Den Gipfel erklimmen

14.03.2014

© Werkbild

Direktsaat schont den Boden und kann die Produktionskosten reduzieren. Kritisiert wird jedoch der Einsatz von Glyphosat. Die Pflanzenbautagung nahm sich des Themas an.

Einen Schwerpunkt der diesjährigen Pflanzentagung des Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) in Groitzsch bildete der Themenkomplex pfluglose Bodenbearbeitung und Glyphosateinsatz. Die Starkniederschläge des vergangenen Jahres hätten einmal mehr die Notwendigkeit gezeigt, mithilfe schonender Verfahren den Boden vor Erosion zu schützen, führte Dr. Eberhard Bröhl, Leiter der Abteilung Landwirtschaft im Landesamt, zu Beginn aus. Dennoch sei die pfluglose Bodenbearbeitung in die Diskussion geraten, weil sie in der Regel mit dem Einsatz glyphosathaltiger Herbizide einhergehe. „Glyphosat ist ein wichtiges ackerbauliches Instrument“, betonte Bröhl. Der Wirkstoff werde streng kontrolliert, zum wiederholten Male sei die Risikobewertung staatlicher Stellen zu dem Schluss gekommen, dass der Einsatz von Glyphosat bei sachgerechter Anwendung keine Beeinträchtigungen für Mensch und Umwelt erwarten lasse. „Dennoch muss es das Ziel sein, den Anwendungsumfang zu reduzieren“, so der LfULG-Abteilungsleiter. Hinweise hierzu erhielten die anwesenden Landwirte in zwei Vorträgen.

Direktsaat spart Kosten und schont Umwelt

Den Boden schonen und seine Fruchtbarkeit erhalten – dieses Ziel setzt laut Wolfgang Sturny vom  Amt für Landwirtschaft und Natur des Kantons Bern, Fachstelle Bodenschutz, voraus, dass die Bodenbewegung auf ein Minimum reduziert wird, er möglichst dauerhaft mit Pflanzen oder Pflanzenresten bedeckt ist und eine möglichst geringe Druckbelastung auf ihn einwirkt. Auf einer Dauerbeobachtungsfläche vergleicht sein Amt bereits seit 1994 Direktsaat und mit dem Pflug bearbeitete Parzellen, wobei weite Fruchtfolgen, die auch Leguminosen wie Ackerbohnen und Eiweißerbsen enthalten, und Zwischenfruchtgemenge angebaut werden. Direktsaat, so Sturnys Schlussfolgerung aus der Dauerbeobachtung, schone Boden, Wasser sowie die Umwelt und senke die Produktionskosten durch höhere Flächenproduktivität und durch Senkung der Arbeitszeit, des Materialverschleißes und der Kraftstoffkosten. Eine Reduzierung des Glyphosateinsatzes kann sich bei Anwendung geeigneter Fruchtfolgen ebenfalls ergeben. Möglich sind glyphosatfreie Herbizidstrategien laut dem Schweizer Fachmann etwa, wenn:

• nach der Ernte unkrautfrei geführter, spät geernteter Hauptkulturen (z. B. Mais, Zuckerrüben oder Kartoffeln) eine Wintergetreidesaat folgt;
• unmittelbar nach der Ernte von unkrautfrei geführten Getreidebeständen die Saat einer konkurrenzstarken abfrierenden Gründüngung erfolgt, in die dann im Herbst bei Vollblüte ein Wintergetreide oder im Frühjahr nach dem Winterfrost eine frühe Kultur gesät wird;
• nach unkrautfrei geführten Getreidebeständen im Folgejahr späte Frühjahrskulturen wie Mais in konkurrenzstarke, winterharte Gründüngungen (in Vollblüte) gesät werden.

Denkanstöße für Praktiker

Erfolgreich Direktsaat zu betreiben, verglich Sturny mit dem Erklimmen eines Gipfels – es ist ein langer Weg, der viele Mühen abverlange, die am Ende aber belohnt werden. Kritisch angesprochen auf die von ihm dargestellten Fruchtfolgen, die in der landwirtschaftlichen Praxis zu ökonomischen Nachteilen führten, sagte er, dass die Landwirte letztlich zum Handeln gezwungen seien, um den Boden zu schützen und seine Fruchtbarkeit zu erhalten.

Direktsaat kann auch unter den in Mitteldeutschland herrschenden Bedingungen erfolgreich praktiziert werden. Dies ging aus dem sich anschließenden Vortrag von Ulrich Zink aus dem anhaltischen Seidewitz hervor, der über Erfahrungen seines Betriebes berichtete und durchaus Denkanstöße für die in Groitzsch versammelten Praktiker bereithielt. Den Glyphosataufwand – der Betrieb setzt im Durchschnitt 0,7 l/ha im Jahr ein – versucht Zink durch Optimierung des Ausbringens so gering wie möglich zu halten. Eine Stellschraube hierfür ist unter anderem der Spritzzeitpunkt, denn bei passender Luftfeuchtigkeit und Temperatur werden Herbizide besser von der Pflanze absorbiert. Eine Rolle spielt weiterhin die Qualität des Wassers. Je härter das Wasser, umso eher bildet das Glyphosat mit Kationen stabile Komplexe, wodurch seine herbizide Wirkung verloren geht. Abdriftverluste vermeidet der Landwirt durch niedrigen Spritzendruck bei größerer Tröpfchengröße und angepasster Wasseraufwandmenge, geringere Fahrgeschwindigkeit und Durchführung der Applikation bei Windstille.

Aktuelle Hinweise zur Düngung wurden in zwei weiteren Vorträgen gegeben. Wilfried Zorn, Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft, informierte über Erfordernisse der Mikronährstoffversorgung. Er führte aus, dass die bedarfsgerechte Versorgung der Böden mit Kalk, Phosphor und Kalium Vorrang vor der Mikronährstoffdüngung haben sollte. Präzise ermitteln lasse sich der Bedarf an Mikronährstoffen durch Pflanzenanalyse. Bei der Düngung sollten der pflanzenartspezifische Bedarf, der Standort sowie die Witterung ebenso beachtet werden wie die optimalen Düngungszeitspannen und die Mindestaufwandmengen.

Empfehlungen für die Frühjahrsdüngung gab Dr. Michael Grunert vom LfULG (vgl. BauernZeitung für Sachsen 10/2014 S. 8 sowie auch S. 8 dieser Ausgabe), der anschließend zu den Diskussionen über die Novellierung der Düngeverordnung informierte.

Weniger Maßnahmen im Förderprogramm

Das neue Agrarumwelt-Förderprogramm des Freistaates Sachsen stellte Dr. Jochen Göbel vom Staatministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) vor. Vorgesehen ist es, die Zahl der Maßnahmen für Acker- und Grünland insgesamt zu reduzieren. Bei Ackerlandmaßnahmen will das SMUL die Kontrollkriterien vereinfachen und den Feldlerchenschutz verpflichtend integrieren. Bei Grünlandmaßnahmen soll künftig auf naturschutzfachliche Stellungsnahmen verzichtet und eine zielgenaue Förderung in spezifischen Förderkulissen angeboten werden.

Neu ist eine erfolgshonorierte Grünlandmaßnahme, bei der bestimmte Kennarten erhalten und nachgewiesen werden müssen. Bei den übrigen Grünlandmaßnahmen gibt es mehr Spielräume für die Bewirtschafter, z. B. bei den Nutzungszeiten oder der Beweidung. Zugangsvoraussetzung für alle Maßnahmen sind künftig bestimmte Mindestschlaggrößen.

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