Denkmal unterm Acker

06.11.2015

© o: Landesamt für Archäologie Sachsen

Knapp unter der Ackersohle: Gefäße eines bronzezeitlichen Grabes im nordsächsischen Liebersee.

Schon vor sechs- bis siebentausend Jahren betrieben auf den fruchtbarsten Böden des heutigen Sachsens Menschen Ackerbau. Die frühen Bauern hinterließen Spuren: Scherben, Steingeräte, deutliche Verfärbungen im Boden – und nicht selten waren es Landwirte, die diese Relikte menschlicher Geschichte ab dem Ende des 19. Jahrhunderts immer häufiger auf ihren Äckern entdeckten oder sogar gezielt danach suchten.

 

„Archiv im Boden“ vor Störungen bewahren


Von der Jungsteinzeit bis in die frühe Neuzeit reicht die Spanne, in die die Funde auf landwirtschaftlichen Flächen Sachsens zurückdatieren. Noch immer ruhen viele solcher  archäologischen Schätze unter der Ackerkrume – wo sie indes alles andere als sicher sind: „Das ,Archiv im Boden’ ist höchst gefährdet“, warnt Dr. Thomas Westphalen, Leiter der Abteilung Archäologische Denkmalpflege im Sächsischen Landesamt für Archäologie (LfA). Denn durch die landwirtschaftliche Bewirtschaftung können immer wieder ungewollt wertvolle archäologische Schätze zerstört werden.


Nicht nur für Archäologen hat das Thema Priorität: Mit der gemeinsam initiierten Ausstellung „Sachsens Geschichte unterm Acker – Landwirte schützen Denkmäler“ wollen das LfA und auch das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) mehr öffentliche Aufmerksamkeit auf das Problem lenken und für die Notwendigkeit des Schutzes von Bodendenkmälern sensibilisieren. „Es wird keine Archäologie-Ausstellung sein, wie man sie kennt“, sagt Dr. Mario Marsch, Leiter der Abteilung Grundsatzangelegenheiten Umwelt, Landwirtschaft, Ländliche Entwicklung im LfULG. Interaktiv gestaltet, soll sie nicht nur den Blick auf Fundmaterial – darunter die vollständige Blockbergung eines Urnengrabes – richten, sondern auch auf die Gefährdung der reichen Bodendenkmallandschaft Sachsens und auf Mittel und Wege, künftig Schäden zu vermeiden.


Instrumente hierfür gibt es einige, nicht selten erfüllen sie auch noch andere nützliche Zwecke. Ein Mittel sei etwa die konservierende Bodenbearbeitung, wie Marsch erklärt, denn vor allem tiefes Pflügen bringe Bodendenkmäler in Gefahr.

 

Precision Farming im Dienst der Archäologie


Direkt- und Streifensaat vermindern ebenfalls Eingriffe ins „Bodenarchiv“, besonders schützende Wirkung kann durch die Anlage von Grünstreifen auf sehr sensiblen Bereichen auf dem Acker erreicht werden, die sich zugleich ins „Greening“ einordnen oder als produktionsintegrierte Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen angelegt werden können. Mithilfe des Precision Farming lassen sich ebenfalls besonders gefährdete Teilflächen durch eine punktuell angepasste Bewirtschaftung besser schonen.


Ein weiteres Instrument sei die ländliche Flurneuordnung, mit deren Hilfe sich archäologisch interessante Flächen ohne Belastung des Landwirtes aus der Nutzung nehmen lassen, so Marsch.  Erfolgreich praktiziert worden sei dieser Weg bei der Sicherung des Zschaitzer Burgberges, einer frühmittelalterlichen Befestigungsanlage in Mittelsachsen, ergänzt Westphalen. Gelungene Beispiele wird die Ausstellung präsentieren. „In Video-Interviews  erklären Praktiker, dass das alles keine graue Theorie ist“, erklärt Marsch.

 

Ansprechpartner geben Rat und Hilfe


Voraussetzung, Bodendenkmäler schützen zu können, ist die Kenntnis darüber, wo sie sich konkret befinden. Auch hierfür will die Ausstellung einen Beitrag leisten. Informiert wird sowohl über regionale Schwerpunkte relevanter Flächen in Sachsen als auch über Ansprechpartner für Landwirte, die die exakte Lage mitteilen sowie Rat und Hilfe beim Schutz von Bodendenkmälern geben.


Die Ausstellung „Sachsens Geschichte unterm Acker – Landwirte schützen Denkmäler“ wird am 17. November um 18 Uhr im Bürgerforum des Sächsischen Landtages von Landtagspräsident Matthias Rößler eröffnet. Herzlich eingeladen seien hierzu besonders auch Landwirte, betonten Thomas Westphalen und Mario Marsch.

 

Die Ausstellung ist bis zum 18. Dezember im Landtag zu sehen, anschließend vom 11. Januar bis 8. März 2016 im Landwirtschafts- und Umweltzentrum Nossen. Weitere Ausstellungsorte sind geplant, so das Staatliche Museum für Archäologie Chemnitz und Schloss Hubertusburg in Wermsdorf.

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