Grüne Woche: Sehen und gesehen werden

08.01.2016

© Karsten Bär

Demnächst in Berlin: Diese vier Jungrinder, davon drei Töchter des hofeigenen Deckbullen Disco, stellen sich auf der Bundesschau der Konkurrenz.

Die Züchterkonkurrenz schläft nicht, dessen ist sich Thomas Eydner bewusst. Bei der 5. Bundesschau Fleckvieh Simmental auf der Internationalen Grünen Woche (IGW) in Berlin werde man sich mit den Allerbesten vergleichen müssen. „Das wird eine sehr hochkarätige Schau“, weiß der Landwirt und Fleckviehzüchter aus Flößberg bei Frohburg nach dem ersten Durchblättern des Katalogs. „Die Züchter haben bundesweit gut gearbeitet.“ Da werde es schwer, eine Prämierung zu erhalten, dämpft er im Vorfeld seine eigenen Erwartungen.  Dennoch reist Thomas Eydner vom 14. bis 17. Januar gern nach Berlin. Er ist überzeugt: „Bei so einer Veranstaltung muss man sich einfach präsentieren!“
Zu zeigen haben wird der Züchter auf der Schau einiges. Eine Kollektion von sechs Tieren hat er für die Zuchtveranstaltung zusammengestellt. Dazu zählen vier Jungrinder, darunter eine Tochter des bekannten Vererbers Major Sky sowie drei Töchter des hofeigenen Bullen Disco. Letzterer fährt ebenfalls  mit zur Grünen Woche. Disco, der mit den Noten 7/9/7 gekört wurde und auf Zunahmen von über 1 700 Gramm verweisen kann, ist von Thomas Eydner in Thüringen gekauft worden,  um Zunahme und Bemuskelung in die Herde reinzubringen“, wie er erklärt. Weiterhin komplettiert ein Jungbulle die Kollektion. Dieser ist ein Sohn des Bullen Charles, der auf dem Hof in Flößberg gezogen wurde, jetzt aber in einer bayerischen Besamungsstation steht. Eine Kuh, die der Züchter ebenfalls für die Teilnahme gemeldet hatte, wird im heimatlichen Stall bleiben müssen. Sie hat gekalbt und Zwillinge bekommen – für eine ruhige Präsentation im Ring sind zwei Kälber keine gute Voraussetzung, wie der Landwirt meint.

 

Kaum Umtreiben nötig


Insgesamt 17 Kühe der Rasse Fleckvieh-Simmental hat Thomas Eydner im Bestand. Hinzu kommen drei tragende Färsen und drei besamungsfähige Färsen sowie die restliche Nachzucht. „Die Herde ist genetisch hornlos und auf ihren Hornstatus getestet“, erklärt der Züchter. „Dadurch kann ich auch wieder gehörnte Vererber einsetzen, um mehr Fleischfülle, Bemuskelung und eine bessere Futterverwertung in die Herde reinzubekommen.“ Ziel seiner Bemühungen ist es, Tiere für die Zucht oder für den Einsatz in Betrieben, die Absetzer erzeugen, zu produzieren. Die Kunden finden sich überwiegend in Sachsen, Thüringen und Brandenburg, aber auch anderswo in Deutschland. Nur ein kleinerer Teil seiner Rinder wird als Schlachtvieh verkauft. Die eigene Vermarktung hat Thomas Eydner inzwischen aufgegeben. „Das wurde gut angenommen, aber der Aufwand durch steigende Auflagen wurde am Ende einfach zu hoch“, erklärt er. Der Kühlraum auf dem Hof bleibt indes nicht ungenutzt: Thomas Eydner jagt in seiner Freizeit und nutzt die bestehenden Voraussetzungen zur Vermarktung seines Wildes.

 

Kein Massenprodukt


Sobald es das Wetter erlaubt, kommen die Rinder im Frühjahr auf die Weide. Knapp zehn  Hektar Dauergrünland schließen sich direkt an das Gehöft in der Ortslage von Flößberg an. Sie sind fest umkoppelt, die Tiere umzutreiben ist die ganze Saison über fast nie nötig. Ein großer Vorteil, schließlich ist das Zeitbudget aufgrund der anfallenden Arbeiten im Ackerbau mitunter sehr begrenzt. Auf insgesamt 240 ha baut Thomas Eydner, der in seinem Betrieb seinen Bruder als einzigen Mitarbeiter beschäftigt, in erster Linie Marktfrüchte wie Raps, Weizen und Zuckerrüben an.  Als Futter für die Rinder werden Grassilage und Luzernesilage erzeugt.


Der Ackerbau ist der wirtschaftliche Schwerpunkt des Betriebes. Dennoch habe sich die Rinderzucht als zweites Standbein gut entwickelt und einen großen Stellenwert, gibt Thomas Eydner zu verstehen. Gerade in Zeiten wie diesen, in denen allerorts Milch- und Schweinefleischerzeuger unter der Last anhaltend niedriger Preise ächzen, wisse er zu schätzen, mit seiner Zucht eine Nische zu besetzen.  Die allerdings betreibe er auch intensiv, sagt er. „Ein Massenprodukt gibt es überall, mein Anspruch ist, etwas Spezielles anzubieten“, verdeutlicht der Züchter. Bei der künstlichen Besamung setze er gezielt Genetik ein, die hierzulande neu und daher interessant sei. Er sucht diese vor allem außerhalb Deutschlands und hat zu diesem Zweck auch Verbindungen zu ausländischen Züchtern aufgebaut.   Überhaupt sei ihm der Austausch mit anderen Züchtern wichtig, meint Thomas Eydner, der aus diesem Grund auch im Vorstand des Verbandes Deutscher Simmentalzüchter mitwirkt und auch Zuchtveranstaltungen in anderen Bundesländern besucht. Sich bei Auktionen sehen zu lassen,  bedeute schließlich auch Kundenpflege, sagt er. Teilweise sehe man bei diesen Anlässen auch Nachkommen von Tieren aus eigener Zucht. Zudem sei es immer gut, dann und wann über den eigenen Tellerrand zu schauen.

 

Schon einige Erfolge


Seine züchterischen Anstrengungen, die im Jahr 2000 kurz nach Übernahme des Betriebes von seinem Großvater mit dem Erwerb einer Fleckviehfärse begannen, hat der Landwirt durchaus das eine oder andere Mal in Form von Prämierungen mit Erfolg krönen können.  So war der von ihm gezogene Bulle Charles 2012 bei der Zentralen Fleischrindkörung in Meißen Reservesieger, 2014 erwarb er am gleichen Ort mit dem Bullen Rossi die Siegerschärpe. Und auch auf der Grünen Woche war der Züchter schon erfolgreich: Bei der Fleckviehschau vor vier Jahren wurde seine Kuh Sissy Bundessiegerin.


Nicht immer ist ein Titel drin, doch das ist auch nicht der einzige Grund, an einer Bundesschau teilzunehmen. Schließlich verfolgt Fachpublikum aus dem In- und Ausland, wer sich in Berlin im Ring zeigt. Thomas Eydner ist sich sicher: „Eine bessere Werbung kann man gar nicht bekommen.“

 

An der  Bundesschau Fleckvieh – Simmental am 15. und 16. Januar auf der IGW in Berlin (Tierhalle) nehmen außer Thomas Eydner zwei weitere sächsische Züchter teil.

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