Fleischrindbullenkörung: Drei fahren mit nach Meißen

13.02.2014

© Karsten Bär

Drei fahren mit nach Meißen: Günter, Markus und Marcel Göbel (v. l.) präsentieren die Bullenkollektion, die der Zuchtbetrieb bei der Fleischrindkörung kommende Woche auftreiben wird.

Parel ist ein (fast) waschechter US-Amerikaner. Gesehen hat er seine „Heimat“ allerdings nie. „Wir haben ihn als Embryo eingekauft und hier von einer unserer Kühe austragen lassen“, erzählt Markus Göbel. Der rote Angusbulle Parel, 2009 geboren, hat einen Reinzuchtwert von 116 und trägt die Körnoten 8/8/8. „Ziemlich gute Werte“, ist der Züchter stolz. Und so hofft er auch auf gute Ergebnisse, wenn er am 19. und 20. Februar mit drei Parel-Söhnen auf der Zentralen Fleischrindkörung in Meißen antreten wird. Erfolge durfte er bei dieser Veranstaltung durchaus schon erleben: 2008 und 2010 stellte Markus Göbel dort jeweils den Rassesieger.

Angus-Rinder hält und züchtet der Großschweidnitzer Zuchtbetrieb seit seiner Gründung im Jahr 1992 durch Markus Göbels Vater Günter. Der Landwirt, der heute als Rentner noch in Teilzeit im Betrieb beschäftigt ist, hatte sich belesen und umgehört – und kam zu dem Schluss, dass es genau diese Rasse sein sollte. Eine sehr hohe Fleischqualität, gute Mütterlichkeit, Frohwüchsigkeit, Hornlosigkeit, ein ruhiges Wesen – die Vorteile der Rasse Angus überzeugten ihn. Auch, weil die Anguszucht in Sachsen nicht so weit verbreitet war, habe man sich gute Vermarktungschancen ausgerechnet, blickt Markus Göbel zurück. Und so wurde mit 30 hochrassigen Aberdeen-Angus aus Dänemark der Grundstock für die erfolgreiche Zucht gelegt. „Später sind wir auf Deutsch-Angus umgestiegen“, erzählt der 48-jährige Betriebsinhaber. „Die Aberdeens wurden für die Direktvermarktung zu fett.“

Aktuell hält der 180-ha-Familienbetrieb 46 Angus-Mutterkühe. Hinzu kommen derzeit 21 männliche Nachkommen, die teils  für die Zucht und teils für die Mast vorgesehen sind, sowie zwölf weibliche Nachkommen, von denen acht zur Reproduktion im Bestand verbleiben sollen. Von Mai bis Oktober stehen die Tiere auf den Weiden des Betriebes im Nachbarort. Die Bullenkälber kommen bereits ab Ende Juli in den Stall, wo sie mit Kraftfutter und Silage gefüttert werden, um bessere Zunahmen zu erreichen.

Modernen Stall gebaut

Die meisten Weiden sind mit festen Zäunen ausgestattet, die Tränken beziehen ihr Wasser aus dem öffentlichen Netz. Den „Weidedienst“ übernimmt Senior Günter Göbel, der dort regelmäßig nach dem Rechten sieht. Diese Arbeitsteilung gibt es nicht ohne Grund: Betriebsinhaber Markus Göbel hat gemeinsam mit Sohn und Hofnachfolger Marcel (25) auch 120 ha Ackerland zu bewirtschaften, auf denen Winterweizen, -gerste und -raps sowie Hafer und Zuckerrüben angebaut werden.

Abkalbesaison ist von Oktober bis Mitte Dezember im Stall. „Das ist arbeitswirtschaftlich günstiger, als draußen auf der Weide“, erklärt Markus Göbel. Zwar sind Angus-Rinder leichtkalbig. „Aber bei den Färsen ist es schon angebracht, dass jemand mit hinschaut.“ Die Stallanlage steht  am Ortsrand von Großschweidnitz und ist ein umgebautes Industriegebäude. 2005 konnte der Betrieb das ehemalige Heizhaus günstig erwerben. Rund 100 000 Euro steckte er bis 2006 in den Umbau, wobei auch Investitionsförderung des Freistaates Sachsen in Anspruch genommen werden konnte. Das 70 Meter lange Gebäude umfasst heute einen einseitig offenen Tiefstreu-Laufstall auf 26 x 50 Meter Fläche sowie einen Bergeraum für Heu und Stroh. Eine elektronische Viehwaage und ein Klauenbehandlungsstand sind in den Stall integriert. Gefüttert werden hier während der Wintermonate Heu, Grassilage und Rübenpressschnitzel. Wobei der Züchter Wert auf Qualität legt. „Wer Leistung will, muss vernünftiges Futter geben“, sagt er. Die Kälber finden im Schlupf ad libitum grob geschrotetes Getreide – Hafer, Gerste und Weizen – vor.

Ziel des Familienbetriebs ist es in erster Linie, Zuchttiere zu erzeugen. „Großrahmig, mit guter Milchleistung und hohen Zunahmen“, so Göbel. Doch auch die Direktvermarktung von Angus-Fleisch ist ein wichtiges Standbein. Im Jahr werden zwölf bis 14 Bullen geschlachtet. Dafür nimmt Markus Göbel die Dienste einer Landschlachtstelle in Anspruch, wo auch ein kleiner Teil des Fleisches zu Wurst verarbeitet wird. Als Viertel gehen die Schlachtkörper zurück zum Betrieb, der sie dann von einem Fleischer zerlegen lässt. Verkauft wird die Ware in Paketen, die Braten- und Kochfleisch, Rouladen usw. enthalten. „Über die Jahre haben wir einen festen Kundenstamm aufgebaut“, erzählt der Landwirt. Auch Gaststätten und Altenheime in der Region werden auf Bestellung beliefert.

Die Zuchtviehvermarktung läuft hingegen fast ausschließlich über die Zuchtorganisation Masterrind, nur sehr selten im individuellen Verkauf an andere Züchter. Abgesetzt werden die Tiere nicht nur in Deutschland. Auch nach Spanien, Kasachstan und in die Ukraine hat der Betrieb schon Tiere verkaufen können. Jedes Jahr gehen Großschweidnitzer Angus-Rinder darüber hinaus nach Rumänien und nach Tschechien. „Die Tschechen sind inzwischen ziemlich weit in der Angus-Zucht“, weiß der Großschweidnitzer Züchter. „Ich kann mir gut vorstellen, dort auch mal einen Bullen zu kaufen.“

Genetik muss passen

Der Zukauf eines Bullen ist mittelfristig ohnehin geplant. Momentan arbeitet der Betrieb mit einem Deckbullen sowie mit künstlicher Besamung mit ­Sperma ausgewählter Angus-Besamungsbullen. Doch Markus Göbel trägt sich mit der Absicht, noch einen zweiten Bullen in den Bestand zu nehmen. Und zwar einen schwarzen Angus, der die schwarzen Kühe sowie die Töchter des roten Bullen Parel decken würde. Aber passen muss der neue Vererber. „Gutes Blut, das hierzulande noch nicht so verbreitet ist“, nennt Markus Göbel als Kriterium, das er auch bei der künst­lichen Besamung umzusetzen versucht und das auch damals der Grund für den Einkauf des Embryos war, aus dem später Bulle Parel entstand.

Auktion in Meißen
Gut 50 Bullen der Rassen Angus, Blonde d’ Aquitaine, Charolais, Fleckvieh und Limousin werden bei der 23. Sächsischen Bullenauktion am 19. und 20. Februar im Masterrind-Vermarktungszentrum in Meißen, Schlettaer Straße 8, aufgetrieben. Am ersten Tag findet ab 15 Uhr die Körung statt. Um 19.30 Uhr wird zu einem Züchterabend eingeladen. Am zweiten Tag werden ab 9 Uhr die Bullen vorgestellt und prämiert, die Auktion der Tiere schließt sich um 12 Uhr an.

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