Geflügelhaltung

09.10.2012

 

 

In Sachsen hat die Geflügelhaltung eine lange Tradition. „Nicht nur, weil der erste Rassegeflügelzuchtverein Deutschlands hier gegründet wurde“, sagte Dr. Uwe Bergfeld vergangene Woche beim Sächsischen Geflügeltag in Deuben. Auch die Wurzeln der Zucht und Haltung von Wirtschaftsgeflügel reichten weit zurück, so der Abteilungsleiter Tierische Produktion des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG). Auch heute nehme die Geflügelproduktion einen hohen Stellenwert ein. „Auf den Produktionswert bezogen ist das Geflügel wichtiger als die Schweineproduktion.“

„Gewisse Akzeptanzprobleme beim Verbraucher“ konstatierte Bergfeld gleichwohl. „Das bezieht sich aber nicht auf die Produkte, sondern auf die Art und Weise der Produktion.“ Die medial verstärkte Diskussion um die „Massentierhaltung“ zeige, wie kritisch die Geflügelhaltung, wie die Tierhaltung insgesamt, derzeit wahrgenommen werde. Welchen Beitrag die Halter selbst leisten können, um Vorbehalte und Vorurteile abzubauen, wollte der Sächsische Geflügeltag diskutieren.


Mehr Transparenz für den Verbraucher


Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) arbeitet aktiv für eine bessere Akzeptanz der Geflügelhaltung. Davon gab Christiane von Alemann ein Bild. In den vergangenen Jahren habe sich die Wahrnehmung stark verändert: Versorgungssicherheit sei kein Thema mehr, stattdessen spiele der Tierschutz für viele Menschen eine größere Rolle. Zugleich wachse die Bereitschaft der Menschen, sich aktiv in der Öffentlichkeit gegen bestimmte Sachverhalte einzusetzen, was von Alemann als „Wut-Bürger-Phänomen“ bezeichnete. Bestimmte Gruppierungen griffen diese Strömungen teils sehr aggressiv auf. Auf die Geflügelwirtschaft bezogen sei die Folge, dass kein Anlagenneubau ohne massive Widerstände der Bevölkerung ablaufe und es teils auch zu Übergriffen komme.

Als Ursache hat der ZDG die Entfremdung der Menschen von der landwirtschaftlichen Produktion ausgemacht. Hier setzt der Verband mit seinen Kampagnen an. Ziel sei es, durch mehr Transparenz die Abläufe der Produktion deutlich zu machen und den Menschen, die tagtäglich mit Geflügel arbeiten, ein Gesicht zu geben. In Medienkampagnen sollen so Verbraucher erreicht werden. Parallel versuche man Politiker zu sensibilisieren und lade auch Journalisten ein, Haltungsanlagen zu besichtigen und mit Experten ins Gespräch zu kommen.

Trotz wachsender Kritik konstatierte Dr. Evelin Ullrich (LfULG) beste gesetzliche Regelungen für den Tierschutz in Deutschland. Einen Beitrag zur tiergerechten Haltung leiste die Hygiene, die darauf abzielt, das Einzeltier wie den gesamten Bestand gesund zu erhalten, Krankheiten fernzuhalten und die Widerstandsfähigkeit zu erhöhen. Viele Hygieneregeln sind in Gesetzen und Verordnungen definiert, sie bilden ein Fundament für gesunde Bestände.  Prinzipiell seien die Geflügelhalter in dieser Hinsicht gut aufgestellt, auch wenn an der einen oder anderen Stellschraube noch gedreht werden könne. „Neue Standards brauchen wir nicht“, so die Expertin. „Wir machen vieles bereits sehr gut – und das müssen wir in die Öffentlichkeit kommunizieren.“


Vorteil für Kleinvoliere bei Emissionen


Die Angst vor Emissionen aus Haltungsanlagen ist oftmals ein Grund für die wachsende Ablehnung der Bevölkerung. Der Frage, wie Emissionen gemindert werden können, ging Dr. Jens Lippmann (LfULG) in seinem Vortrag nach. Seinen Untersuchungen zufolge unterscheiden sich die Austräge an Ammoniak und Kohlendioxid in verschiedenen Haltungssystemen deutlich. Kleingruppen- und Volierensysteme emittierten die geringsten Stallraumlasten und hätten demnach Vorteile in ihrer Umweltwirkung. Hingegen hätten Bodenhaltungssysteme ein höheres Emissionspotenzial und erforderten ein qualifizierteres Stallmanagement, um Tiergesundheit, Stallklima und Emissionen positiv zu beeinflussen. Ein kürzerer Entmistungsrhythmus mindere das Emissionsaufkommen, eine stallseitige Kotlagerung über 365 Tage sei nicht zu empfehlen. Die Geruchsemissionen variieren Lippmann zufolge zwischen den untersuchten Hennenställen deutlich. Dabei habe die Bestandsgröße nur einen geringen Einfluss.

Nicht zuletzt wegen des Medikamenteneinsatzes steht die Geflügelhaltung aktuell unter öffentlichem Beschuss. Dabei stehe vor allem der Einsatz von Antibiotika im Fokus, betonte Dr. Christine Ahlers, Tierärztin bei der Duck-Tec Brüterei  GmbH. Wegen der bestehenden Wartezeiten sei der Einsatz eigentlich und anders als öffentlich behauptet bereits heute gering. Wie aber lässt sich der Einsatz weiter reduzieren? Die Antwort ist einfach: durch einen guten Gesundheitsstatus der Tiere.

Dr. Christine Ahlers führte aus, dass gute Tiergesundheit bereits bei den Elterntieren anfange. Wichtig sei es, bereits bei den Einstallungen Untersuchungen des Gesundheitsstatus vorzunehmen. Ein guter Hygienestatus während der Haltung schließe sich an. Dazu gehört es der Tierärztin zufolge, Stallklima, Management und Besatzdichte anzupassen, tierart- und leistungsgerecht zu füttern, Stress für die Tiere vermeiden und Gesundheitsprobleme frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.


Prävention statt Therapie


Wie schon Dr. Evelin Ullrich verwies auch Dr. Christine Ahlers auf mögliche Schwachpunkte bei der Einhaltung hygienischer Standards. Zugleich betonte sie, dass beim Auftreten von Krankheiten Arzneimittel mit absoluter Sorgfalt eingesetzt und immer auch von therapiebegleitenden Maßnahmen flankiert werden sollten.

Über das Gefährdungspotenzial der niedrigpathogenen aviären Influenza (LPA) informierte im Abschlussvortrag Roland Küblböck, Tierarzt beim Geflügelgesundheitsdienst der Sächsischen Tierseuchenkasse. Er führte aus, dass die niedrigpathogene Form der Geflügelpest sich zum hochpathogenen Erreger entwickeln kann (pathogen = potenziell krank machend). Aus diesem Grund sei die Entscheidung gefallen, auch die niedrigpathogene Form zu bekämpfen.

Relevant wurde dies in Sachsen im vergangenen Jahr, als über einen Geflügelgroßhändler in Nordrhein-Westfalen infizierte Tiere an einen regionalen Händler nach Sachsen und von dort aus an mehrere Halter im Freistaat gelangten. Der Nachweis von Tieren, die das Virus in sich trugen, führte dazu, dass eine Reihe von Beständen vorsorglich getötet werden musste – was nicht selten für den Halter schwer verständlich war, da die Tiere nicht unbedingt Symptome zeigten, wie Roland Küblböck erklärte. Aufgrund der Tatsache, dass der Handel mit Geflügel schwer zu kontrollieren sei – es gibt in Sachsen 31 registrierte Händler, deren Zulieferer nur teilweise bekannt sind, und eine Vielzahl fahrender Händler mit unbekanntem Wirkungskreis – sei das Einschleppen durchseuchter Tiere derzeit schwer zu unterbinden. Karsten Bär

 

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