Jäger müssen Wahl verschieben

26.04.2016

Auf Sachsens Landesjägertag vergangenen Sonnabend (23. April) in Freital stand die Wahl eines neuen Präsidenten für den Landesjagdverband (LJV) zwar auf der Tagesordnung  – doch ein Nachfolger für Dr. Gerd Dittrich, der im vergangenen Herbst aus gesundheitlichen Gründen sein Amt niedergelegt hatte, konnte nicht wie geplant gekürt werden. „Aufgrund eines formalen Fehlers war die Versammlung nicht beschlussfähig“, erklärt Jan-Walter Heikes, Geschäftsführer des LJV. Deshalb werde man die notwendige Wahl des Präsidenten und eines weiteren Präsidiumsmitglieds sowie  alle weiteren Beschlussfassungen bei einer neu einzuberufenden Versammlung durchführen. Zu dieser würden die Delegierten mit achtwöchiger Vorlaufzeit wahrscheinlich nach der Sommerpause eingeladen, so der Verbandsgeschäftsführer.

 

Rotwild-Streit „etwas eskaliert“

 

Ungeachtet der nicht gegebenen Beschlussfähigkeit waren die Delegierten nicht umsonst nach Freital gekommen. Neben einem Blick auf das zurückliegende Verbandsjahr wurden aktuelle Schwerpunkte diskutiert, die den LJV sowie das jagdliche Geschehen in Sachsen betreffen. Hierbei seien besonders zwei Schwerpunkte zu erwähnen, wie Heikes verdeutlicht: die Diskussion um die Rotwildbestände im Erzgebirge und der Wolf in Ostsachsen.

 

Hinsichtlich der Rotwildbestände stünden sich in der Frage, wie viel Wild man „sich leisten“ könne, gegensätzliche Ansichten gegenüber. Seitens des Staatsbetriebes Sachenforst sehe man die Bestände an Rotwild als zu hoch an, um den Waldumbau erfolgreich voranzubringen. Jäger wiederum betrachten den verordneten Jagddruck als Gefährdung für den Bestand der Art. Die Auseinandersetzung sei „etwas eskaliert“, so Heikes. Man rede inzwischen mehr über- als miteinander. Der LJV versuche, über Staatsregierung und Landtag das Gespräch wieder aufzunehmen.

 

Die Fokussierung des Sachsenforstes auf die Bejagung von Rot- und Rehwild sei auch für die Landwirtschaft nicht zielführend, ist der LJV-Geschäftsführer überzeugt. Denn auf diese Weise werde das Schwarzwild vernachlässigt, dessen bessere Regulierung Jäger, Landwirte und  Forst in der „Freitaler Erklärung“ vereinbart haben. Zudem sei es unverständlich, wieso der Staatsbetrieb Sachsenforst zwar äußere, die genauen Bestandszahlen des Rotwildes zwar nicht zu kennen, aber dennoch für einen stärkeren Abschuss eintritt.

 

Wolf weiter in der Kontroverse

 

„Als Landesjagdverband befürworten wir Artenvielfalt – was auch den Wolf einschließt – bei angemessenen Bestandsdichten“, erklärt Heikes. Wichtig sei die Ausgewogenheit. „Eine Wildart darf nicht dem Waldumbau geopfert werden.“ Es gelte, Augenmaß zu wahren und gesunden Menschenverstand walten zu lassen.

 

Zum Thema Wolf sagte der LJV-Geschäftsführer, dass der Verband hier im Interesse aller  Mitglieder zu vermitteln versuche. Im am längsten vom Wolf wiederbesiedelten Ostsachsen hätten einige kreisverbände inzwischen eine „harte Position“ eingenommen, äußerte er. Durch die Senckenberg Gesellschaft, die jetzt als nationales Referenzzentrum für den Wolf tätig ist, erwarte man eine weitere Professionalisierung des Monitorings.

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