Debatte um Wolfsbestand im Freistaat

08.12.2016

Wölfe im Wildpark © Sabine Rübensaat

In Sachsen hält die Diskussion um den Schutzstatus des Wolfes an. In Interviews mit verschiedenen Tageszeitungen hat Agrar- und Umweltminister Thomas Schmidt darauf verwiesen, dass der Abschuss aggressiver Wölfe bereits jetzt unter bestimmten Voraussetzungen möglich ist. Im Falle des Rosenthaler Rudels seien diese Bedingungen jedoch noch nicht erfüllt. Dieses westlich von Bautzen heimische Wolfsrudel hatte in den vergangenen Wochen durch erfolgreiche Angriffe auf Schafsherden, die durch den geforderten Mindestschutz gesichert waren, von sich reden gemacht. Der Managementplan für den Wolf sieht jedoch eine Reihe von weiteren Vorkehrungen zum Herdenschutz vor. Erst wenn diese ebenfalls von einem Wolf überwunden wurden, sind die Voraussetzungen für eine Entnahme gegeben. Über einen Antrag auf Abschuss würde die jeweilige beim Landkreis angesiedelte Untere Jagdbehörde entscheiden.

 

Vorschlag angenommen


Schmidt bezeichnete die Rückkehr des Wolfes nach Sachsen als großen Erfolg für den Artenschutz. Die Frage, ob der strenge Schutz für das Raubtier noch nötig sei, könne man indes berechtigterweise stellen. Einen entsprechenden Vorschlag hatte Sachsen gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommern vergangene Woche in die Umweltministerkonferenz eingebracht und die Zustimmung der anderen Umweltminister der Länder erhalten. Demnach soll die Bundesregierung gebeten werden, den Erhaltungszustand der mitteleuropäischen Tieflandspopulation des Wolfes zu bewerten und den Ländern darüber zu berichten. Dabei soll auch ein möglicher genetischer Austausch der Tiere mit Artgenossen in anderen Populationen, zum Beispiel im Baltikum, betrachtet werden.


Trotz seiner zunehmenden Ausbreitung in Deutschland war am hohen Schutzstatus des Wolfes bisher nicht zu rütteln gewesen, weil man seitens des Naturschutzes stets auf die relativ kleine mitteleuropäische Tieflandspopulation verweist. Mittlerweile gibt es jedoch begründete Ansichten, nach denen das Vorkommen in Deutschland und Westpolen als westlicher Teil einer größeren nordosteuropäisch-baltischen Population gilt. Die Abgrenzung der Populationen ist für die Bewertung des Erhaltungszustandes nach der europäischen FFH-Richtlinie von Bedeutung.   

 

Wie läuft es anderswo?


Während man, wie Schmidt erklärte, in Fragen um den Erhaltungszustand und den genetischen Austausch auf ein gemeinsames Vorgehen setze, wolle der Freistaat Sachsen durch eigene Gutachten klären lassen, welche Erfahrungen außerhalb Deutschlands beim Schutz von Nutztieren gesammelt wurden und welche Regeln für die Vergrämung oder Entnahme einzelner, sich aggressiv oder atypisch verhaltender Tiere dort angewendet werden.


Zur Kontroverse um den Wolf nahm in der vergangenen Woche auch der agrar- und umweltpolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen im sächsischen Landtag, Wolfram Günther, Stellung. Er sagte, die Debatte um den Wolf nehme „teilweise bizarre Züge an“. „Man hat mitunter den Eindruck, die Schafe stünden in Sachsen zum Streicheln auf der Wiese und würden nicht als Nutztiere gehalten“, so der Grünen-Politiker. Er stellte die in diesem Jahr dokumentierten Wolfsangriffe auf Schafe mit 210 getöteten Tieren (Stand Mitte November) den statistischen Angaben zu gewerblichen und privaten Schlachtungen (über 16 000 im Jahr 2015) gegenüber. Aus Sicht der Grünen sei die Weidehaltung unverzichtbar, jedoch müssten sich die Halter auf den Wolf einstellen und in Fällen, in denen Wölfe das Überwinden von Herdenschutzmaßnahmen erlernt haben, auf neue Präventionsmaßnahmen, etwa den Einsatz vom Herdenschutzhunden, setzen. Der Wolf sei streng geschützt, und seine Bestandsentwicklung lasse auf absehbare Zeit keine Bejagung zu. Günther verwies auf acht illegale Tötungen von Wölfen in Sachsen in diesem Jahr und forderte, bei diesem Delikt den Verfolgungsdruck zu erhöhen.


Wie die „Sächsische Zeitung“ berichtet, hat sich nach dem Bautzner Landrat Michael Harig nun mit dem Chef des Görlitzer Landratsamtes, Bernd Lange, ein weiterer Landrat in die Diskussion eingeschaltet. Er plädierte dafür, angesichts einer hohen Rudeldichten in Ostsachsen Abschüsse nicht mehr auszuschließen.

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