Getrübte Aussicht

09.07.2015

© Karsten Bär

Vergangene Woche Dienstag startete man in Weidenhain mit dem Drusch der Wintergerste. Große Erwartungen an den Ertrag hat man nach der extremen Trockenphase nicht.

Dienstag vergangener Woche war es so weit, gegen Mittag fuhr der Drescher in die Wintergerste. Auch wenn die Trockenheit im Frühsommer, die in der Gegend nördlich von Torgau in diesem Jahr besonders schwer ausfiel, einen früheren Start hatte erwarten lassen: Der Erntetermin fügt sich ins gewohnte Bild. „Es gab schon Jahre, in denen es früher losging“, sagt Ulrich Blanke, Geschäftsführer der beiden miteinander verbundenen Unternehmen Agrar GmbH „Heideland“ Großwig und Agro-Heide-Farm GmbH Weidenhain, die zusammen 1 200 ha Land bewirtschaften. „Aber dass wir um den 1. Juli mit dem Dreschen beginnen, ist eigentlich normal.“

Nicht normal ist hingegen, was sich draußen auf den Feldern zeigt. „Der Roggen – eine Katastrophe“, winkt Blanke ab. Auf 63 ha wächst die Kultur insgesamt in beiden Betrieben, auf sandigen, leichtesten Böden mit Wertzahlen um die 20 Punkte. Dementsprechend hat der Mangel an Wasser in den vorangegangenen Monaten voll zugeschlagen. „Das Feld sieht aus wie eine Landkarte“, sagt der Geschäftsführer und schätzt den zu erwartenden Ertrag ohne viel Zuversicht: „Der bleibt eindeutig unter 30 dt/ha.“ Die Wintergerste, die auf insgesamt 170 ha wächst,  will er noch nicht ganz abschreiben. „Das müssen wir abwarten.“ Dennoch werde der Ertrag auf alle Fälle unter dem Durchschnitt liegen.

Schon der Winter war viel zu trocken

Ist die Gerste gedroschen, wird es sofort in den Raps gehen. Der ist schon jetzt – und viel zu früh – druschreif. „Im vorigen Jahr hatten wir beim Raps eine kleine Rekordernte, da hat alles geklappt – bis auf die Preise“, sagt Blanke. Doch dieses Jahr werden sich die Erwartungen an den Ertrag kaum erfüllen.

Der Weizen, der nur auf 40 ha wächst und vergangenes Jahr spät nach Zuckerrüben gesät wurde, weist ebenfalls Trockenschäden auf. „Selbst der Winter war ja schon extrem trocken“, betont der Geschäftsführer. „Im Februar gab es bei uns gerade mal neun Millimeter Niederschlag!“ Etwas Zuversicht habe er noch bei Triticale, dessen Anbau bisher in jedem Jahr zufriedenstellende Ergebnisse gebracht hat.  „Was ganz traurig wird, sind die Sommerungen“, schildert Ulrich Blanke. Beim Hafer und den Erbsen, die für die Fütterung vorgesehen sind, wird nicht viel herauskommen.

„Der Mais nach Winterzwischenfrüchten ist gar nicht erst aufgegangen“, berichtet er weiter. Erst als Mitte Juni etwas ergiebigerer Regen kam, sei auf diesen Flächen etwas passiert. Noch halbwegs passabel zeige sich der Hauptfruchtmais – doch auch der braucht dringend Wasser. Ebenso wie die Kartoffeln, die man auf 50 ha anbaut. Mit Schläuchen, die man zwischen die Reihen legte, wurde zumindest etwas Wasserversorgung improvisiert.

Schlechte Erträge lassen nicht nur die Ackerkulturen erwarten. Auf dem Grünland hat sich beim ersten Schnitt bereits gezeigt, dass dieses Jahr für die beiden Betriebe nicht als gutes in die Statistik eingehen wird. „Im Silo ist noch nie so viel Platz frei geblieben“, verdeutlicht Ulrich Blanke. Die Futterversorgung für die 300 Milchkühe, die Mastbullen, Mutterkühe und zwischen 400 und 500 Schweine, die in den beiden Betrieben gehalten werden, sieht er allerdings nicht gefährdet. Grundfutter sei genug vorhanden. Außer dem Extraktionsschrot, das zugekauft wird, kann darüber hinaus auch in diesem Jahr alles, was in die Rationen kommt, aus eigener Produktion bereitgestellt werden. „Aber eigentlich soll ja auch noch etwas zum Verkaufen übrig bleiben“, macht Ulrich Blanke die Folge geringer Ernteerträge deutlich. Denn gerade jetzt, im absoluten Milchpreistief, wären Erlöse aus dem Marktfruchtverkauf wichtig. 26 Cent Grundpreis, die man derzeit für das Kilo Milch erhalte, reichen schließlich nicht. „Im Vergleich zum Vorjahr fehlen uns 100 000 Euro bei der Milch. Aber die Kosten sinken nicht, sondern steigen.“ Die Krise am Milchmarkt hält der Geschäftsführer allerdings für hausgemacht – als eine Folge des Russlande-Embargos.  

Wenigstens die Direktvermarktung läuft stabil. Mit der hatte man zu schlimmsten Zeiten der BSE-Krise begonnen, „als wir nicht mehr wussten, wie es weitergeht“, so Blanke. Die Rinder aus eigener Erzeugung und Schweine, die man nur für die Direktvermarktung mästet, werden im Schlachthof im nahe gelegenen Belgern geschlachtet und dann vor Ort in Großwig verarbeitet. Verkauft wird ausschließlich im Hofladen, auf Bestellung wird Ware auch ausgeliefert, unter anderem an einige Gaststätten der Region. Filialen werden nicht betrieben, ebenso wie Wochenmärkte nicht angefahren werden – Aufwand und Nutzen sollen in einem guten Verhältnis stehen. Die Direktvermarktung trägt sich, ist aber, wie Ulrich Blanke betont, nur ein kleines Standbein. Die tragenden Säulen sind die Michproduktion und der Marktfruchtanbau, die allerdings angesichts der aktuellen Umstände beide zurzeit wenig Freude machen.

Hoffnung auf bessere Getreidepreise

Mit dem Druschbeginn in der Wintergerste prägt nun die Ernte für die kommenden Wochen das betriebliche Geschehen. Bis Anfang August werde man brauchen, um Getreide und Raps vom Feld zu holen. Während man in anderen Bereichen, etwa bei der Grünfutterernte, mit anderen Betrieben kooperiere, erledige man den Getreidedrusch mit einem betriebseigenen Mähdrescher komplett selbst.

Dass die Erträge in diesem Jahr unter den Erwartungen bleiben, steht zu Erntebeginn bereits fest. Doch zumindest für eine Hoffnung  ist es noch nicht zu spät, wie Geschäftsführer Blanke meint: „Dass sich wenigstens der Getreidepreis wieder ein bisschen erholt.“

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