Jubiläumsfeier des SLB in Leipzig

15.04.2016

© SLB

Chronist des Verbandes. Nicht nur für die Erstellung der SLB-Chronik anlässlich des Jubiläums wurde Dr. Manfred Böhm (3. v. l.) auf der Festveranstaltung mit der Thomas-Müntzer-Medaille geehrt. Die Präsidenten Vogel und Rukwied gratulierten ebenso wie Milchkönigin, Erntekönigin und Milchprinzessin.

In der Kongresshalle am Zoo in Leipzig begingen vergangene Woche Mittwoch rund 300 Mitglieder und Gäste das 25-jährige Verbandsbestehen des Sächsischen Landesbauernverbandes (SLB). Unter den Gästen waren auch der Sächsische Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft, Thomas Schmidt, und der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied.
Am Vormittag vor dem eigentlichen Festakt legte der Präsident des SLB, Wolfgang Vogel, der Landesversammlung den Tätigkeitsbericht des Vorstandes und des Präsidiums zur Diskussion und Beschlussfassung vor.

 

Vielfach für Interessen der Bauern eingetreten


Der Präsident verwies auf zahlreiche Initiativen, mit denen sich der SLB im vergangenen Jahr in die agrarpolitische Debatte eingeschaltet hatte.  Vogel betonte, dass er auf dem Deutschen Bauerntag in Erfurt als Erster zu den Auswirkungen des Russlandembargos sprach und von öffentlicher Seite Hilfe für die betroffenen Erzeuger anmahnte. Positionen und Forderungen des Berufsstandes wurden auch in mehreren Treffen Bundes- und Landtagsabgeordneten verschiedener Parteien verdeutlicht. Unter anderem wurde hierbei auf die sich immer weiter verschärfende Erlössituation in der Landwirtschaft hingewiesen und auf schnelle Hilfen gedrängt. Teils sehr irritierende Berichterstattungen über die Landwirtschaft waren der Hintergrund eines Gespräches mit MDR-Intendantin Prof. Dr. Karola Wille. In einer Anhörung vor dem Agrarausschuss des Landtages zur Bodenmarktpolitik äußerte der SLB Kritik an der Verfahrensweise des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement und forderte ein Gegensteuern. Auch den Weg auf die Straße wählte der Verband, um den Forderungen der Bauern Gehör zu verschaffen: am 7. September in Brüssel, am 16. Januar zur Internationalen Grünen Woche in Berlin und am 23. März in Dresden, Leipzig, Chemnitz, Bautzen und Annaberg-Buchholz. Weiterhin traten SLB-Vertreter vehement für einen Lebensmittelgipfel ein. Die Liste der Aktionen ließe sich weiter fortsetzen.


Sachsens Bauernpräsident übte darüber hinaus in seiner Rede scharfe Kritik an geplanten Regelungen der neuen Düngeverordnung (DüV), am Lebensmitteleinzelhandel, der seine Margen erhöhe und die sächsischen Tierhalter ruiniere, sowie an der Haltung einzelner Handelsunternehmen zur überzeichneten Initiative Tierwohl, durch die eine Aufstockung  der Mittel für weitere teilnahmewillige Landwirte verhindert wird. Vogel sprach zudem über den bislang noch unklaren Umgang mit den Alternativen zur Ferkelkastration, über die erforderliche Aussteuerung bei den in Sachsen angebotenen Agrarumweltmaßnahmen und die aus Verbandssicht ungerechte Gewässerunterhaltungsabgabe, die derzeit im Zweckverband Parthenaue bei Leipzig in einem Pilotvorhaben erhoben wird.

 

Erstaufführung des gelungenen Imagefilms


Der feierliche Festakt zum Jubiläum startete mit der Erstaufführung eines Imagefilmes über die Landwirtschaft in Sachsen. Im Eilverfahren ist es dem SLB gelungen, diesen anschaulichen Film pünktlich zum Jubiläum produzieren zu lassen. Der Film wurde durch den Freistaat gefördert. Er ist auf der Internetseite des SLB zu sehen und soll öffentlichen Stellen für Politik, Wirtschaft und Bildung zur Information über die sächsische Landwirtschaft und ihre Produkte zur Verfügung stehen.


In einem kurzweiligen Schlagabtausch mit Moderator Silvio Zschage (MDR) ließ der SLB-Präsident anschließend die turbulenten Anfangsjahre des SLB nach der politischen Wende Revue passieren und würdigte insbesondere das ehrenamtliche Engagement der Verbandsmitglieder. Wertvolle Hilfe habe der Deutsche Bauernverband (DBV) gegeben. Insbesondere wäre ohne Freiherr von Heereman das Zusammenfinden der west- und ostdeutschen Verbände nicht so erfolgreich verlaufen. Als Personen, die wichtige Impulse in den ersten Jahren gaben, nannte Vogel auch den Ministerpräsidenten a. D. Kurt Biedenkopf, Sachsens ersten Agrarminister Rolf Jähnichen und Staatssekretär a. D. Hermann Kroll- Schlüter. Heute sei der SLB ein verlässlicher Streiter für die Belange der Landwirte, ein kritischer Begleiter der Politik und ein angesehenes Mitglied in der Familie der Landesbauernverbände unter dem Dach des DBV.


DBV-Präsident Joachim Rukwied betonte in seiner Rede, der SLB habe mit dazu beigetragen, dass sich die Landwirtschaft in Sachsen nach der Wende so wettbewerbsfähig aufstellen konnte. Als aktuelle Herausforderungen kennzeichnete er neben der bedrohlichen Preissituation die oft unsachlichen Diskussionen über die Landwirtschaft in der Öffentlichkeit, überbordende Auflagen und Bürokratie und die zunehmende Konzentration von Marktmacht in der Hand einzelner Handelsketten, die durch die Ministererlaubnis Sigmar Gabriels zur Übernahme der Kaiser´s Tengelmann GmbH durch Edeka noch weiter verschärft würde. Um dem Dumping bei den Erzeugerpreisen entgegenzuwirken sei es an der Zeit, erzeugerseitig mehr Marktmacht aufzubauen. Zudem bedürfe es intelligenter Regulierungssysteme auf der Ebene der einzelnen Molkereien, mit denen besser auf sich verändernde Marktlagen reagiert werden kann.

 

Viel Arbeit in die Chronik gesteckt


Die Rolle des SLB als berufsständischer Vertretung der Landwirtschaft würdigte auch Sachsens Agrarminister Thomas Schmidt, der ebenfalls auf die Rolle des Verbandes bei der Transformation der Landwirtschaft nach der Wende verwies. Besorgt äußerte sich der Minister über die Preiskrise, zu deren Behebung der Freistaat im Rahmen der Möglichkeiten Vorschläge gemacht und Maßnahmen eingeleitet habe, sowie über die zunehmend von fachlicher Unkenntnis geprägte Diskussion.


Vorgestellt wurde im Rahmen der Festveranstaltung die anlässlich des Jubiläums herausgegebene Chronik des SLB, die in monatelanger Arbeit vom langjährigen Pressesprecher des Verbandes, Dr. Manfred Böhm, erstellt wurde. Detailreich und mit vielen Bildern versehen gibt das Werk einen tiefen Einblick in die Anfänge und die weitere Entwicklung des SLB bis zum heutigen Tag.


Die Geburtsstunde des Sächsischen Landesbauernverbandes in seiner heutigen Form war das Treffen von Vertretern des Sächsischen Bauernverbandes e. V. (SBV) und des Verbandes Landwirtschaftlicher Unternehmen (VLU) zur Gründungsversammlung am 6. April 1991 in Krögis bei Meißen. Dort wurden der Fusionsvertrag und die Satzung beschlossen, der Vorstand gewählt und somit die Grundlagen für die erfolgreiche berufsständische Arbeit gelegt, die seit 25 Jahren für Sachsens Bauern geleistet wird.

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