Dürre setzt den Drusch in Gang

27.06.2018

© Karsten Bär

Staubtrockene Witterung über Wochen hat auch in Ostelbien zu einem zeitigen Erntebeginn und geringeren Ertragserwartungen geführt.

Anhaltende Trockenheit und hohe Temperaturen haben vielerorts auf den leichten Standorten im Freistaat Sachsen zur Notreife des Getreides und einem frühen Erntebeginn geführt. In Nordsachen, sowohl im Delitzscher als auch im Torgauer Raum,  begannen mehrere Betriebe bereits am 14. Juni damit, die Wintergerste zu ernten, so Christine Richter, Geschäftsführerin der Regionalbauernverbände Delitzsch und Torgau. „Bei vielen Betrieben ist seit April kein oder nur sehr wenig Regen gefallen“, sagt sie. „Andere haben etwas mehr abbekommen.“ Entsprechend differenziert seien die ersten Erträge. Von 25 % weniger als sonst bis teilweise 80 % Einbuße sei die Rede. Selbst kleinräumig könnten die Unterschiede deutlich sein.


Auch in der Agrargenossenschaft Hohenprießnitz fuhr bereits am 14. Juni der Drescher in die Wintergerste, die auf den sehr schwachen Standorten wuchs. Nur einmal startete bisher der Drusch ein paar Tage früher, erinnert sich Vorstandsvorsitzender Tilo Bischof. Beim notreifen Getreide seien weder Ertrag noch Qualität zu erwarten.

 

Von Schlag zu Schlag verschieden


Die punktuell stark unterschiedliche Niederschlagsverteilung bestätigt auch er. Auf manchen Schlägen, die offenbar mehr Regen abbekommen haben oder im Auenbereich liegen, stand die  Wintergerste noch länger auf dem Halm.

 

Währenddessen wurde auf leichten Standorten vergangene Woche sogar schon Raps gedroschen, der jedoch kaum erwähnenswerten Ertrag brachte.  


Nicht  nur die Trockenheit, auch die große Hitze haben Spuren hinterlassen, wie Tilo Bischof erklärt. Ackerbohnen, die auf einem der besseren Böden wachsen, hätten zwar optisch ein gutes Bild abgegeben – doch trotz grüner Pflanzen seien die Blüten noch beim Aufgehen aufgrund der Hitze vertrocknet, sodass auch hier kein Ertrag zu erwarten ist.


Vor allem aber der Mais macht dem Landwirt Sorgen – wie alles, was die Futterversorgung sicherstellt. Auf der Weide fräßen die Rinder das „Heu vom Halm“, sagt er. „Und es wächst nichts nach.“ Jetzt komme es auf Regen an, der  in ausreichender Menge gebraucht wird.


Auch auf den sandigen Böden in der Großenhainer Pflege wirkt sich die Dürre extrem aus. Am Mittwoch vergangener Woche hat die Agrargenossenschaft Skässchen nördlich von Großenhain mit dem Drusch der Wintergerste  begonnen. Nur knapp die Hälfte des üblichen Ertrages, so die ersten Ergebnisse, konnte man vom Feld holen, wie Vorstandsvorsitzender Manfred Engelmann berichtet. „Zwischen 20 und 25 dt/ha – sonst sind es um die 60“, verdeutlicht er. Etwa die Hälfte seien Schmachtkörner, das Hektolitergewicht betrage 50 statt der gewohnten 63.


Auch der Weizen, der spät zur Aussaat kam, lässt kaum Ertrag erwarten. „Die Halme stehen kerzengerade – in den Ähren sind keine Körner.“ Gedroschen wird dennoch, und sei es wegen des Strohs. „Wir brauchen jeden Halm“, so Manfred Engelmann. Etwa in der Jungrinderaufzucht und für die mit Kalk-Stroh-Matten ausgestatteten Liegeflächen im Milchviehstall. 5.500 Quaderballen Stroh benötige man.

 

Getreideernte ist „abgehakt“


Und gebraucht wird für das Milchvieh auch Futter. Noch sieht der Mais gut aus. „Aber jetzt muss es Regen geben“, hoffte der Landwirt Ende vergangener Woche auf ergiebigen Niederschlag. „Das Getreide können wir abhaken, aber für Körner- und Silomais ist es noch nicht zu spät.“

 

 

 

Reaktion auf Dürre:
Brachflächen für Futter nutzen
Dresden. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit können Landwirte in Sachsen ab 1. Juli als ökologische Vorrangflächen ausgewiesene Brachen zur Futtergewinnung oder direkten Beweidung nutzen. Eine entsprechende Ausnahmeregelung hat das Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft auf den Weg gebracht. Vor der Nutzung müssen sich die Landwirte bei dem zuständigen Förder- und Fachbildungszentrum (FBZ) bzw. der zuständigen Informations- und Servicestelle (ISS) des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) melden. Dort erhalten sie das Antragsformular und weitere Informationen zum Verfahren. Von ausbleibenden Niederschlägen seien nicht nur typische Trocken-regionen betroffen, sondern auch andere Gegenden im Freistaat, erklärte Agrarminister Thomas Schmidt. Weitere Hilfen für landwirtschaftliche Betriebe, die infolge der anhaltenden Trockenheit in Existenznot geraten, stehen mit der Förderrichtlinie „Krisen und Notstände“ (RL KuN/2015) zur Verfügung. Wenn die gesamtbetrieblichen Umsatzerlöse im Schadjahr die durchschnittlichen Umsatzerlöse der vergangenen drei Jahre um mehr als 30 % unterschreiten, kann der entstandene finanzielle Schaden durch einen Zuschuss bis zu 80 % ausgeglichen werden, der nicht zurückgezahlt werden muss. Für diese Hilfen ist die Bewilligungsstelle des LfULG in Dresden-Klotzsche Ansprechpartner. 


Richtlinie „Krisen und Notstände“:
www.smul.sachsen.de/foerderung/140.htm

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