Gahlenzer Braugerstenrundfahrt

20.07.2018

© Karsten Bär

An der Streifenanlage, die von der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Gahlenz eG angelegt wurde und sieben verschiedene Sorten umfasste, stellten Vertreter der Züchterhäuser die Eigenschaften der einzelnen Braugersten vor. Präsentiert wurden neben den bewährten Sorten Quench, Solist, RGT Planet und Avalon auch drei neue – Ellinor, Leandra und Prospect.

In diesem Jahr waren – erstmals bei einer Gahlenzer Braugerstenrundfahrt – Getreidestoppeln auf frisch abgeernteten Wintergetreidefeldern zu sehen. Und auch das Sommergetreide ließ optisch keinen Zweifel daran, dass es bald gedroschen werden könnte. „Wir sind mit dem Drusch anderthalb Wochen früher dran“, sagte Götz Eckhardt zum Start der Rundfahrt zu Braugetreidebeständen um Oederan. Auch die Erzgebirgsregion sei von großer Trockenheit betroffen gewesen, wenngleich nicht so stark wie andere Teile des Freistaates, so der Vorstandsvorsitzende der Erzgebirgskorn Gahlenz eG.

 

Neue Sorten im Blick


Nicht nur wie Braugerste und Brauweizen im Feld stehen und was an Ertrag erwartet werden könnte, stand bei der Rundfahrt für Landwirte, Mälzer, Brauer, Saatgutzüchter und andere Interessierte, die zwei Tage nach der Thüringer Braugerstenschau in einem etwas kleineren Maßstab stattfand, im Mittelpunkt.

 

Wie immer waren auch ein Sortenvergleich und die Vorstellung neuer Sorten Bestandteil des Programms. Hierzu wurde gleich zu Beginn die von der Bäuerlichen Erzeugergenossenschaft Gahlenz eG (Bega eG) gesäte Streifenanlage mit sieben Braugerstensorten angesteuert. Die Aussaat auf der pfluglos bearbeiteten Fläche (Vorfrucht Silomais) erfolgte am 9. April, wie der Vorstandsvorsitzende Andreas Petschke informierte. Ausgewählt worden waren die Sorten für die Streifenanlage im Hinblick auf ihre schon bestehende oder künftig mögliche Vermarktbarkeit durch die Erzgebirgskorn Gahlenz eG.


Mit den Sorten Quench, Solist und Avalon standen drei bereits bewährte Sorten im Streifenversuch. Anders als diese verfügt die ebenfalls gezeigte Sorte RGT Planet nicht über die Empfehlung des Berliner Programms. Dennoch habe sie sich einen Markt geschaffen, wie der Gebietsleiter Getreide des Anbieters RAGT Saaten, Tobias Ahlschläger, betonte. Die vier Sorten sind in Sachsen die wichtigsten Braugersten.


Als neue Sorten standen Ellinor, Leandra und Prospect im Versuch. Ellinor ist in Frankreich zugelassen und zeigt in den EU-Prüfungen überdurchschnittliche Erträge. Ende des Jahres wird über die Aufnahme ins Berliner Programm entschieden. Als „verbesserte Avalon“ mit hoher Gesundheit soll sich die aus ebendieser Sorte hervorgegangene Leandra auszeichnen. Sie wurde Ende 2017 zugelassen und steht derzeit im Test des Berliner Programms. Seitens des Anbieters Hauptsaaten geht man davon aus, Ende des Jahres die Empfehlung zu erhalten. Für die Sorte Prospect erwartet die IG Pflanzenzucht die Zulassung in diesem Jahr. Prospect gilt als gesund, halm- und strohstabil sowie ertragsstark.


Ertrag und Qualität werden indes nicht nur durch die Sorte bestimmt. Welchen Einfluss das Wetter und insbesondere die diesjährige Trockenheit hat, wurde an den Anbauflächen deutlich, die bei der Rundfahrt angesteuert wurden. Etwa an einem 11,5 ha großen Schlag mit Weizen der Sorte Tabasco, den Torsten Schubert vom gleichnamigen Familienbetrieb aus Schönerstadt  vorstellte. Obwohl der Sorte keine gute Winterhärte nachgesagt werde, hätten die Kahlfröste im späten Winter keine Schäden hinterlassen. Aufgrund der trockenen Witterung sei der Bestand jedoch schlecht bestockt. Ob die Körnergröße dies noch etwas ausgleicht, müsse man abwarten, so der Landwirt. Da Z-Saatgut der Sorte vom Züchter nicht mehr bereitgestellt wird, sei spätestens nach dem kommenden Jahr mit dem Anbau von Tabasco Schluss. „Ich bedauere das“, sagte Torsten Schubert. „Die Sorte passte zu unseren Standortbedingungen am besten.“


Mit den als Brauweizen geeigneten Sorten Boss und Bruce stehen jedoch Nachfolgekandidaten für Tabasco schon bereit. Letztere Sorte konnte während der Rundfahrt auf einer weiteren Praxisfläche ebenfalls auf dem Halm begutachtet werden, ebenso wie die bewährte Sorte Elixer. Die Ernteaussichten sind in diesem Jahr indes auch hier verhalten.


Die Trockenheit hatte auch auf einem Schlag Solist der Agrargenossenschaft Memmendorf, die einschließlich 21 ha Vermehrungsfläche insgesamt 95 ha Braugerste anbaut, deutliche Spuren hinterlassen. Eher unter dem Niveau von 50 dt/ha sahen die Praktiker nach einem ersten Blick auf den Bestand den hier zu holenden Ertrag. Recht passabel hingegen stellte sich ein Schlag Avalon der Agrozuchtfarm Breitenau dar, der wenig Probleme mit Mehltau aufwies und einen zufriedenstellenden Ertrag erwarten ließ. Auf Zuwächse am Ertrag war zum Zeitpunkt der Rundfahrt – anders als in anderen Jahren – ohnehin nicht mehr zu hoffen. „Das geht alles so nach Hause“, meinte Götz Eckhardt.

 

Anbaufläche stabil


Insgesamt wurde in diesem Jahr in Sachsen eine Fläche von 24.100 ha mit Sommergerste bestellt, das ist gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang um 2.100 ha. Davon macht die Braugerste nach Schätzung der Braugersten-Gemeinschaft e. V. ebenso wie im Vorjahr 21.000 ha aus. Angesichts verhaltener Ertragsaussichten dürfte der Rohstoff, bei leicht steigenden Erzeugerpreisen, daher noch etwas knapper werden. Möglich, dass dann den Mälzern wieder von Erzeugern etwas spöttisch  „Qualitätsflexibilität“ unterstellt wird. Jedoch weisen die Mälzer zurück, dass die sonst geforderten strengen Qualitätskriterien nicht berechtigt seien. Verschnitt weniger geeigneter Ware sei möglich, aber nur in überschaubarer Menge und nicht Jahr auf Jahr.

Umfrage: Ferkelkastration



Wie steht es um den Wissens- und Qualifikationsbedarf bezogen auf Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration?

Zur Umfrage

ANZEIGE

ANZEIGE

ANZEIGE

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr