Hochwasser: Flut im ganzen Land

05.06.2013

Land unter an der Elbe. Auch andere Flüsse traten über die Ufer und überschwemmten großflächig Grünland und Äcker. © Karsten Bär

 

 

Das Hochwasser in Sachsen hat zu großflächigen Überschwemmungen und auch zu Schäden  an landwirtschaftlicher Infrastruktur geführt. Betroffen ist der ganze Freistaat, wenn auch in unterschiedlichem regionalen Ausmaß. Einen Schwerpunkt bildeten zu Wochenbeginn die Flüsse Freiberger und Zwickauer Mulde sowie die Vereinigte Mulde, deren Hochwasserscheitel zu Wochenbeginn sächsisches Gebiet verließ. Auch an der Weißen Elster und der Pleiße kam es zu Überflutungen und Evakuierungen von Ortschaften. An der Elbe spitzte sich die Lage immer mehr zu. Fest steht jedoch: Das Futter wird in diesem Jahr vielerorts knapp. Viele Betriebe hatten witterungsbedingt noch nicht mit dem ersten Grünland-Schnitt beginnen können – nun steht das Wasser auf den Flächen. Auch bestellte Äcker sind überschwemmt. 

 

Schlimmer als 2002

 

„Viele sagen: Das ist schlimmer als 2002“, so Peter Köhler, Geschäftsführer der Regionalbauernverbände (RBV) Mittweida und Westsachsen, nach ersten Befragungen in der Region, die von Zwickauer Mulde und Pleiße durchflossen wird. Nicht nur seien die Pegelstände höher als vor elf Jahren gewesen – überschwemmt wurden auch, anders als damals, bestellte Flächen. „Dort ist teilweise mit einem Ernteausfall von 100 % zu rechnen“, sagt Köhler. Zudem habe das Wasser oft Geröll, Sand und Treibgut angeschwemmt, was die Bewirtschaftung nach Ablaufen des Wassers erschweren werde. Manche Betriebe müssten derzeit außerdem große Umwege in Kauf nehmen, weil Brücken beschädigt wurden. Was zusätzlich für Probleme sorgt: In etlichen Betrieben sind die Güllebehälter vollgelaufen, doch ausgebracht werden kann die Gülle nicht. Hart getroffen hat es den kleinen Betrieb von Sylke Mette in Hohenprießnitz zwischen Eilenburg und Bad Düben. Die gesamten 30 ha Betriebsfläche sind komplett überschwemmt, die 70 Rinder mussten notdürftig auf einer kleinen Ausweichfläche untergebracht werden. Kartoffeln, Rüben und Getreide stehen unter Wasser und werden wohl nicht geerntet werden können. „Das Futter reicht nur noch drei Tage“, schildert Sylke Mette ihre Not. Sie bittet dringend um Hilfe von Berufskollegen, damit das Vieh gefüttert werden kann (Tel. (01 52) 34 23 12 85). „Jeder Betrieb, der Hilfe braucht, muss Unterstützung bekommen“, so Peter Birke, Vorsitzender des RBV Delitzsch. Er versichert, dass sich sein Verband entsprechend einsetzen wird. Entlang der Mulde seien viele Flächen betroffen, insgesamt stünden nach seiner Kenntnis rund 2.500 ha Land unter Wasser, darunter nicht nur Grünland, sondern auch Acker. In vielen Betrieben stehe der erste Schnitt noch auf dem Grünland. „Man muss davon ausgehen, dass der Aufwuchs nicht mehr als Futter verwendet werden kann, sondern kompostiert werden muss“, schätzt er. „Was mit dem Mais passiert ist, muss man sehen, wenn das Wasser abgeflossen ist.“  Auch entlang der Freiberger Mulde und der Zschopau hat es nach Kenntnis von Iris Claasen, Geschäftsführerin des RBV Döbeln/Oschatz, etliche Überschwemmungen gegeben. „Die Futterversorgung wird in diesem Jahr ein ganz schwieriges Thema“, befürchtet sie. Wo Gerste oder Raps unter Wasser stehen, müsse man mit Totalausfällen rechnen. „Beim Weizen besteht noch die Hoffnung, dass er geerntet werden kann – wenn das Wasser schnell abfließt.“ Die schwierige Futtersituation vor Augen, bittet Iris Claasen darum, dass weniger betroffene Betriebe denen unter die Arme greifen, die es hart erwischt hat. Angespannt stellte sich die Lage zu Wochenbeginn auch im Leipziger Süden dar. Wie an der Mulde, waren auch hier Ortschaften gesperrt und evakuiert, die Kreisstadt Borna teils überflutet. Auch viele Landwirtschaftsflächen waren überschwemmt, Vieh musste in Sicherheit gebracht oder Ställe gegen Überflutung gesichert werden. Allein 800 ha der Agrar GmbH Auligk – am Sonnabend noch Ausrichter der zentralen Eröffnung des „Tages des offenen Hofes“ – standen unter Wasser, ein großer Teil davon Ackerland.

 

In schlimmer Erwartung 

 

Überflutungen betrafen im Erzgebirge in erster Linie die Talauen. „Da ist viel Futter verloren“, so Werner Bergel, Geschäftsführer der RBV Aue-Stollberg-Schwarzenberg und Erzgebirge. In der Regel sei der erste Schnitt noch nicht vom Feld, die Aussaat von Mais und das Legen der Kartoffeln sei noch nicht beendet. „In den letzten 14 Tagen hatten wir absoluten Stillstand, weil es fast ununterbrochen geregnet hat.“  Vorteil der Gebirgslage: Das Wasser ist schnell wieder weg. „Insgesamt trifft es unsere Region schlimm, aber vielleicht nicht ganz so schlimm wie andere“, meint Bergel. „Einzelne Betriebe können allerdings wesentlich stärker betroffen sein.“ Unbedingt nötig sei nun ein Wetterumschwung. „Wir brauchen trockenes Wetter, um wieder auf die Flächen zu kommen“, so der RBV-Geschäftsführer. Abzusehen sei, dass es in jedem Fall an Futter fehlen werde. „Die Auen sind verschlämmt, es wird lange dauern, ehe es dort wieder zu einem Aufwuchs kommt.“ „In den Gebirgen ist das Meiste durch, einzelbetrieblich gab es zum Teil erhebliche Schäden, auch wenn Genaueres zum Zeitpunkt noch nicht bekannt ist“, fasste Andreas Jahnel von der Hauptgeschäftsstelle des Sächsischen Landesbauernverbandes (SLB) am Dienstag zusammen. „Der Schwerpunkt liegt jetzt in Mittel- und Nordsachsen.“ Vor allem entlang der Elbe und der Mulde seien die Betriebe unruhig und in einer „bitteren Erwartungshaltung“, wie Jahnel sagte. Erste Überschwemmungen hatte es bereits entlang der Elbe gegeben – doch der Hochwasserscheitel war zu diesem Zeitpunkt noch nicht erreicht. Er wurde erst für Donnerstag in Dresden und entsprechend zeitversetzt weiter flussabwärts erwartet.

 

Karsten Bär


Von Hochwasser betroffene Betriebe erhalten Soforthilfen der Bundesregierung. Mehr dazu unter www.bmelv.de

 

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