.“

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