Fütterung im Fokus

30.10.2014

© Karsten Bär

Schafhaltung in Sachsen: Der Bestand ist rückläufig.

Auch im Jahr 2013 ging der Bestand an Schafen in Sachsen weiter zurück. Die Gesamtzahl an Tieren, die in Betrieben mit mehr als 200 Schafen gehalten wurden, betrug nur noch rund 73 000. Diese Entwicklung sei bedauerlich, konstatierte der Präsident des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG), Norbert Eichkorn, beim 21. Sächsischen Schaftag in Polkenberg. Denn in Sachsen verfolge man das politische Ziel, die Tierhaltung und damit die Wertschöpfung im ländlichen Raum zu stärken. Als Ursache für den anhaltenden Rückgang  nannte er die Einkommenssituation:  Schäfereien erzielen im Durchschnitt nur 73 % des mittleren Einkommens aller sächsischen Landwirtschaftsbetriebe.

Die Erlöse stagnieren, die Kosten steigen. Was also ist zu tun? Verschiedene Experten gaben in den Fachvorträgen des Schaftages Antworten darauf, wobei insbesondere die Optimierung des Fütterungsmanagements als Grundlage für die Erzeugung hochwertiger Schlachtlämmer in den Fokus gerückt wurde.

Mastverfahren anpassen

Innerhalb von 20 Jahren haben sich Futterkosten pro Jahr und Mutterschaft auf mittlerweile 100 Euro mehr als verdoppelt, führte der LfULG-Fütterungsexperte Dr. Olaf Steinhöfel aus. Diese Steigerung geht vor allem auf teureres Grobfutter zurück. Für die Erzeugung von Schlachtlämmern stehen verschiedene Fütterungsverfahren mit unterschiedlicher Mastdauer zur Verfügung, von der Intensivmast, bei der die Lämmer früh abgesetzt und mit hohem Kraftfuttereinsatz gemästet werden, bis zur Weidelammmast, die mit weniger Kraftfutter und Gewichtszuwächsen über die Milchleistung der Mutterschafe realisiert wird. Welches Verfahren Erfolg verspricht, sei einerseits von den standörtlichen Bedingungen des einzelnen Betriebes abhängig, andererseits von den aktuellen Kosten für Futtermittel. Die „doppelte Veredlung“, also das Realisieren von Gewichtszuwächsen der Mastlämmer über die Milch der Mutterschafe, lohne nur  bei hohen Grobfutterkosten und niedrigen Preisen für Lämmerkraftfutter. Dem Vorteil des Schafes als Wiederkäuer, faserreiche Pflanzen veredeln zu können, stehe demnach bei hohen Grobfutterpreisen der Leistungsdruck des Wettbewerbes entgegen. Außer dem Mastverfahren beschrieb Steinhöfel weitere Stellschrauben, um die Fütterung wirtschaftlicher zu gestalten: So sollten hochtragende und laktierende Muttern sowie Weidemastlämmer Grobfutter höchster Qualität angeboten bekommen, durch Preiswürdigkeitsberechnung  könnten bei Zukauf kostengünstigere Futtermittel eingesetzt werden und nicht zuletzt trage die Minimierung von Futterverlusten dazu bei, unnötige Kosten zu vermeiden.

Die Situation der Mineralstoffversorgung sächsischer Grünlandstandorte thematisierte Dr. Michael Grunert vom LfULG. Gehalt und Verfügbarkeit von Nährstoffen bestimmen den Ertrag, viele Grünland-standorte lägen bezüglich der Nährstoffe Phosphor und Kalium in schlechten Versorgungsklassen. Regelmäßige Überprüfungen seien daher ratsam, um möglichen Düngebedarf zu ermitteln – auch auf extensiv genutzten Flächen. Augenmerk sei auch auf den pH-Wert der Böden zu richten, denn dieser beeinflusse die Verfügbarkeit der Nährstoffe. Ein großer Teil von in Sachsen beprobten Flächen weise pH-Werte aus, die außerhalb des optimalen Bereichs liegen.

Die Versorgung der Schafe mit lebenswichtigen Mineralstoffen kann auf verschiedenen Wegen erfolgen, führte Dr. Claus-Dieter Jahn von der Spezialfutter Neuruppin GmbH & Co. KG aus. Zum einen würden Mineralstoffe über das Grundfutter aufgenommen, jedoch bestehe hierbei die Gefahr, dass Defizite einzelner Stoffe möglich sind. Über das Angebot von Lecksteinen und Leckmassen könnten ergänzend zum Grundfutter Mineralstoffe bereitgestellt werden. Doch der Nachteil insbesondere bei den Leckmassen  sei deren oft hoher Zucker- und Fettgehalt. Zudem gebe es in den Beständen auch „leckfaule“ Tiere. Auf die jeweiligen Standortbedingungen des einzelnen Betriebes angepasst, könnten darüber hinaus Mineralfuttermischungen zum Einsatz kommen, die den Tieren über Beistellgefäße oder Beimischung ins Grundfutter zugeführt werden. Grundsatz müsse es sein, dem Tier nur so viele Spurenelemente zuzuführen, die dessen Körper benötigt.

Aufwand nicht gedeckt

Einen Erfahrungsbericht aus der Praxis gab Schäfermeister Harald Scholz aus Welsau bei Torgau. Sein Betrieb hält 420 Muttern der Rasse Merinolandschaf und bewirtschaftet 65 ha, davon 25 ha Deichfläche. Um einen ganzjährigen Lammverkauf zu ermöglichen, erstreckt sich die Lammzeit über mehrere Monate von Juni bis Februar. Sowohl während der Wintermonate als auch in der Weidezeit erfolgt die Mast der Lämmer im Stall, zunächst für die ersten acht Wochen gemeinsam mit den Muttern, denen dort Rübenschnitzel und zusätzliches Kraftfutter vorgelegt wird. Nach der Trennung von den Mutterschafen werden die Lämmer mit  Melassepellets, Lämmerkorn und gutem Heu gefüttert. Nach 100 Tagen haben sie das Endgewicht von 45 kg erreicht. Die Mast erfolge auch im Sommer im Stall, da die Deichflächen intensiv beweidet werden müssen, was sich nachteilig auf die Gewichtsentwicklung der Lämmer auswirken und mehr Parasitenbehandlungen nötig machen würde.

Gut ein Fünftel aller sächsischen Schäfereien pflegt auf vertraglicher Basis für die Landestalsperrenverwaltung (LTV) Deichflächen. „Das Thema hat also relativ große Bedeutung“, sagte Carola Förster vom LfULG-Fachzentrum Schaf- und Ziegenhaltung in Köllitsch.

413 ha Deich werden von Schäfereien bewirtschaftet, die Hälfte davon entlang der Elbe. Die Futterqualität auf diesen Flächen wird überwiegend als gut oder mittelmäßig bewertet, allerdings auf den neu angelegten Deichen, auf denen überwiegend Magergräser angesät sind, als schlecht. Für die Pflege der Deiche erhalten die Betriebe ein Entgelt von durchschnittlich 3,5 ct/m2, was den Aufwand nicht decke, so Förster. Darüber hinaus würde auf Flächen, auf denen Anspruch auf Betriebsprämie besteht, die Prämie mit dem Pflegeentgelt verrechnet. Ein Umstand, der für Unverständnis sorgt – und ab dem kommenden Jahr seitens der LTV nicht mehr praktiziert werden wird. Grundsätzlich sollen darüber hinaus ab 2015 die Deichflächen von den Betrieben gepachtet werden, um ihnen die Beantragung von Zahlungsansprüchen zu ermöglichen. Mit der LTV sei darüber hinaus vereinbart worden, dass Deichpflegeverträge vorzugsweise an Schäfereien vergeben werden und diese bei Vorliegen entsprechender Voraussetzungen auch Leistungen wie die Nachmahd übernehmen können.

Im Betrieb geprüft

Über die Neuausrichtung der Zuchtarbeit ab diesem Jahr informierte Dr. Regina Walther vom Vorstand des Schaf- und Ziegenzuchtverbandes. Nachdem der Freistaat die Leistungsprüfung auf Station Ende des vergangenen Jahres eingestellt hat, werden nun unter Regie des Verbandes Feldprüfungen durchgeführt. Dies habe den Nachteil, dass sich betriebliche Einflüsse auf das Ergebnis auswirken könnten. Zugleich sei aber bei – zumindest theoretisch – geringeren Kosten die Prüfung einer größeren Tierzahl möglich. Gleichwohl sei die Feldprüfung mit Mühen verbunden und es müsse sich zeigen, ob sie so wie bisher bezahlbar sei.

Umfrage: Ferkelkastration



Wie steht es um den Wissens- und Qualifikationsbedarf bezogen auf Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration?

Zur Umfrage

ANZEIGE

ANZEIGE

ANZEIGE

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr