Forscher warnen vor Insektensterben

29.11.2017

© Sabine Rübensaat

In einem offenen Brief haben sich rund 100 sächsische Forscher und Naturschützer an den Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft, Thomas Schmidt, und Mitglieder des Landtages gewandt, um vor einer Abnahme der Insektenpopulationen zu warnen. Nach Überzeugung der Unterzeichner des Briefes reichen die aktuellen Bemühungen um den Erhalt der biologischen Vielfalt nicht aus, um diese nachhaltig zu bewahren. Daher wolle man Ursachen aufzeigen und mögliche Maßnahmen vorschlagen. Der sächsische Landesverband des NABU unterstützt den Brief und die darin enthaltenen Forderungen.

 

Schwerwiegende Folgen für das Ökosystem

 

Der offene Brief verweist auf den durch die Rote Liste dokumentierten Artenrückgang bzw. die Bedrohung zahlreicher Insektenarten in Sachsen. Auch die Langzeitstudie Krefelder Insektenforscher, die kürzlich großes Medienecho erhielt, wird von den sächsischen Insektenforschern zur Begründung herangezogen. Man befürchte, dass sich der festgestellte Rückgang rapide beschleunigen könnte, heißt es im offenen Brief. Dies hätte schwerwiegende Folgen: Insekten seien enorm wichtig als Nahrungsgrundlage für viele weitere Arten, ebenso wie für die Bestäubung der Kulturpflanzen oder die Gesundheit des Bodens.

 

Lebensraumverlust und Nährstoffeinträge beklagt

 

Als Ursache für den Insektenschwund sehen die Forscher und Naturschützer unter anderem den Lebensraumverlust, z.B. durch Entwässerung von Feuchtwiesen, Nutzungsaufgabe oder Aufforstung, die Nährstoffüberversorgung der Böden und Gewässer durch Einträge aus Industrie, Landwirtschaft und Verkehr sowie der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (teils auch biologischer). Ebenso trage das Fehlen von Totholz sowie Säumen und bewachsenen Wegrändern zu ungünstigen Bedingungen für Insekten bei. Auch der Klimawandel wirke sich negativ auf eine Reihe von Arten aus. Als Maßnahmen empfehlen die Unterzeichner des Briefes eine Wiederherstellung verlorengegangener Lebensräume, einen sparsameren Einsatz von Düngemitteln und eine Reduktion der Einträge aus Industrie und Verkehr sowie eine drastische Einschränkung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln, die entweder gegen Insekten selbst oder aber gegen Pflanzen als deren Lebensgrundlage wirken. Ebenfalls angeraten wird, Mahdtermine zu verringern und zu staffeln, Grünanlagen mit gebietsheimischen Pflanzen zu gestalten und die Landschaft zu diversifizieren. Weiterhin wird die Notwendigkeit intensiver Ursachenforschung betont.

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