Fast nie im Plus

18.09.2015

© Karsten Bär

Auch wenn im Landesdurchschnitt Wintergerste und -weizen gute Erträge brachten, stellt die Ernte wirtschaftlich nicht zufrieden.

Den diesjährigen bundesdeutschen Durchschnitt von 73,4 dt/ha Ertrag Getreide verfehlte Sachsen nur um eine Dezitonne: Eine insgesamt „gute Getreideernte“ im Freistaat konstatierte Annette Schaerff bei der Fachtagung „Qualitätsgetreide“ vergangene Woche in Groitzsch für dieses Jahr. Ebenfalls knapp unter dem deutschen Mittel (38,9 dt/ha) lag der Ertrag an Winterraps mit 36,9 dt/ha. „Das ist nicht ganz so gut, aber immer noch akzeptabel“, so die Referentin für Betriebsökonomie,  Markt im Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG). Nach dem diesjährigen Witterungsverlauf stellten diese Erträge eine Überraschung dar.


Vor allem der Wintergerste mit 77,3 dt/ha und dem Winterweizen mit 79,4 dt/ha Durchschnittsertrag sei das sehr gute Gesamtergebnis zu verdanken.  Diese Kulturen lagen 18 % bzw. 9,5 % über dem fünfjährigen Mittel. Auch die Sommerfuttergerste (56,2 dt/ha) lag über dem Schnitt der vergangenen fünf Jahre.


Während die Erträge – bei zum Teil starker regionaler und einzelbetrieblicher Differenzierung – insgesamt zufriedenstellen, tun dies die Preise nicht. Catrina Kober, ebenfalls vom Referat Betriebsökonomie, Markt, führte aus, dass weltweit erneut ein hohes Ertragsniveau beim Getreide erreicht wurde und die Versorgungsituation komfortabel bleibe. Was weltweit gilt, gelte auch für Europa: Einer großen Weizenernte stehen niedrige Preise gegenüber. Während Deutschland im vergangenen Jahr noch von einer schlechten Weizenernte in Frankreich profitieren und beispielsweise nordafrikanische Exportmärkte beliefern konnte, seien im Nachbarland dieses Mal hohe Erträge und gute Qualitäten vom Feld geholt worden.


Beim Weizen zeigten sich die in Sachsen zu erzielenden Preise recht deutlich nach Qualität differenziert und reichten (ex Ernte) von 14,65 €/dt für C-Weizen bis 17,60 €/dt für E-Weizen. „Die Tendenz geht nach unten“, so Annette Schaerff. Die Weizenpreise lägen zwischen 16 und 19 % unter dem fünfjährigen Mittel. Nicht besser sieht es bei anderen Früchten aus. Der Rapspreis erlebte nach einer Erholung lediglich ein Zwischenhoch. Eine gute Versorgung des Marktes lasse auch bei der Braugerste keine Wunder erwarten. „Zum Weinen“ sei die Situation beim Brotroggen, der für 12,25 €/dt gehandelt wird, so Annette Schaerff. Bei diesem Preis lande viel Roggen in Biogasanlagen. Abzuwarten bleibe, welche Erlöse Körnermais, der ein knappes Angebot aufweise, bringen wird.


Die ökonomische Betrachtung der Ernte 2015 in Sachsen – kalkuliert auf Basis der durchschnittlichen Kosten und Erträge sowie der aktuellen Preise – ergibt ein ernüchterndes Bild: „Dieses Jahr schafft es fast keine Fruchtart ohne Direktzahlungen ins Plus“, resümierte Annette Schaerff. Sorgenkind sei dabei der Brotroggen, der mit einem Minus von 384 Euro je Hektar Anbaufläche selbst inklusive der Prämie unwirtschaftlich bleibt.

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