Landesarbeitskreis "Milchviehhaltung" gegründet

05.05.2014

© Karsten Bär

Erfolgreiche Milchviehhaltung bedingt immer komplexeren Fachverstand. Der Landesarbeitskreis will zur Vermittlung des nötigen Wissens beitragen.

Dr. Steinhöfel, vor wenigen Wochen wurde in Nossen der Landesarbeitskreis „Milchviehhaltung im Freistaat Sachsen“ gegründet. Auf wessen Initiative kam es dazu?
Der Landesarbeitskreis „Milchviehhaltung“ ist der letzte von vorerst fünf Arbeitskreisen, die auf Anregung des sächsischen Fachbeirates Tierische Erzeugung eingerichtet wurden. Der Landesarbeitskreis „Futter und Fütterung“ existiert bereits seit 20 Jahren. In der jüngeren Vergangenheit wurden inzwischen auch entsprechende Gremien für Schweine, Geflügel und Schafe gebildet.

Es gibt das – sicher etwas zynische – geflügelte Wort über den Arbeitskreis, den man gründet, wenn man nicht mehr weiter weiß. Sind die Milchviehhalter an diesem Punkt? Wissen sie nicht mehr weiter?

Jeder Betrieb für sich weiß aktuell sicher noch weiter. Aber der nötige Fachverstand wird immer komplexer. In allen Einrichtungen, vor allem den staatlichen, wird der Gürtel enger geschnallt. Man beschränkt sich auf Kernkompetenzen, fährt wichtige Aufgabenfelder beispielsweise in der angewandten Forschung zurück. Das hat sicher nachvollziehbare Gründe, aber daraus resultiert auch die Gefahr, dass in der Praxis Wissen durch Halbwissen ersetzt wird. Was wiederum von einigen Akteuren unbarmherzig für den eigenen Wett­bewerbsvorteil ausgenutzt werden kann. Deshalb brauchen wir einen neutralen Gegenpol. Der Arbeitskreis versucht die Fachexpertise zur Milcherzeugung aus Landesbehörden, Fachverbänden, Beratung und Organisationen sowie Wissenschaft und Praxis im Freistaat zusammenzuführen. Durch diese Symbiose sollen fachliche Probleme schneller identifiziert und Lösungen gemeinsam beraten und diskutiert werden. Ein weiteres Feld ist das Aus­loten von Möglichkeiten des Wissenstransfers, welcher in der kommenden Förderperiode durchaus interessante finanzielle Unterstützung erfährt.

Wie wird das Gremium arbeiten?
Der Kreis wird sich jährlich zwei Mal zu Beratungen treffen. Wir wollen aber keine Informationsplattform sein, wo einer spricht und 35 – so viele sind wir aktuell –, hören zu. Alle sollen sprechen und auch von den Beratungen profitieren. Wir reden auch nicht über einzelbetriebliche Probleme, sondern suchen nach einer gesamtgültigen Sicht auf die aktuellen Probleme und Fragestellungen. Und wir wollen keine Plattform für Meckern und Lobbyarbeit bieten, sondern ehrlich und kollegial gemeinsame Lösungen suchen. Die Facharbeit steht im Vordergrund. Am Beginn jeder Beratung soll die gemeinsame Situationsbewertung der sächsischen Milcherzeugung stehen, zu der sich jeder aus seiner Sicht äußern soll, ja äußern muss. Die strittigen Punkte sollen anschließend gemeinsam diskutiert und, wenn man sich einigt, auch veröffentlicht werden. Hier bietet der Kreis auch allen Akteuren und Landwirten der sächsischen Milchviehhaltung an, Fragen an den Kreis zu richten. Weiterhin werden Konzepte und Ergebnisse der angewandten Forschung vorgestellt. Wichtiger Punkt dabei ist die Umsetzung in Beratungsempfehlung für praktisches Handeln. Auch ein Thema des Landesarbeitskreises ist der fachliche Wissens-transfer und die Abstimmung zu Veranstaltungsinhalten, wie z. B. dem Sächsischen Milchrindtag.

Dr. Olaf Steinhöfel ist Referatsleiter „Tierhaltung, Tierfütterung“ im Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Er koordiniert die Arbeitskreise „Futter und Fütterung“ sowie „Milchviehhaltung“.






Haben Sie schon fachliche Themen identifiziert, die Sie aktuell angehen wollen?

Wir haben uns vor drei Wochen zusammengefunden und gegründet. Sicher war dieser erste Beratungstag geprägt von Vorstellung und Diskussion zur Zielstellung und Arbeitsweise. Aber natürlich blieben Fachgespräche nicht aus. Die Problematik Tierwohl steht dabei ganz oben. Zum Beispiel wurde das Thema Schlachtung tragender Kühe oder die Enthornung von Kälbern sehr emotional diskutiert. Ein Dauerbrenner sind die Klauengesundheit und Möglichkeiten sowie Grenzen hier erfolgreich prophylaktisch zu arbeiten. Die Kontrolle der Paratuberkulose und produktionstechnische Maßnahmen zur  Minimierung des Antibiotikaeinsatzes wurden angesprochen. Letzteres wurde auch als Thema für den nächsten Milchrindtag vorgeschlagen. Und nicht zuletzt wurde das Thema Stickstoff sparende Fütterung von Milchrindern, welches aus Zeitgründen zur ersten Beratung ausfiel, für so wichtig erklärt, dass es in der Herbstberatung ins Programm kommt.

Wer sind die Mitglieder des Arbeitskreises?
Im Kreis sind Fachreferenten und Fachschullehrer des Landesamtes, Professoren der Veterinärfakultät Leipzig, der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Pillnitz und der Berufsakademie Dresden, Geschäftsführer und Mitarbeiter des Landeskontrollverbandes, der Masterrind GmbH und der Sächsischen Tierseuchenkasse, Vertreter der Beratungsfirmen IAK und KuhPlan und 13 Geschäftsführer führender sächsischer Milchviehbetriebe. Wer auf eigenen Antrag oder auf Vorschlag zukünftig in den Kreis aufgenommen werden soll, wird in den Beratungen gemeinschaftlich entschieden.

Das Gespräch führte Karsten Bär


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