Fünf Runden, drei Hüter, ein Sieger

03.08.2016

© Karsten Bär

Michael Schulze (Bild oben links), Eckhard Hissung (Bild oben Mitte), Klaus Beggel (Bild oben rechts)

Nur drei Hüter nahmen am diesjährigen Landesleistungshüten des Sächsischen Schaf- und Ziegenzuchtverbandes (SSZV) teil – die Zuschauer auf dem Hütegelände auf den Elbwiesen der Schäferei Eckhard Hissung auf der Last (Gemeinde Beilrode) bekamen dennoch fünf Hütedurchgänge zu sehen. Schäfer Klaus Beggel (Bad Schmiedeberg) trat ebenso wie Schäfer Michael Schulze (Eilenburg) jeweils zweimal, aber mit unterschiedlichen Hunden an. Gastgeber Eckhard Hissung beließ es bei einer Runde. Bewertet wurden die drei Schäfer, allesamt erfahrene Hüter, auf ihrem Parcours durch die Schäfermeister Frank Kieslich (Klein-Krauscha) und Thomas Mucha (Rietschen) sowie der Zuchtleiter des SSZV, Hanno Franke, die in bewährter Weise die Richtkommission bildeten. Die Leitung des Wettbewerbs lag in den Händen des SSZV-Vorsitzendem Detlef Rohrmann und SSZV-Vorstandsmitglied Dr. Regina Walther.


Herde und Hunde hatte Michael Schulze am besten im Griff. Die Kommission notierte 97 Punkte für seine Leistung mit dem Hundepaar Schlitzer und Axel. Schulze hat damit seinen vierten Titel seit 2007 geholt und kann den Freistaat Sachsen Mitte September beim Bundeshüten in Duderstadt im Harz vertreten.
Mit 84 Punkten rangierte Eckhard Hissung mit Gila als Halbenhund und Henni als Beihund auf dem zweiten Platz. Der Gastgeber ist seit Jahren aktiv an Hütewettbewerben beteiligt, ein Titel blieb ihm bisher verwehrt. Ende des Jahres wird er in den Ruhestand wechseln und seinen Betrieb an Sohn Daniel übergeben – was jedoch nicht zwangsläufig ausschließen muss, dass er weiter an Hütewettbewerben teilnimmt.


Schließlich hatte sich auch der dritte Hüter des diesjährigen Wettbewerbes, Klaus Beggel, bereits vor zwei Jahren in den Ruhestand verabschiedet. Er erhielt für die mit dem Hundepaar Rocky und Giedo gezeigte Leistung 70,5 Punkte und belegte den dritten Platz des Landeshütens.


Sehr zufrieden zeigte man sich im Nachgang beim Schafzuchtverband mit dem Ablauf des Hütens und den Rahmenbedingungen. Man habe sich über guten Besucherzuspruch freuen können und ein gutes Hüten gesehen, urteilt Hanno Franke. Was nicht zuletzt an der hervorragend vorbereiteten Herde gelegen habe. „Überhaupt muss man die gute Arbeit von Familie Hissung einfach loben“, so der Zuchtleiter. Die Schäferei Hissung ist – mit einer Unterbrechung – seit 2012 Gastgeber für die Leistungshüten des SSZV.


Was allerdings auch Kennzeichen eines Problems ist: Nur noch wenige Schäfereien sind heute überhaupt in der Lage, für die Ausrichtung eines Hütewettbewerbes zur Verfügung zu stehen. „Dazu wird eine Herde gebraucht, die regelmäßig gehütet wird“, erklärt Hanno Franke. Vielfach würden die Schafe aber nur noch gekoppelt werden. In Ostsachsen beispielsweise sei wegen des Wolfes das Hüten gänzlich eingestellt worden. Entsprechend gibt es auch weniger Hüter.


Der Nachwuchs fehlt. Dem will man – soweit es geht – beim Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) etwas entgegensetzen. In diesem Jahr fand zum zweiten Mal eine Praktikerschulung statt, bei der es um die Hundeausbildung und um das Hüten ging. Austragungsort war die Schäferei des Sprungbrett e. V. in Riesa-Göhlis, wo Alt-Meister Winfried Weinhold Einblicke in das Hütehandwerk gab. Die Schulung gilt als gute Sache. „Aber es ist natürlich illusorisch zu glauben, dass man danach das Hüten beherrscht“, schränkt Hanno Franke ein. Andererseits: Von nichts kommt nichts – von allein bildet sich der Hütenachwuchs auch nicht aus.

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