Dresdener Mühle – „Ährenwort“ gegeben



 

Gottlieb Traugott Bienert sagt man nach, ihm seien harte Arbeit, Fleiß und das Streben nach höchster Qualität die größte Lust gewesen. Mit diesem Credo brachte es der Müllermeister weit: Dank der vorzüglichen Güte seiner Produkte wurde sein Name in Dresden nicht nur ein Synonym für feinste Backwaren, sondern er selbst auch zum zweitreichsten Mann der sächsischen Metropole – nur der König war vermögender als er.

 

 

„Bienerts Qualitätsphilosophie, nicht auf Masse, sondern auf höchste Qualität zu setzen, hat die Entwicklung der Dresdener Mühle immer geprägt“, sagte Jens Hubricht, Geschäftsführer des Unternehmens, anlässlich der Jubiläumsveranstaltung „100 Jahre Dresdener Mühle – 20 Jahre Sachsens Ährenwort“ am 14. Juni. So verwundert es nicht, dass neben diesen beiden Jubiläen auch das des 200. Geburtstags Bienerts gefeiert wurde. Denn seine  Söhne setzten sein Vermächtnis fort, als sie 1913 die Hafenmühle an der Elbe in Dresden bauen ließen.  Und auch das Jahr 1993 lässt sich in diese Traditionslinie einreihen – damals nahm ausgehend von dem Mühlenunternehmen das Qualitätsprogramm „Sachsens Ährenwort“ seinen Beginn, an dem sich heute 80 Landwirte aus sieben Erzeugergemeinschaften und 350 Bäcker beteiligen.


Bienert, Dresdener Mühle und Ährenwort gehören auch für Frank Kupfer zusammen. „Alle drei Jubiläen eint ein Begriff: Qualität“, sagte der Agrarminister in seiner Festansprache in der Dresdener Mühle, die er als „Flaggschiff der sächsischen Mühlenwirtschaft“ bezeichnete. Mit dem Ährenwort-Programm verbinde sich Qualität von der Ähre bis zum Bäckereiprodukt, die nur dadurch erreicht werden könne, dass alle beteiligten Seiten zu Zuverlässigkeit und auch zu Zugeständnissen bereit seien. Als Bindeglied zwischen Landwirt und Bäcker komme der Mühle dabei besondere Bedeutung zu. „Es war vor 20 Jahren noch nicht selbstverständlich, sich in diesem Maße auf Qualität zu orientieren“, lobte Kupfer die konsequente Ausrichtung des Unternehmens auf dieses Ziel. Mehr denn je sei heute auch die Transparenz gefragt, die das „Ährenwort“ biete. „Das Programm sichert die lückenlose Rückverfolgbarkeit bis zur Ähre, der Getreideanbau ist kontrolliert, integriert und vor allem: regional“, hob der Minister hervor. Das Getreide werde unter anderem mit weniger Stickstoff gedüngt, was auch ein Beitrag zu einem besseren Gewässerschutz sei.


Ährenwort-Getreide wird in enger Abstimmung zwischen Landwirt und Mühle angebaut. Zum Einsatz kommen dabei bestimmte Sorten, die aus Erfahrung der Mühle und der Bäcker gute Backeigenschaften haben. Maßnahmen zur Gesunderhaltung der Feldbestände werden gemeinsam mit einem Anbauberater des Mühlenunternehmens besprochen. Für Getreide, das den definierten Qualitätsanforderungen entspricht, gibt es eine Abnahmegarantie. Die Mühle ist damit in der Lage, Mehle gleichbleibender Qualität für verschiedene Anwendungen herzustellen. „ Es hält uns Bäckern den Rücken frei, wenn wir uns auf Mehle gleichbleibender Qualität verlassen können“, betonte Michael Wippler, Landesobermeister der Bäckerinnung.


„Dieses Programm ist mit sehr viel Herzblut auf den Weg gebracht worden“, sagte Wolfgang Vogel, Präsident des Sächsischen Landesbauernverbandes und Mitbegründer von „Sachsens Ährenwort“. Deutschlandweit gebe es nichts Vergleichbares. „Und es war anfangs auch nicht einfach, die Landwirte davon zu überzeugen, in den Vertragsanbau zu gehen“, so Vogel.


Von Beginn stand die Frage nach der Qualität im Vordergrund. Dies habe eine Auseinandersetzung „mit unseren Böden und mit den Sorten“ bedingt, blickte der SLB-Präsident zurück. Zum Programm gehöre es aber auch, dass man regelmäßig zusammenkomme und über Preise verhandle, mit denen alle Seiten leben können. Auch wenn dies nicht immer einfach sei – das „Ährenwort“ sei erfolgreich, wofür auch die Tatsache spreche, dass es als einziges Programm im Ackerbau ein CMA-Gütesiegel erhalten habe.


Erfolg muss errungen werden, darauf machte Dr. Eckehard Fichtner, ehemaliger Geschäftsführer und Mitbegründer des „Ährenworts“, aufmerksam. Bei einer absehbaren Verschärfung des Düngerechts werde in Sachsen die Produktion bestimmter Weizenqualitäten nur noch schwer möglich sein, sagte er und kritisierte zugleich, dass seitens der Züchtung eher dem Trend hoher Erträge gefolgt werde, während Qualitätsmerkmale weniger beachtet würden. Aufgabe sei es nun, den Qualitätsanspruch aufrecht zu erhalten. Fichtner versprach: „Das werden wir schaffen – Ährenwort!“ Gottlieb Traugott Bienert wäre stolz darauf gewesen.Karsten Bär

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