Fluthilfe: Kein „Sahnehäubchen“

28.01.2014

© Karsten Bär

Flurfahrt: Gutachter Ruben Hennig, Geschäftsführer Torsten Kinne, Minister Frank Kupfer, Nordsachsens Landrat Michael Czupalla und Karlheinz Herrmann, Bürgermeister der Gemeinde Elsnig, (v. l.) schauten sich nach der Übergabe des Fluthilfebescheides auf den Betriebsflächen der Elbeland AG an, wo im Juni das Hochwasser stand.

Die Gerste stand gut und sah vielversprechend aus. „Man hätte nur noch mit dem Drescher reinfahren brauchen“, erinnert sich Torsten Kinne, Vorstandsvorsitzender der Elbland AG Neiden, an den Frühsommer vergangenen Jahres. Vielleicht zwei Wochen noch, dann wäre es soweit gewesen. Doch dann kam das Wasser.

Von den 923 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche des nördlich von Torgau fast direkt an der Elbe gelegenen Betriebes überspülte die Flut im vergangenen Juni 554 ha. Nicht nur die Ernte der Wintergerste fiel im wahrsten Wortsinn ins Wasser. Auch Winterweizen, Raps und Zuckerrüben nahmen Schaden oder fielen total aus. Ganze zwei Drittel der Silomaisflächen wurden überschwemmt. Der Ende Juni rasch neu gedrillte Mais brachte kaum verwertbares Futter für das Milchvieh des Betriebes. „Das hat am Ende mehr gekostet, als es gebracht hat“, muss der Vorstandsvorsitzende konstatieren.

Der Schaden, den der Betrieb durch Ertragsausfälle infolge des Hochwassers hinnehmen musste, beträgt insgesamt gut 300 000 Euro. Doch ein großer Teil dieser Summe wird der Elbland AG ersetzt. Am Donnerstag vergangener Woche übergab Agrarminister Frank Kupfer den Bewilligungsbescheid über Wiederaufbauhilfen in Höhe von 245 000 Euro an Torsten Kinne. Es war der 100. Bescheid, der inzwischen an Antragsteller aus der Landwirtschaft ergangen ist.

Frist läuft bis Jahresende

Mittel von über 9 Mio. Euro sind land- und forstwirtschaftlichen Unternehmen in Sachsen bisher nach der Richtlinie „Hochwasserschäden 2013“ bewilligt worden, über die Hälfte davon ist ausgezahlt. Anträge sind von 165 Betrieben eingegangen. „Die Fluthilfen können noch bis  31. Dezember dieses Jahres beantragt werden“, sagte der Minister und betonte: „Es war nicht selbstverständlich, dass auch Produktionsausfälle ersetzt werden.“ Der Freistaat Sachsen habe sich dafür beim Bund eingesetzt und letztlich auch Gehör gefunden. Es sei ihm wichtig, dass mit der Unterstützung für die Agrarbetriebe dazu beigetragen werde, die Wirtschaftskraft im ländlichen Raum zu erhalten.

Insgesamt sind im vergangenen Juni nach Ministeriumsangaben durch Starkregen und Überschwemmungen Flächenschäden auf 20 500 ha Ackerland und 12 000 ha Grünland entstanden. Hinzu kämen Schäden an Gebäuden, Maschinen und Anlagen. Der Gesamtschaden in der Land- und Forstwirtschaft summiere sich auf 45,6 Mio. Euro. „Die erteilten Hilfen sind kein ‚Sahnehäubchen‘ für die Betriebe“, stellte Kupfer klar. „Sie ersetzen 80 % der entstandenen Schäden, der Rest muss vom Unternehmen getragen werden.“ Der Ausfall an Einkommen habe die Landwirte vor Herausforderungen gestellt, schließlich mussten Lohnkosten, Saatgut oder Betriebsmittel weiter bezahlt werden. „Eine Leistung, die anerkennenswert ist“, so der Minister, der zugleich darauf verwies, dass die Hilfen zur Schadensregulierung dieses Mal schneller als nach dem Jahrhunderthochwasser 2002 flössen.

Relativ schnell hat auch die Elbland AG Neiden ihren Zuwendungsbescheid erhalten. Denn erst Anfang Dezember reichte das Unternehmen den Antrag beim Landratsamt Nordsachsen ein. Für eine vollständige Schadensübersicht habe man so lange warten müssen, erklärt Torsten Kinne. Denn die Zuckerrüben waren ebenfalls betroffen, konnten jedoch, wenn auch mit Einbußen, noch gerodet werden. Erst nach Lieferung der Rüben und entsprechender Mitteilung der Menge durch die Zuckerfabrik im November waren alle Zahlen vollständig. Seine Liquidität konnte der Betrieb über diese Zeit dank der Kulanz von Händlern wahren, die für gelieferte Betriebsmittel verlängerte Zahlungsziele einräumten.

Nur ein Teilausgleich

Auch Torsten Kinne legt Wert darauf, dass die erhaltene Hilfe für den Betrieb lediglich 80 % der Schäden ausgleicht.  „Und bei kleineren Frühjahrshochwassern, die es immer wieder gibt, bekommen wir trotz Schäden nichts“, sagt er. Auf die Notwendigkeit, Unterstützung zu beantragen, würde der Vorstandsvorsitzende ohnehin lieber verzichten: „Hoffen wir, dass so etwas so schnell nicht wieder passiert.“

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