Grüne Woche: Doppelt genießen

23.01.2014

Grüne Woche 2014 Projekt „Arche“

© Karsten Bär

Sach- und Geldspenden sächsischer Aussteller überreichte Ministerpräsident Tillich (r.) an Wolfgang Büscher vom Projekt „Die Arche“.

Die Kartoffelpuffer sind aus dem „Reichskanzler“ gemacht. „Eine alte Sorte“, sagt Holger Streit zu den Messebesuchern am Vogtland-Stand in der Sachsen-Halle 21b. „Die gibt es seit mehr als 100 Jahren.“ Gezüchtet wurde die Kartoffelsorte 1885 in Zwickau, nicht weit entfernt also vom Vogtland, wo der Vogtländische Knollenring e. V. sich seit einigen Jahren um den Erhalt der Sortenvielfalt der Erdäpfel bemüht. Nicht zum ersten Mal nutzt man die Grüne Woche als Podium, stellt am Stand der Reiseregion Vogtland aus, informiert und lässt Kartoffelgerichte, wie die Puffer aus „Reichskanzler“-Knollen, verkosten.

Vom Hobby zum Geschäft

Auf derzeit drei Hektar baut Ulrich Gündel aus Reichenbach gut 100 alte Sorten an und vermarktet die Ernte als Speise- oder Pflanzkartoffeln in „Gündels Kulturstall“ gemeinsam mit einigen Mitstreitern bei musikalisch umrahmten „Kartoffel- und Weinverkostungen“ und über einen Onlineshop im Internet. „Am Anfang war es Hobby“, sagt der Landwirt, der hauptberuflich im Betrieb seines Sohnes beschäftigt ist. „Inzwischen ist es ein kleines Geschäft.“ Der Besucherzuspruch auf der Grünen Woche sei groß. „Wir haben immer Leute am Stand, den ganzen Tag“, sagt Gündel. Und das Interesse ist nachhaltig. „Wir merken das an den Zugriffszahlen auf unsere Internetseite – die sind spürbar nach oben gegangen.“

Den Trend zur Regionalität verstärken

Auf anhaltendes Interesse hoffen insgesamt zehn Verbände, 25 Unternehmen und weitere Partner aus dem Freistaat bei der diesjährigen Grünen Woche in Berlin. Dem Messepublikum wolle man mitgeben, „dass man Sachsen genießen kann, und zwar im doppelten Sinne“, sagte Ministerpräsident Stanislaw Tillich am Montag beim „Sachsentag“. Im doppelten Sinn, das heißt: kulinarisch und touristisch. Denn Sachsen setzt auch in diesem Jahr wieder auf die Verbindung zwischen Angeboten der Ernährungswirtschaft und seiner Reiseregionen. Die Klammer, die beides zusammenhält, heißt „Regionalität“. Und die liegt im Trend, wie Agrarminister Frank Kupfer weiß. „Wir wollen diesen Trend verstärken und dem Verbraucher entsprechende Angebote machen.“ Dies stärke die Wertschöpfung im ländlichen Raum und sichere Arbeitsplätze.

Touristen im Blick hatten nicht nur die Tourismusverbände der sächsischen Reiseregionen. Erstmals auf der Grünen Woche präsentierte sich die Gemeinde Klipphausen, die im Triebischtal mit acht alten Wassermühlen aufwarten kann und schon mal die Werbetrommel für den Deutschen Mühlentag am Pfingstsonntag rührte.

Wo immer noch Getreide gemahlen wird

Nicht nur sein Name prädestiniert Martin Müller dafür, Messebesucher über die Triebischtaler Mühlen zu informieren: Der junge Mann ist in der elterlichen Mittelmühle in Garsebach aufgewachsen – und ist zudem als Müllermeister in der Fichtenmühle im gleichen Ort beschäftigt, einer von zwei historischen Mühlen der Region, in der noch Getreide gemahlen wird. Rund 15 t Getreide von Landwirten aus der Umgebung von Nossen und Meißen werden dort am Tag vor allem für kleine Handwerksbäckereien, aber auch für größere Kunden wie die Restaurantkette Marché gemahlen. Nebeneffekt des Auftritts auf der Grünen Woche: Auch potenzielle Kunden machten sich mit den Angeboten der Garsebacher Fichtenmühle vertraut. Landfrauenvereine oder kleinere Bäckereien hätten Interesse gezeigt. „Ich habe heute schon einiges verkauft“, berichtet Martin Müller. „Unser Vorteil ist es, dass wir auch kleinere Mengen abgeben und flexibel liefern können.“

Aussteller unterstützen Berliner „Arche“

Umrahmt wurde der sächsische Auftritt auf der weltgrößten Ernährungsmesse in diesem Jahr beim „Sachsen-Tag“ mit zwei öffentlichkeitswirksamen Aktionen: Tillich und Kupfer enthüllten eine „Spendenpyramide“ mit Sach- und Geldspenden sächsischer Aussteller zugunsten des Berliner Kinderhilfsprojektes „Die Arche“. Darüber hinaus wurde die Siegerin des Kochwettbewerbs „Ran an den Herd“ ausgezeichnet: Annett Süß aus Aue hatte sich mit ihrem „Hirschkalbrücken mit Wirsingröllchen“ beim Schaukochen am Sonntag gegen vier Konkurrenten durchgesetzt und wurde zur „1. Sächsischen Hobby-Sterneköchin“ gekürt. Zu den Kriterien zählte es, besonders viele sächsische Produkte einzusetzen.    

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