Flurschau zwischen Belgern und Torgau

05.06.2015

© Karsten Bär

Auf der Flurschau wurden die Folgen der Trockenheit deutlich sichtbar. Erhard Neubauer (Mitte) sieht für Raps und Getreide schwarz, bleiben weiterhin ergiebige Niederschläge aus.

Alles wartet auf Regen: Wochenlang gab es in vielen Regionen Sachsens kaum Niederschläge. Und wenn, dann kamen meist nicht mehr als ein paar Tropfen vom Himmel. Auch im Raum Torgau hat die Trockenheit auf den Feldern und Äckern bereits ihre Spuren hinterlassen. Wie sehr, das wurde bei der jährlichen Flurschau des Regionalbauernverbandes Torgau deutlich, der die Teilnehmer zu den Flächen von drei Betrieben zwischen Belgern und Torgau führte. Niels Harzer von der Agrar und Handels GmbH Mehderitzsch, Elfi Wolff vom Landwirtschaftsbetrieb Wolff in Mehderitzsch und Bernd Tinter von der Tinter GbR in Kranichau gaben bei der Feldfahrt einen Überblick, wie es um die Bestände bestellt ist – und ließen keinen Zweifel daran: Jetzt braucht es dringend Regen.


Schon am ersten Schlag der Rundfahrt, auf dem der Familienbetrieb Wolff Ende März eine Blühmischung drillte, wurde der Wassermangel sichtbar. „Wenn es nicht regnet, kann es auch nicht blühen“, brachte es Elfi Wolff auf den Punkt. Trockenschäden waren  auf einer Triticalefläche der Agrar und Handels GmbH Mehderitzsch bereits zu erkennen. Auch der sich anschließenden Sommergerste fehlte das Wasser. Eine Tatsache, die sich wie ein roter Faden durch die gesamte gut einstündige Feldbesichtigung zog und so gut wie jeden Schlag betraf.


Auf den Standorten mit schwereren Böden zeigten die Pflanzen zwar Trockenstress, aber Verluste müsse man dort noch nicht beklagen, berichtete Niels Harzer. Auf den leichten Standorten hingegen habe die Trockenheit bereits ihre Wirkung entfaltet. Mindestens 15 ha auf sehr sandigem Boden, die mit Roggen und Triticale bestellt sind, müsse man wegen starker Schädigung zu Ganzpflanzensilage verarbeiten, die Fläche umbrechen und anschließend mit Mais bestellen, so der Landwirt. Ob man noch mehr umbrechen müsse, werde sich in den kommenden Wochen entscheiden – je nachdem, ob es Regen gibt oder nicht.


Sah es Anfang Mai zumindest im Raum Belgern noch relativ gut aus, habe sich inzwischen der Wassermangel zum echten Problem entwickelt, erklärte Erhard Neubauer, Geschäftsführer der Landgut GmbH Staritz und Vorsitzender des RBV Torgau. Unter den etwas kühleren Temperaturen der letzten Wochen habe sich dies noch nicht so drastisch ausgewirkt. Doch nun werde dringend Niederschlag gebraucht.  Bleibe dieser aus, müsse man mit deutlichen Verlusten rechnen und könne nur  eine unterdurchschnittliche Getreideernte einfahren. „Über Mais und Rüben wollen wir noch nicht reden, für diese Kulturen ist der Niederschlag im Juni und Juli entscheidend“, sagte er.


Neubauer betonte, dass die Situation in der Region Torgau differenziert sei und manche Gegenden noch stärker unter der Trockenheit litten. So hätte der Raum nördlich von Torgau bei den vereinzelten Niederschlägen der vergangenen Wochen noch weniger Regen abbekommen. Hier seien größere Ertragsausfälle zu erwarten. „Bei uns sieht es noch schlimmer aus“, bestätigte Ulrich Blanke von der Agrar GmbH „Heideland“ Großwig. Im Mai habe es gerade einmal 18,5 mm Niederschlag gegeben. Auch Torsten Kinne von der Elbeland AG Neiden pflichtete dem bei und verdeutlichte: „Wenn es so weitergeht, dann geht es bei uns schon Mitte Juni in die Gerste“.


Unter diesen Umständen sei es bedauerlich, dass für die Schaffung von Beregnungsanlagen keine Investitionsförderung möglich sei, erklärte Neubauer. Diese wird in Sachsen nur für den Gemüse- und Kartoffelanbau gewährt. „Die letzten beiden Jahre mit relativ guter Wasserversorgung und guten Ernteerträgen waren eine positive Ausnahme“, bemerkte der RBV-Vorsitzende. „Ohne Beregnung werden wir langfristig keine Ertragsstabilität bekommen.“


Immerhin: Ein paar Tropfen Regen brachte die Nacht nach der Flurschau den Landwirten der Region Torgau dann doch. „Aber die rund anderthalb Millimeter waren nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein“, schränkt Neubauer ein. Man brauche ergiebige Niederschläge – sonst sähe es für die Ernte wirklich trüb aus.

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