Erntegespräch: Hohe Ausfälle erwartet

12.07.2018

© Karsten Bär

Die Trockenheit hat im Getreide zur Ausbildung vieler Schmachtkörner geführt, die sich ertragsmindernd auswirken: Bauernpräsident Vogel (l.) und Minister Schmidt erwarten eine unterdurchschnittliche Ernte in Sachsen.

Dass an diesem Tag auf den Flächen des gastgebenden Betriebes die Wintergerste und auch der Raps bereits komplett gedroschen sein würden, konnte keiner ahnen, als das diesjährige „Erntegespräch am Feldrand“ des Sächsischen Landesbauernverbandes (SLB) gemeinsam mit dem Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) auf den 6. Juli festgelegt wurde. Langanhaltende Trockenheit in Verbindung mit hohen Temperaturen haben in weiten Teilen Sachsens zu einem um zehn bis 14 Tage vorgezogenen Start der Getreideernte geführt, so auch in der Agrargenossenschaft Arzberg in Nordsachsen, auf der die Erntepressekonferenz stattfand. Die Diskrepanz zwischen Termin der Pressekonferenz und dem tatsächlichen Erntestart hatte aus Sicht von Sachsens Bauernpräsident Wolfgang Vogel  indes auch sein Gutes: Demonstrierte es doch anschaulich, wie dramatisch sich die Wettersituation auf die Betriebe auswirkt.

 

Kaum Niederschläge 

 

Waren die Aussaatbedingungen im Freistaat im Herbst 2017 noch vergleichsweise gut, brachte die nach langer Frostphase einsetzende Wärme ab April schnell Trockenheit, die sich bis in den Sommer fortsetzte. Nur örtlich sorgten Gewitter für Entlastung, dies jedoch häufig verbunden mit Hagel oder Starkregen, der zu Abschwemmungen führte. Unter der verbreitet anhaltenden Dürre litten Sommer- wie Wintergetreide gleichermaßen. Vor allem auf den leichteren Standorten zeigten sich schon frühzeitig Trockenschäden. Auch die sächsischen Grünlandstandorte sind in weiten Teilen von der Trockenheit geprägt.  „Aufgrund dieser ungünstigen Ausgangsbedingungen gehen wir von deutlichen Mindererträgen beim Getreide aus. Regional differenziert erwarten wir Ertragseinbrüche von 30 bis 50 % gegenüber dem langjährigen Durchschnitt“, so die Einschätzung Vogels. Die Qualitäten des bisher geernteten Getreides seien sehr heterogen. Problematisch sind aber der relativ hohe Anteil an Schmachtkörnern und das geringe Hektolitergewicht. 

 

Reicht das Futter?

 

Als noch schwerwiegender schätzt der Bauernpräsident jedoch die Situation für den Futterbau ein.  „Wir wissen nicht, ob ausreichend Grobfutter für die vorhandenen Tierbestände erzeugt werden kann“, verdeutlichte er. Der Mais habe in vielen Regionen bereits die Endphase seines Wachstums erreicht, ob er noch Kolben ausbilde, sei nicht überall gewiss. Erneut seien es gerade die tierhaltenden Betriebe, die besonders hart von der Situation getroffen würden.

 

Eine Einschätzung, die Geert Brandtner, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Arzberg, bestätigte. Sein Betrieb bewirtschaftet ca. 2.150 ha Land, hält rund 375 Milchkühe, 390 Mutterschafe sowie 200 Zuchtsauen und produziert in einer Mastanlage mit 2.500 Plätzen Schlachtschweine.  Mit Blick auf den Zustand des Maises sagte er: „Ich habe große Sorgen, dass wir unseren Viehbestand nicht halten können.“ Vom Grünland habe der erste Schnitt noch einen passablen Ertrag geliefert. Doch angesichts des ausbleibenden Zuwachses reiche das nicht. Zwar verfüge der Betrieb über Vorräte an Silage, doch auch diese werde nicht den benötigten Bedarf bis ins nächste Jahr decken können. Um die Grundfutterversorgung halbwegs sicherzustellen, hat sich die Agrargenossenschaft  bei anderen Betrieben Maisflächen gesichert. Jetzt Zwischenfrüchte als Futteralternative anzubauen, lohne angesichts der anhaltenden Dürre nicht, da die Saat in den staubtrockenen Böden nicht aufgehen würde.Den Drusch des Getreides habe man in Arzberg am 19. Juni und damit so früh wie noch nie begonnen, berichtete Brandtner weiter. Zuvor hatte es am 16. Mai mit 8 mm Regen das letzte Mal Niederschlag gegeben. Die Erträge seien katastrophal, statt wie in normalen Jahren  um die 65 dt/ha Wintergerste zu ernten, holte man dieses Mal nur 48 dt/ha vom Feld. Der Rapsertrag lag mit 22 dt/ha ebenfalls deutlich unter den gewohnten 35 bis 40 dt/ha. Beim Weizen, dessen Drusch vergangene Woche Donnerstag begonnen hatte,  rechnet man mit weniger als 50 dt/ha. In anderen Jahren ernte man mehr als 65 dt/ha, so der Vorstandsvorsitzende.Agrarminister Thomas Schmidt machte deutlich, dass die Situa­tion sachsenweit außergewöhnlich ist. Auch wenn es bei der Betroffenheit Unterschiede und teils auch Ausnahmen gebe, werde die Ernte in Sachsen insgesamt unter dem Durchschnitt liegen. Auch er bewertete die Futterversorgungssituation  als sehr problematisch. Auf den vertrockneten Grünland­standorten können es noch lange dauern, bis die Böden wieder in einem Zustand sind, der normales Wachstum ermögliche. Schmidt zeigte sich überzeugt, dass die Landwirte in Sachsen Strategien finden werden, mit der schweren Situation umzugehen. Leistungseinbrüche werde es jedoch in jedem Fall geben.  

 

Freistaat prüft Hilfe

 

Als Unterstützung staatlicherseits steht den Betrieben eine Förderung über die Richtlinien „Krisen und Notstände“ sowie „Rettungsbeihilfen“ zur Verfügung. Als Notstand gilt eine Situation, wenn ein Betrieb gegenüber dem Schnitt der vorangegangenen drei Jahre 30 % weniger Jahresertrag aufweist. Hier kann ein Zuschuss in Höhe von 80 % des Schadens beantragt werden. Weiterhin habe man das Finanzministerium gebeten, Erleichterungen für betroffene  Landwirte zu prüfen – Stundungen von Steuern oder – bei landeseigegen Flächen – von Pachtzinsen. Gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt setze sich der Freistaat dafür ein, auf nationaler Ebene den Notstand auszurufen. Bauernpräsident Vogel bekräftigte, dass die Landwirte jetzt echte Hilfe brauchen. „Uns helfen keine Liquiditätskredite, uns helfen nur verlorene Zuschüsse“, sagte er. Zudem müsse die Möglichkeit bestehen, laufende Kapitaldienste auszusetzen. Bei der Ermittlung der Hilfsbedürftigkeit der Betriebe müsse unbedingt berücksichtigt werden, wenn der Bedarf von Futterzukäufen zum Erhalt der Tierbestände bestehe.

 

Viele Feldbrände: Die Dürre führt in der diesjährigen Ernte sachsenweit nahezu täglich zu Feldbränden. Allein im Landkreis Nordsachsen wurden vom 15. Juni bis 3. Juli 30 Feldbrände gezählt. Der SLB ruft zu einem verantwortungsvollen Verhalten in der Feldflur auf. 

 

 

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr